Ein Screenshot aus einem Video der Terrorgruppe Boko Haram zeigt den Anführer der Organisation, Shekau, mit einigen Kämpfern.

Terrorgruppe in Nigeria Boko Haram bestätigt Tod ihres Anführers

Stand: 17.06.2021 17:02 Uhr

Der Anführer der Terrormiliz Boko Haram, Shekau, war für seine Brutalität berüchtigt. Nun hat die Islamistengruppe seinen Tod bestätigt. Laut Shekaus Nachfolger soll er bei Kämpfen mit rivalisierenden Dschihadisten ums Leben gekommen sein.

Die nigerianische Islamistengruppe Boko Haram hat den Tod ihres Anführers Abubakar Shekau bestätigt. In einem Video, das der Nachrichtenagentur AFP zugeleitet wurde, sagte der mutmaßliche neue Chef der Terrormiliz, Bakura Modu, Shekau sei als "Märtyrer" gestorben. Er warf der rivalisierenden Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat Provinz Westafrika" (Iswap) vor, Shekau getötet zu haben.

In dem kurzen, undatierten Video präsentierte sich Bakura als neuer Anführer von Boko Haram. Er rief seine Kommandeure dazu auf, trotz des Todes von Shekau der Miliz die Treue zu halten. Sie dürften ihre "Entschlossenheit für den Dschihad" nicht aufgeben. 

276 Schülerinnen entführt

Iswap-Chef Abu Musab Al-Barnawi hatte Anfang des Monats in einer Audiobotschaft mitgeteilt, dass Shekau tot sei. Nach Darstellung Al-Barnawis beging Shekau auf der Flucht vor Iswap-Kämpfern Suizid. Er habe sich bei Kämpfen in einem Wald im Bundesstaat Borno in die Luft gesprengt.

Nach den ersten Berichten über den Tod Shekaus hatten die Kämpfe zwischen den beiden rivalisierenden Dschihadistengruppen zugenommen. Nach Angaben aus Geheimdienstkreisen gingen Iswap-Kämpfer gegen Boko-Haram-Kommandeure vor, die sich weigerten, sich zu ergeben oder zu ihnen überzulaufen.

Shekau war in der Vergangenheit mehrfach für tot erklärt worden. Er hatte die Führung der Islamistengruppe übernommen, nachdem deren Gründer Mohammed Yusuf 2009 vom Militär getötet worden war. Unter seiner Führung hatte Boko Haram 276 Schülerinnen in Chibok im Jahr 2014 entführt. Der Vorfall sorgte weltweit für Empörung.

Zwei Millionen Menschen geflüchtet

Wegen seiner extremen Brutalität hatten sich selbst radikale Islamisten von Shekau distanziert. Iswap spaltete sich 2016 von Boko Haram ab. Die seither mit Boko Haram rivalisierende Gruppe kritisierte Shekau dafür, dass er muslimische Zivilisten angreifen ließ und Frauen als Selbstmordattentäterin einsetzte. Iswap-Kämpfer übernahmen Sicherheitskreisen zufolge inzwischen die Kontrolle über den Sambisa-Wald, eine einstige Hochburg Shekaus.

Boko Haram ist dagegen vorrangig im weiter nördlich gelegenen Grenzgebiet zum Tschad und zum Niger aktiv. Boko Haram kämpft seit 2009 gewaltsam für einen islamistischen Staat im Nordosten Nigerias. Durch die Angriffe der Milizen und ihre Kämpfe mit der Armee wurden in den vergangenen Jahren mehr als 40.000 Menschen getötet, zwei Millionen weitere ergriffen die Flucht. 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Juni 2021 um 11:50 Uhr.