Passagiere kommen auf dem Flughafen Mohammed V in der westmarokkanischen Stadt Casablanca an. | AFP

Nach monatelangem Einreisestopp Marokko empfängt wieder Touristen

Stand: 07.02.2022 19:49 Uhr

Marokko hatte vor Monaten seine Grenzen geschlossen - wegen der Ausbreitung der Omikron-Variante. Viele Touristenorte ähnelten daraufhin Geisterstädten. Jetzt heißt das Land Touristen wieder willkommen.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Nordwestafrika

Einer der ersten Flieger seit der Grenzschließung im November landet am Flughafen Rabat/Salé in Marokkos Hauptstadt. Drei Monate lang hatte das Königreich wegen der Ausbreitung der Omikron-Variante seine Grenzen geschlossen. Die kurzfristige Entscheidung Ende November hatte dazu geführt, dass zahlreiche Marokkaner monatelang im Ausland feststeckten.

Dunja Sadaqi ARD-Studio Rabat

Vergessen gefühlt - fern der Heimat

So wie Yasminas Sohn Hamza, den sie nun am Flughafen wieder in die Arme schließen konnte: "Die ganzen Familien zu sehen, die wiedervereint sind, das hat mich berührt. So viele Gefühle, dass ich meinen Sohn am Flughafen abholen kann - nach fünf Monaten. Es gibt nichts Schlimmeres, als getrennt zu sein. Wir waren tapfer und geduldig, und jetzt sind wir wieder vereint, Gott sei Dank. Ich hoffe und bete, dass die Pandemie und das Leid ein Ende haben."

Wie ihrem Sohn ging es zahlreichen Marokkanern im Ausland. Ein bisschen vergessen haben sie sich gefühlt, beschreibt Marokkanerin Soumaya Ragragui. Sie lebt seit Jahren in Paris. 

"Die Entscheidungen (der Regierung) kommen immer in letzter Minute. Marokko ist eines der wenigen Länder, das seit Beginn der Pandemie 2020 nie eine klare, effektive und sofortige Politik gehabt hat, um Marokkanerinnen und Marokkaner zurückzuholen, die im Ausland feststeckten. Viele hatten es schwer - und dann die Leute, die jemanden verloren haben oder ein Familienmitglied, das krank wurde. Das ist doch ein Verbrechen, dass man sie davon abhält, zurückzukommen."

Tourismusbranche leidet extrem

Zum dritten Mal seit Pandemie-Beginn hatte Marokko im Kampf gegen Corona auf Grenzschließungen gesetzt. Weil vor allem die Tourismusbranche darunter leidet, gingen viele im Januar aus Protest auf die Straße. Besonders betroffen sind Tourismus-Hochburgen wie das südliche Marrakesch, aber auch die blaue Perle - wie die Stadt Chefchaouen im Norden Marokkos genannt wird.

Hier hat Abdesslam El Moudden ein Hotel. Seit der Pandemie sei seine Stadt nicht mehr dieselbe, erzählt er: "Der Sektor bringt vielen Leuten Arbeit - gerade jungen Leuten der Stadt - und nicht nur denen. Die Restaurants, die Verkäufer auf den Märkten, die Touristenführer - es ist schwierig, denn die Stadt lebt zum Großteil vom Tourismus und ist zur Geisterstadt geworden."

Öffnung der Grenzen - ein Neustart

Daher setzen viele nun auf die Grenzöffnung, damit endlich die Touristen wieder kommen. Reiseveranstalter Henri Abikzer aus Rabat begrüßt die offenen Grenzen. Er sagt aber auch, die Maßnahmen gegen die Pandemie hätten der Branche nachhaltig geschadet: "Wir stehen am Abgrund. Wie gehen wir damit um? Nun, wir verschulden uns und warten auf bessere Tage, um unsere Schulden zurückzahlen zu können. Die Öffnung der Grenzen kann da ein wenig Sauerstoff für einen Neustart geben, aber der Schaden ist erheblich, wir werden nicht morgen wieder auf die Beine kommen, es wird einige Jahre dauern."

Wer nach Marokko einreisen will, der kann das ab Montag wieder - mit aktuellem Impfzertifikat und einem negativen PCR-Test (innerhalb von 48 Stunden). Bei Ankunft müssen die Reisenden zurzeit damit rechnen, zusätzlich am Flughafen einen Test machen zu müssen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Februar 2022 um 19:38 Uhr.