Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens bekommt in Dakar, Senegal, eine Corona-Impfung

Corona-Pandemie in Afrika Hoffnung auf Impfstoff "Made in Senegal"

Stand: 22.07.2021 11:10 Uhr

In Afrika steigen die Corona-Zahlen rapide an. Die WHO meldet 43 Prozent mehr Todesfälle binnen einer Woche. Gleichzeitig sind nur wenige Menschen geimpft. Nun liegen die Hoffnungen auf Senegal.

Von Stefan Ehlert, ARD-Studio Rabat und Sabine Krebs, ARD-Studio Nairobi

Die Warnungen der Regierung, während des Opferfestes doch lieber nicht zu verreisen und Menschenmengen zu meiden, scheinen wenig Anklang gefunden zu haben. Der Senegal rechnet deshalb nach den Festtagen mit einem steilen Anstieg der Corona-Infektionen. Salif Ka ist Lehrer in der Hauptstadt Dakar und macht sich Sorgen: "Die Lage ist alarmierend", sagt der 31-Jährige, man befände sich mitten in der dritten Welle.

Doch von den rund 17 Millionen Bürgerinnen und Bürgern sind erst knapp 700.000 geimpft. Wie nahezu in ganz Afrika fehle es an Impfstoff, empört sich der Leiter der nationalen Impfkampagne, Ousseynou Badiane im Interview mit dem ARD-Studio Nairobi. "Wenn die Afrikaner nicht ausreichend geschützt sind, wird sich das Epizentrum aus den Industrieländern zu uns verlagern. Wir müssen uns darauf vorbereiten und mit großen Verlusten rechnen."

Verluste an Menschenleben, weit über die 15.000 Corona-Toten hinaus, die bislang in Senegal offiziell registriert wurden. Die Hoffnungen richteten sich nun auf eine eigene Impfstoffproduktion: "Ich glaube, wenn die Produktion dezentral in Afrika stattfindet, dann verbessert sich die Verfügbarkeit des Impfstoffes."

Unterstützung aus Deutschland

Und sehr viel mehr Menschen könnten geschützt werden als bislang, auch außerhalb Senegals. Die Chefin der Welthandelsorganisation, Ngozi Okonjo-Iweala, kritisierte kürzlich, dass die Produktion in nur wenigen Ländern einer gerechten Verteilung der Impfdosen in der Krise entgegenstünde. Davon ist auch Amadou Alpha Sall fest überzeugt. Er leitet seit fünf Jahren das Institut Pasteur in Dakar und hofft, dort die eigene Herstellung eines Corona-Impfstoffes etablieren zu können - ein Lizenzprodukt: "Der Zugang zu Impfstoffen ist ein Problem. Die Tatsache, in Afrika Impfstoff für Afrika herstellen zu können, ist ein Schlüsselinstrument, um diese Pandemie zu beenden." 

Das sei in jedem Fall die beste Option. "Wir haben die Erfahrung, wir stellen seit 80 Jahren Impfstoffe her. Wir produzieren auch den Impfstoff gegen Gelbfieber, der den Qualitätsansprüchen der Weltgesundheitsorganisation entspricht und weltweit vertrieben werden kann."

Deutschland unterstützt das Projekt in Senegal mit 20 Millionen Euro. Eine vergleichbare Initiative in Südafrika soll 50 Millionen erhalten. Noch sind viele Probleme zu lösen, doch Amadou Sall ist zuversichtlich, bald Impfampullen des Instituts Pasteur ausliefern zu können: "Das Tempo ist wesentlich, wir müssen schnell liefern können. Deshalb arbeiten wir mit diversen Partnern zusammen, auch mit Deutschland. Wir haben ein sehr aggressives Programm aufgelegt, um sicherzustellen, dass wir 2022 einen Covid-Impfstoff für Afrika ausliefern können."

Wettlauf gegen die Zeit

Salif Ka, der Lehrer aus Dakar, begrüßt die Initiative des Instituts Pasteur. Das käme in der Bevölkerung gut an, sagt er, vor allem könne der Staat vielleicht Geld sparen, wenn es seine Impfdosen nicht mehr im Ausland kaufen müsse.

Doch wichtiger ist für ihn noch eine andere Frage: "Erfolgt die Produktion schnell genug, wenn wir uns die alarmierende Lage mit Covid-19 anschauen? Das ist die Frage, die sich im Moment ganz Senegal stellt." Ein Wettlauf mit der Zeit ist es, nicht nur für Senegal, sondern für ganz Afrika.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Juli 2021 um 05:48 Uhr.