Zahlreiche Menschen bei Protesten in der sudanesischen Hauptstadt Khartum | AFP

Drei Wochen nach Putsch Tote bei Massenprotesten im Sudan

Stand: 13.11.2021 18:43 Uhr

Im Sudan sind nach der Machtübernahme des Militärs erneut Zehntausende gegen die Putschisten auf die Straßen gegangen. Mindestens fünf Menschen kamen ums Leben. Ärzte berichten vom Einsatz scharfer Munition durch Sicherheitskräfte.

Knapp drei Wochen nach dem Militärputsch im Sudan haben erneut Zehntausende Menschen im ganzen Land gegen das drohende Ende der demokratischen Reformen protestiert.

In der Hauptstadt Khartum und der angrenzenden Stadt Omdurman gingen Soldaten und Polizisten gewaltsam gegen die Proteste vor. Mindestens fünf Demonstranten wurden nach Angaben von Ärzten durch Schüsse oder den Einsatz von Tränengas getötet.

Berichte über Einsatz scharfer Munition

Einer pro-demokratischen Ärzteorganisation zufolge setzten Sicherheitskräfte auch scharfe Munition ein. In den Krankenhäusern der Hauptstadt würden zahlreiche Verletzte behandelt, erklärte die Ärztevereinigung. Gewerkschaften und pro-demokratische Gruppierungen berichteten von Festnahmen. 

Weitere Proteste wurden aus der südlich gelegenen Stadt Wad Madani, aus Port Sudan am Roten Meer und dem östlichen Bundesstaat Kassala gemeldet.

Das Militär hatte am 25. Oktober die Macht im Sudan übernommen. Die zivilen Mitglieder der Übergangsregierung, die nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Omar al-Baschir 2019 ins Amt gekommen war, wurden festgenommen. Seitdem kommt es zu Protesten.

Neue Regierung bisher nur angekündigt

Der Anführer der Putschisten, General Abdel Fattah al-Burhan, rief den Ausnahmezustand aus und kündigte die rasche Bildung einer neuen Regierung an. Deren Ernennung lässt jedoch auf sich warten. Für neuen Ärger in den Reihen der Demokratiebewegung sorgte die Tatsache, dass Burhan sich am Donnerstag wieder zum Leiter des vom Militär geführten Souveränitätsrats ernannt hatte, der das Land eigentlich zu freien Wahlen führen sollte.

Diesem Rat gehören auch einige wenige bekannte Vertreter der Ziviligesellschaft an - aber kein einziger Vertreter des Bündnisses Kräfte für Freiheit und Wandel (FFC), das vor zwei Jahren erfolgreich den Volksaufstand gegen al-Baschir organisiert hatte.

Der UN-Gesandte im Sudan, Volker Perthes, rief die Sicherheitskräfte zu äußerster Zurückhaltung auf. Die Demonstrierenden mahnte er, das Prinzip friedlichen Protests zu wahren. Seit der Machtübernahme kamen nach Angaben sudanesischer Ärzte und der UN mindestens 15 Protestierende ums Leben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. November 2021 um 19:00 Uhr.