Plakatwerbung für "Der Beste Vater" | Anne Allmeling

Ramadan-Serien in Ägypten Herzschmerz und Action im Fastenmonat

Stand: 12.04.2021 19:45 Uhr

Für viele Ägypter gehören Serien zum Ramadan wie Datteln und Milch. Jeden Abend nach dem Fastenbrechen sehen Millionen die neuesten Folgen. Der Hit in diesem Jahr: staatstreue Actionhelden.

Von Anne Allmeling, ARD-Studio Kairo

Düstere Dramen aus Oberägypten, Alltagsgeschichten aus den Vierteln der Großstadt, Action-Szenen in umkämpften Gebieten: Mehr als 30 neue Serien aus Ägypten strahlen die Fernsehsender während des Ramadan aus - zur besten Sendezeit nach Sonnenuntergang, wenn sich die Familie zum Fastenbrechen versammelt. Jeden Abend eine Episode, 30 Tage lang.

Anne Allmeling ARD-Studio Kairo

Sabry Atteyeb aus dem Kairoer Stadtviertel Embaba hat einen klaren Favoriten: "Mohamed Ramadan ist der Beste. Es gibt eine neue Serie mit ihm - 'Moussa'. Ich habe den Trailer gesehen. Total gut!", schwärmt er.

Mohamed Ramadan gehört zu den beliebtesten Schauspielern und Sängern in Ägypten - und zu den bestbezahlten. Auch andere Stars wie Yousra, Karim Abdel Aziz und Yehiya Al-Fakharany und Newcomer wie Nejib Belhassen spielen dieses Jahr mit. 

Mohamed Ramadan ist einer der beliebtesten ägyptischen Schauspieler. | picture alliance / Xinhua News A

Mohamed Ramadan ist einer der beliebtesten ägyptischen Schauspieler. Bild: picture alliance / Xinhua News A

Staat unterstützt Produktionsfirma

"Der große Unterschied zwischen Ramadan-Serien und anderen Serien im Fernsehen ist das Geld, das in diese Serien fließt, aber auch die Stars, die die Hauptrollen übernehmen", sagt der Filmkritiker Ahmed Atef. Die Stars sind ein Garant für hohe Einschaltquoten und sorgen so für astronomisch hohe Werbeeinnahmen. Viele Serien haben dieselbe Produktionsfirma - eine, die vom Staat unterstützt wird.

Viele Werbeplakate an einer großen Straße in Kairo | Anne Allmeling

Viele Werbeplakate für neue Serien aneiner großen Straße in Kairo. Bild: Anne Allmeling

Ein klarer Trend in diesem Jahr: Geheimdienstler, die für das Gute kämpfen, Polizisten, die sich für ihr Land aufopfern - staatstreue Helden also, die sich gegen alles wehren, was dem herrschenden System gefährlich werden könnte. Wie in der Serie "Al Ikhtiyar" - "Die Entscheidung". Sie handelt von Sicherheitskräften, die unter der Herrschaft von Präsident Abdel Fattah al-Sisi gegen den Terror kämpfen. Die Hauptfigur will sich für die gefallenen Kollegen rächen.

Ägyptens Filmindustrie ist berühmt

Ramadan-Serien sind für viele arabische Schauspieler der Schlüssel zum Ruhm. Für Schauspieler Nejib Belhassen geht dieses Jahr ein Traum in Erfüllung: mit einer Rolle in der ägyptischen Serie "Moussa".

"Ich komme aus Tunesien, aber die ägyptische Filmindustrie ist sehr wichtig für mich", sagt er. "Sie ist schon seit langer Zeit bekannt für ihre Kunst, für ihre Lieder, Filme und Serien. Die ganze arabische Welt, fast 400 Millionen Menschen, schaut die ägyptischen Produktionen - ob Spielfilme oder die alten in Schwarz-Weiß. Außerdem gibt es hier in Ägypten viele Filmproduktionen. Deshalb ist es für mich als Tunesier und Araber wichtig, in ägyptischen Produktionen dabei zu sein."

Der tunesische Schauspieler Nejib Belhassen hat auch in der ägyptischen Filmbranche Erfolg. | picture alliance / AA

Der tunesische Schauspieler Nejib Belhassen hat auch in der ägyptischen Filmbranche Erfolg. Bild: picture alliance / AA

In "Moussa" spielt Nejib Belhassen einen britischen Soldaten zur Zeit des Zweiten Weltkriegs; an der Seite von Superstar Mohamed Ramadan. Riesige Reklamewände werben an den Schnellstraßen für die neuen Serien: "Bürgerkrieg", "Die Tochter des Sultans", "Zwischen Himmel und Erde".

Wiederholung nach Ramadan-Ende

“Ich freue mich jedes Jahr auf die Ramadan-Serien. Alles, was mich zum Lachen bringt, schau‘ ich mir an", sagt Fayez Shehata. Der 63-jährige Kopte lebt in einem überwiegend muslimischen Viertel. "Ja, ich bin Christ. Und trotzdem feiern wir Ramadan. Wir hängen die bunten Lampen auf und schmücken die Straßen damit. Ramadan bringt allen Ägyptern viel Segen und Gutes", sagt er.

Für ihn gehören die Serien dazu. Jeden Tag schauen er und seine sechs Kinder zumindest eine Weile fern. Wer dazu keine Zeit hat, bekomme später noch eine zweite Chance, sagt seine Nachbarin Magda Mohammed:

"Ramadan ist für mich nicht der Monat der Serien, sondern der Monat des Segens. Diesen Monat gibt es nur einmal im ganzen Jahr, deshalb nutze ich ihn zum Beten und Fasten. Die Ramadan-Serien werden nach Ende des Fastenmonats alle noch einmal gezeigt. Dann habe ich das ganze Jahr Zeit, sie zu sehen."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 13. April 2021 um 13:52 Uhr.