Das Rettungsschiff Ocean Viking liegt im Hafen von Porto Empedocle vor Anker. | dpa

Bootsunglück vor Libyen Mehr als 120 Menschen im Mittelmeer ertrunken

Stand: 22.04.2021 23:19 Uhr

Bei einem Bootsunglück nordöstlich von Tripolis sind Berichten zufolge mindestens 120 Menschen ertrunken. Die Hilfsorganisation SOS Mediterranee macht den Behörden schwere Vorwürfe: Niemand sei den Migranten zu Hilfe gekommen.

Vor der Küste Libyens sind nach Angaben der Hilfsorganisation SOS Mediterranee mindestens 120 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Das Rettungsschiff "Ocean Viking" sei nach stundenlanger Suche an der Unglücksstelle nordöstlich von Tripolis eingetroffen, teilte die Organisation mit. An Bord des Schlauchbootes sollen demnach rund 130 Flüchtlinge gewesen sein.

In den vergangenen Tagen hatte SOS Mediterranee nach eigenen Angaben mehrere Notrufe zu in Seenot geratenen Booten erhalten, die jedoch mehrere Stunden entfernt lagen. Die Crew der "Ocean Viking" habe sich auf die Suche gemacht, diese sei jedoch erfolglos geblieben. Es seien jedoch keine Überlebenden mehr gefunden worden, sagte die Such- und Rettungskoordinatorin der "Ocean Viking", Luisa Albera.

Notrufe offenbar ohne Reaktion

Seit zwei Tagen hätten europäische Behörden gewusst, dass im Kanal von Sizilien drei Boote von libyschen Schleusern ausgesetzt worden waren, so die Zeitung "Avvenire". Niemand habe jedoch Schiffe entsandt, um die Migranten in der schweren See zu retten.

Erstmals seit Langem hätten sich zumindest Handelsschiffe beteiligt, um der "Ocean Viking" bei der Suche nach Schiffbrüchigen zu helfen. Keines der Schiffe jedoch sei von einer Rettungszentrale in Italien, Malta oder Libyen koordiniert worden, heißt es in dem Bericht. Flugzeuge der EU-Grenzschutzbehörde Frontex hätten das Gebiet überflogen, aber keinen Alarm gesendet. Auch Albera beklagte, dass es "keinerlei Koordination durch eine staatliche Rettungsleitstelle" sowie "keinerlei Unterstützung von den zuständigen Seebehörden" gegeben habe. Die private Organisation "Alarm Phone" hatte vorgestern drei Boote in Seenot gemeldet.

Zuletzt waren in der vergangenen Woche bei einem Schiffsunglück mit einem Migrantenboot vor der tunesischen Küste mindestens 41 Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) starben seit Jahresbeginn bereits mehr als 450 Flüchtlinge beim gefährlichen Versuch, das Mittelmeer zu überqueren.  Viele Flüchtlinge versuchen mit der Fahrt in kleinen Booten über das Mittelmeer Italien zu erreichen. Die privaten Rettungsaktionen sind politisch umstritten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. April 2021 um 01:00 Uhr.