Migranten an einem Grenzzaun in Ceuta | AFP

Spanische Exklave Ceuta EU fordert Marokko auf, Migranten zu stoppen

Stand: 18.05.2021 13:27 Uhr

Nach dem Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta hat sich die EU-Kommission eingeschaltet: Marokko solle Migranten von der Flucht abhalten. Menschen ohne Bleiberecht in der EU müssten "geordnet zurückgeführt werden".

Die EU-Kommission hat Marokko aufgefordert, weitere Migranten an der Flucht in die spanische Exklave Ceuta zu hindern. Die Situation sei angesichts von mittlerweile mindestens 6000 Flüchtlingen besorgniserregend, sagte EU-Innenkommissarin Ylva Johansson. "Das Wichtigste ist jetzt, dass Marokko sich weiter dafür einsetzt, dass irreguläre Ausreisen verhindert werden." Zudem müssten Menschen, "die kein Bleiberecht haben, geordnet und effektiv zurückgeführt werden".

Seit Montag waren etwa 6000 Migranten in dem kleinen spanischen Gebiet in Nordafrika eingetroffen, unter ihnen etwa 1500 Minderjährige. Die meisten schwammen oder nutzten die Ebbe, um zu Fuß der Küste entlang in die von hohen Zäunen umgebene Stadt zu gelangen.

Machtlose Behörden

Noch nie zuvor waren so viele Menschen binnen eines Tages nach Ceuta mit seinen rund 85.000 Einwohnern gekommen. Die Behörden wurden von dem Ansturm völlig überwältigt und konnten nicht mehr tun, als Menschen vor dem Ertrinken zu retten.

"Spanische Grenzen sind europäische Grenzen", sagte Johansson im Europaparlament. Sie sprach von "beispiellosen irregulären Ankünften" von Flüchtlingen in dem Gebiet.

Die Menschen brächten ihr Leben in Gefahr, indem sie versuchten, Ceuta schwimmend zu erreichen. Mindestens ein Mensch sei bereits gestorben, viele hätten gerettet werden müssen.

Karte mit Ceuta und Gibraltar

Landgrenze zwischen EU und Afrika

Ceuta und die andere spanische Exklave Melilla haben die einzige Landgrenze der Europäischen Union mit Afrika. Sie sind deshalb regelmäßig Ziel von Menschen, die sich ein besseres Leben in Europa erhoffen. 

Eine Sprecherin des Roten Kreuzes in Ceuta sagte: "Wir sind absolut an unserer Kapazitätsgrenze: Alle meine Kollegen helfen, wo sie nur können, direkt am Strand. Wir wissen nicht, wie das weitergehen soll. Wir sind pausenlos im Einsatz, um die Ankommenden zu versorgen."

Mittlerweile sind bereits etwa 1600 Menschen abgeschoben worden. "Heute geht es mit den Abschiebungen weiter", sagte Migrationsminister José Luis Escrivá im Radiosender "COPE". "Es gibt Rückführungsabkommen mit Marokko und darauf berufen wir uns."


Mit Informationen von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Mai 2021 um 12:00 Uhr.