Rettungskräfte in Ighran | EPA

Trauer in Marokko Rayan hat Sturz in Brunnen nicht überlebt

Stand: 06.02.2022 09:59 Uhr

Tagelang hatten Helfer einen Parallel-Schacht gegraben. Doch sie konnten den fünfjährigen Rayan, der in einen 32 Meter tiefen Brunnen gefallen war, nur noch tot bergen. Die Bestürzung ist groß - in Marokko und weltweit.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Rabat

Laute Stoßgebete Richtung Himmel und Jubelgeschrei, als die Rettungskräfte mit schnellen Schritten den fünfjährigen Rayan zum Krankenwagen tragen - dort warteten schon seine Eltern auf ihn. Hunderte hatten Tag und Nacht vor Ort rund um die Unfallstelle die dramatische Rettungsaktion beobachtet, saßen auf Baggern und Fahrzeugen. Sie feuerten die Rettungskräfte an, klatschend, es wurde laut zusammen gebetet. Ganz Marokko, so schien es, bangten um das Schicksal des jungen Rayan. Ein Mann sagte:

Wir beten, dass Rayan am Leben ist. Möge seine Familie Geduld haben - ehrlich gesagt: Unsere Herzen sind gebrochen.
Dunja Sadaqi ARD-Studio Rabat

Menschenmenge war Herausforderung

Die Menschenmenge war zuletzt auch eine Herausforderung für die Einsatzkräfte geworden - die deswegen Barrieren errichten mussten. Die Zuschauer jubelten, als nach vier Tagen die Retter Rayan endlich aus dem 32 Meter tiefen Loch befreien konnten.

Rettungskräfte tragen den Leichnam des fünfjährigen Rayan und legen ihn in einen Krankenwagen. | dpa

Rettungskräfte tragen den Leichnam und legen ihn in einen Krankenwagen. Bild: dpa

Tür zu und los raste der weiße Krankenwagen. Tagelang waren die Ambulanz und ein Rettungshubschrauber vor Ort gewesen. Wenig später dann die Nachricht aus Marokkos Königspalast: Der Junge hat nicht überlebt. Marokkos König Mohammed VI. habe bereits mit den Eltern gesprochen.

Die Maschinen haben seit Beginn des Einsatzes zu keinem Zeitpunkt angehalten. Was den Grabevorgang betrifft, so ist dies keine einfache Sache. Der Vorgang ist so kompliziert und schwierig. Techniker sind anwesend, weil die Erde an der Stelle so zerbrechlich ist und wir Angst vor einem Einsturz haben.

Das hatte Einsatzleiter Abdelhadi Temrani in den vergangenen Tagen noch im Staatsfernsehen gesagt - da war immer noch nicht sicher, wie es Rayan geht. Zäh und nervenaufreibend zog sich der Einsatz über mehrere Tage, kam immer wieder ins Stocken.

Kein direkter Zugang möglich

Das Problem: Die Rettung war Schwerstarbeit, weil der Brunnen sehr eng ist - in den letzten Metern nur gut 45 cm - konnte niemand direkt zu dem Jungen gelangen. Deshalb wurde ein Parallel-Schacht gegraben, dann eine Art horizontale Brücke, um zu ihm zu gelangen. Tagelang bestand das Risiko, dass die Erde ins Rutschen kommt, ein gefährliches Gemisch aus hartem Fels und Sand. Immer wieder rutschten auch Erde und Steine ab - Lebensgefahr für Helfer und das Kind.

Hunderte Menschen stehen an der Unglücksstelle in Marokko, wo ein Fünfjähriger in einen Brunnenschacht gefallen war. | AFP

Hunderte Menschen stehen an der Unglücksstelle in Marokko. Bild: AFP

Der fünfjährige Rayan steckte seit Dienstagnachmittag in dem ausgetrockneten Brunnen fest - ein Loch 32 Meter tief in der Erde. In seinem Dorf Ighrane im Norden Marokkos war er beim Spielen in der Nähe seines Familienhauses in den Brunnen gefallen. Laut seinem Vater Khalid Agourram ist das Unglück geschehen, als er gerade den Brunnen instand setzen wollte und kurz unachtsam war, erzählte er Anfang der Woche dem Staatsfernsehen:

Wir wussten auf einmal nicht mehr, wo das Kind ist und haben ihn gesucht und ihn nicht gefunden. Und dann haben wir ihn mithilfe einer Kamera im Brunnen entdeckt. Dann haben wir die Behörden zu Hilfe gerufen und sie taten, was nötig war. Möge Gott sie belohnen!

Weltweite Anteilnahme

Bis zum Schluss hatten Aufnahmen einer eingeführten Kamera im Innern des Brunnens Eltern und Einsatzkräfte hoffen lassen. Die Anteilnahme und der Schock über den Tod des Jungen sind groß in Marokko - und sogar weltweit.

Bis in die Abendstunden hatten Zehntausende live den Rettungseinsatz noch im Fernsehen oder im Internet verfolgt. In sozialen Medien hatte sich der Hashtag #saverayan verbreitet. Seit der Meldung seines Todes ist es still in seinem Heimatdorf geworden.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 06. Februar 2022 um 07:34 Uhr und 09:35 Uhr.