Ein Industriegebiet am Rande von Abu Dhabi. | AFP

Mutmaßlicher Drohnenangriff Huthi-Rebellen attackieren Abu Dhabi

Stand: 17.01.2022 18:01 Uhr

Bei einem mutmaßlichen Drohnenangriff der Huthi-Rebellen aus dem Jemen sind in Abu Dhabi mindestens drei Menschen getötet worden. Auf einem Industriegelände explodierten Öltanks, am Flughafen brach Feuer aus.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Drei Tote, sechs Verletzte - mutmaßlich Opfer eines Angriffs aus dem Jemen: Huthi-Rebellen attackierten offenbar Abu Dhabi, die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. In der Nähe einer Öl-Anlage gingen drei Tanklaster in Flammen auf; in einem Ausläufer des internationalen Flughafens von Abu Dhabi brach ein Feuer aus. Auf die Frage einer Reporterin nach dem Angriff sagte der Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail al-Mazrouei, die Ermittlungen liefen.

Björn Blaschke ARD-Studio Kairo

Huthi-Rebellen reklamieren Angriff für sich

Es sei am besten, erst einmal weitere Informationen der Polizei abzuwarten, so al-Mazrouei. Bisher erklärte die Polizei, bei ihren vorläufigen Untersuchungen habe sie Teile kleiner Flugobjekte entdeckt - möglicherweise von Drohnen, die die Explosion und das Feuer verursacht haben könnten.

Die Huthi-Rebellen im Jemen behaupteten, sie stünden hinter einem Angriff auf die Vereinigten Arabischen Emirate, nannten aber keine Details. Mohamed al-Bukheiti, ein Mitglied des Huthi-Politbüros, rechnet auf jeden Fall damit, dass es zu weiteren Spannungen kommen wird: "Wir erwarten eine Eskalation seitens der Emirate und werden ihr gegebenenfalls wiederum mit Eskalation begegnen." Die Frage laute: Wer wird am Ende der Geschädigte sein? "Die Emirate hatten eine Strategie für ihren Abzug aus dem Jemen. Und wir hatten ihnen einen sicheren Abzug garantiert. Allerdings sind sie zur Eskalation zurückgekehrt", so al-Bukheiti.

Saudische Militärkoalition gegen Huthi-Rebellen

Ein Abzug aus dem Krieg, der seit langem im Jemen tobt. Die Huthi-Rebellen fordern mehr politische Beteiligung. Dem international anerkannten Präsidenten des Jemen, Abdrabbo Mansour Hadi, werfen sie Korruption und Misswirtschaft vor. 2014 nahmen die Huthis die Hauptstadt Sanaa ein und drohten, auch die strategisch wichtige Stadt Aden im Süden des Landes zu überrennen.

Daraufhin schmiedete Saudi-Arabien im Jahr 2015 eine Militärkoalition. Der gehören auch die Emirate an. Auf der Seite des jemenitischen Präsidenten bekämpft die Koalition die Huthis, die der Iran wiederum unterstützt. Fast wöchentlich starten die Huthis grenzüberschreitende Raketen- und Drohnenangriffe in Richtung Saudi-Arabien: auf Flughäfen, Ölanlagen und Pipelines.

2019 bislang letzter Angriff auf Emirate

Die Huthis haben zudem Boote mit Sprengfallen für Angriffe auf wichtigen Schifffahrtsrouten eingesetzt. Obwohl es in Saudi-Arabien bei einigen dieser Angriffe zivile Todesopfer gegeben hat, ist die überwältigende Zahl ziviler Todesfälle im Jemen zu verzeichnen. Der Krieg hat dort mehr als 130.000 Menschenleben gefordert - sowohl Zivilisten als auch Kämpfer. Und der Krieg verschärfte eine lange bestehende Hungersnot. Friedenspläne der Vereinten Nationen scheiterten immer wieder.

Die Emirate gerieten selten ins Visier der Huthis - zuletzt im Jahr 2019. Danach reduzierte Abu Dhabi die Militärpräsenz im Jemen, zog sich mit eigenem Personal weitgehend zurück. Aber: Das Emirat finanziert weiterhin jemenitische Streitkräfte und Milizen - auch Einheiten, die an aktuellen Kämpfen beteiligt sind.

Angriff als Vergeltung

Für die Unterstützung hätten die Huthis nun mit dem Angriff auf Abu Dhabi Vergeltung geübt, sagte Fayez al-Dueiri, ein jordanischer Militärexperte, dem Nachrichtensender Al Dschasira: "Ich sehe eine Verbindung zu den Militäroperationen in Schabwa und Harib im Jemen, an denen die Einheiten beteiligt sind, die den Emiraten die Treue halten. Das sind 17 Brigaden, die über etwa 50.000 Kämpfer verfügen."

Diese hätten Siege gegen die Huthis erzielt und diese in die Enge getrieben. "Deswegen wollen die Huthis den Emiraten wahrscheinlich eine Botschaft senden, dass sie ihre Unterstützung für diese Einheiten stoppen", sagte al-Dueiri.

Wie die Emirate nun auf den Angriff aus dem Jemen reagieren werden, ist unklar. Unbeantwortet kann er jedoch in der Logik von Kriegsherren kaum bleiben.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Januar 2022 um 13:32 Uhr.