Menschen bei einem Protest gegen den Militärputsch in der sudanesischen Hauptstadt Khartum. | AP

Nach Militärputsch im Sudan Ein Funken Hoffnung auf Diplomatie

Stand: 05.11.2021 12:49 Uhr

Nach dem Militärputsch vor knapp zwei Wochen brodelt es im Sudan: Die Proteste reißen nicht ab, es gibt weitere Verhaftungen. Doch es gibt auch erste Gespräche - und nun auch Hoffnung auf eine politische Lösung.

Von Udo Schmidt, ARD-Studio Kairo

Lautstarke Proteste waren auch in der vergangenen Nacht in Sudans Hauptstadt Khartum zu hören: Singend und tanzend zogen Tausende Frauen, Männer und auch Kinder durch die Straßen. Sie riefen: "Revolution, Revolution!"

Udo Schmidt

Es wirkt wie eine große Party, aber nach Feiern ist in diesen Stunden wahrscheinlich niemandem zumute. Auch wenn es ganz offenbar eine Entwicklung gibt, vielleicht auch einen Weg zur Rettung der Demokratie des Sudan. Der Fernsehsender Al-Jazeera mit Sitz in Katar meldete gestern Gespräche zwischen Putschgeneral Abdel Fattah-al-Burhan und dem gestürzten und unter Hausarrest stehenden Ministerpräsidenten Abdalla Hamdok. Bestätigt sind diese direkten Gespräche bisher jedoch nicht.

Am Abend kündigte dann das Militär die Freilassung von vier inhaftierten Ministern der gestürzten Regierung an. Inzwischen sind diese nach Meldungen des saudischen TV-Senders Al-Hadath wirklich auf freiem Fuß. Gleichzeitig meldet der Sender, drei andere Politiker seien festgenommen worden, ohne allerdings Namen zu nennen.

Übergangsregierung soll kommen

Es gibt eine vorsichtige Bewegung im Sudan - wohl auch nach Telefonaten von US-Außenminister Antony Blinken und UN-Generalsekretär Antonio Guterres mit dem Putschgeneral. Eine Übergangsregierung soll bald bekanntgegeben werden, heißt es. Aber welche zivilen Politiker dieser Regierung angehören könnten, bleibt noch unklar. Der südsudanesische Vermittler Tut Galwak erklärte jedoch laut Al-Jazeera, auch der gestürzte Hamdok sei einer der Kandidaten für die neue Regierungsführung.

Den Menschen auf den Straßen Karthums reichen diese Ankündigungen nicht. Am 25. Oktober hat das Militär die langerkämpfte Demokratisierung des Sudan zunichte gemacht. Während der Proteste gegen den Putsch hat es Tote gegeben, die Wunden sind tief.

Neue Proteste angekündigt

Mahasen Abdullah Abuelgasim hat während der Proteste ihren Sohn verloren, er wurde ganz offenbar von Soldaten erschossen. Im Gespräch mit der Agentur Reuters sagt sie: "Gerechtigkeit kommt von Gott. Ich will nicht noch ein Kind verlieren, aber nachdem Mohammed getötet wurde, denke ich darüber nach, ob ich nicht auch auf die Straße gehen sollte." Und auch Anwar Abdel Sallam der Bruder des Getöteten will jetzt erst recht weiter protestieren: "Ich muss wieder raus, Wir können jetzt nicht zu Hause bleiben und die anderen für uns kämpfen lassen."

Mahasen Abdullah Abuelgasim | AFP

Mahasen Abdullah Abuelgasim hat bei den Protesten gegen den Militärputsch ihren Sohn verloren. Bild: AFP

Neue Proteste sind angekündigt im Sudan, aber eben auch die Vorstellung einer Übergangsregierung. Die kommenden Tage werden entscheidend sein für eine mögliche friedliche Lösung der Krise im Sudan.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Oktober 2021 um 17:25 Uhr.