Ein Löwe im Käfig auf einer Löwenfarm in Südafrika | AFP

Geschäft mit der Löwenzucht Südafrika will Gatterjagd verbieten

Stand: 05.05.2021 15:43 Uhr

Viele Löwen in Südafrika werden auf Farmen gezüchtet und leben in Gefangenschaft - bis Großwildjäger sie töten. Damit soll bald Schluss sein: Die Regierung will das kommerzielle Geschäft mit den Tieren verbieten.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Diese kleine Löwin ist auf der Lion and Croc Ranch in Deneyville im Freestate geboren worden, gut eine Stunde südlich von Johannesburg. Zwei Wochen ist sie alt, als eine Touristin sie im Arm hält, über das ganze Gesicht strahlt, aber auch aufgeregt ist.

Bianca, die sich im Gehege auskennt, beruhigt sie. "Sie will nur saugen, wenn Du Deinen Finger in ihr Maul tust, dann saugt sie. Siehst Du, jetzt saugt sie an Deinem Daumen. Sie weint. Sie ist ein ganz normales Baby und ruft nach ihrer Mutter."

Jana Genth ARD-Studio Johannesburg

Züchtung auf rund 250 Farmen

Dass Touristen Löwenbabies anfassen, hochheben und mit ihnen spielen können, das ist Teil einer Industrie. Die Löwenzucht ist ein millionenschweres Geschäft, auf gut 250 Farmen landesweit werden die Raubtiere gezüchtet und gehalten. Damit soll aber bald Schluss sein, wenn es nach der Regierung geht. Sie will verbieten, dass Löwen in Gefangenschaft leben und dort auch sterben. Denn die Jagd auf den König der Tiere ist für bestimmte Menschen ein Kick.

Ein Löwenjunges auf einem Stein | picture alliance / dpa

Löwenjunge wie dieses enden in Südafrika bislang oft als Jagdtrophäe. Bild: picture alliance / dpa

Peter Hamilton Flack ist so ein leidenschaftlicher Jäger, er lebt auf einer Farm weit entfernt von Städten am Ostkap. In einem Video beschreibt er das Jagen so: "Der Herzschlag wird schneller, man atmet schneller, aber flacher. Man muss sich zusammenreißen, man muss langsam und tief atmen, sich beruhigen, und gegen die Gefühle und die körperlichen Folgen ankämpfen. Nur so kann man ganz ruhig, genau und sauber ein Tier mit einem Schuss töten."

Handel mit Jagdtrophäen floriert

Was für manche Menschen den Reiz ausmacht, löst bei Umweltschützern regelmäßig das pure Entsetzen aus. Und doch floriert der Handel mit Trophäen und Löwenprodukten geradezu. Nicht zuletzt Knochen gelten in manchen Ländern Asiens als Wundermittel. Mehr als die Hälfte aller Jagd-Touristen kommt aus den USA, die EU steht aber an zweiter Stelle.

Dazu kommt: Löwen sind zwar geschützte Tiere, aber in Deutschland werden immer wieder Einfuhrgenehmigungen für Jagdtrophäen erteilt. Die könnte es auch weiterhin geben, denn Südafrikas Umweltministerin Barbara Creevy will nur die Gatterhaltung und -jagd verbieten. "Die Absicht hier ist doch, dass diejenigen, die daran interessiert sind, in Südafrika zu jagen, das auch tun können. Sie sollen ein authentisches Erlebnis der Wildtierjagd haben und nicht Jagd auf Tiere machen, die aus dem Käfig geholt und vor ihre Füße gelegt wurden."

Auf Homepages von Jagd-Veranstaltern in den USA prangen schon große Buchstaben, die anzeigen: "Holen Sie sich Ihren afrikanischen Löwen, bevor es zu spät ist!", zum Beispiel bei Hunting Safaris, die derzeit auch hohe Rabatte anbieten.

9000 Dollar für einen Löwen

Einen Löwen zum Schnäppchenpreis erschießen, das bekommt man da schon ab 9000 Dollar. Angebote wie diese lassen Edith Kabesiime richtiggehend erschaudern. Sie gehört zu World Animal Protection, einer internationalen Tierschutzorganisation, und freut sich über die Ankündigung aus Südafrika: "Wir sehen Licht am Ende des Tunnels, das ist so deutlich. Das ist ein Lichtblick für Afrikas Wildtiere. Aber: jetzt geht der Prozess erst los, es muss geplant werden, Richtlinien werden überprüft, alle Interessensvertreter müssen mit einbezogen werden, das wird noch lange dauern."

Südafrika - eine Ausnahme?

Tatsächlich schätzt Ministerin Creecy, dass es ein ganzes Jahr dauern wird, bis die Empfehlungen offiziell sind - und erst danach wird überhaupt darüber verhandelt. Widerstand, das ist aber auch jetzt schon klar, wird es von der Löwen-Zuchtindustrie geben. Und wenn Südafrika die Löwenhaltung in Gefangenschaft verbietet, dann heißt das noch nicht, dass Länder wie Simbabwe, Mosambik, Sambia oder Namibia nachziehen. Denn auch dort dürfen Löwen geschossen werden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Mai 2021 um 14:10 Uhr.