Jubelnde Menschen in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou, nachdem das Militär die Macht übernommen hat. | dpa

Präsident festgenommen Militär übernimmt Macht in Burkina Faso

Stand: 24.01.2022 21:30 Uhr

In Burkina Faso hat das Militär die Macht übernommen. Ein Sprecher erklärte die Regierung für abgesetzt und die Verfassung für aufgehoben. Zuvor war bereits Präsident Kaboré festgenommen worden.

Am Abend trat ein Sprecher der Armee vor die Kameras des staatlichen Fernsehsenders RTB. Das Militär und die Sicherheitskräfte im Land hätten sich zusammengeschlossen, um die Macht von Präsident Roch Marc Christian Kaboré zu beenden. Regierung und Parlament seien aufgelöst, die Verfassung aufgehoben, sagte er. Kaboré und mehrere Regierungsmitglieder waren zuvor festgenommen worden. Wo Kaboré festgehalten wird, ist unklar.

Als Grund für den Putsch nannte das Militär die sich stetig verschlechternde Sicherheitslage in Burkina Faso sowie die Unfähigkeit der Regierung, dies zu ändern. Die neue Militärregierung, die sich selbst "Patriotische Bewegung zur Wahrung der Erneuerung" nennt, will nach eigenen Aussagen schnell zur verfassungsmäßigen Ordnung zurück. Ein entsprechender Fahrplan werde zeitnah vorgestellt, so der Sprecher des Militärs.

Ein Sprecher der Militärs spricht im staatlichen Fernsehen | AFP

Ein Sprecher des Militärs verkündet im staatlichen Fernsehsender RTB, dass die Regierung abgesetzt sei. Bild: AFP

Die Landesgrenzen wurden auf unbestimmte Zeit geschlossen, der Luftraum gesperrt. Landesweit gilt eine nächtliche Ausgangssperre.

Bereits am Sonntag hatte es Meldungen über Schusswechsel und Meutereien in mehreren Kasernen gegeben. Ein Regierungssprecher hatte Berichte über einen Putsch aber noch zurückgewiesen. Die burkinische Menschenrechtskommission rief alle Akteure zur Achtung der Menschenrechte auf.

Mehr als eine Million Binnenflüchtlinge

Schon lange brodelte es in Burkina Faso. Seit Jahren erstarken islamistische Terrorgruppen, das Militär konnte dem kaum etwas entgegenhalten. Selbstverteidigungsgruppen sollten das Militär unterstützen, brachten zum Teil aber noch mehr Konfusion und Gewalt. Geschätzt 2000 Tote in den vergangenen Jahren sind die Folge, Unsicherheit sowie mehr als eine Million Binnenflüchtlinge im Länderdreieck Mali, Niger und Burkina Faso.

Immer wieder gingen unzufriedene Bürger auf die Straße, nun sind sie wieder dort: um den Putsch zu feiern und die neue Junta zu unterstützen - wie 2020 in Mali und 2021 in Guinea, die in der gleichen Region liegen.

Ex-Kolonialmacht Frankreich als Sündenbock

Dass der westafrikanische Staatenblock ECOWAS Malis Junta nun mit drastischen Sanktionen dazu bringen will, nicht erst in fünf Jahren zu wählen, scheint dem Rückhalt für das Militär keinen Abbruch zu tun. Im Gegenteil: Mali sucht die Unterstützung Russlands, die westliche Führungsmacht Frankreich wird als alte Kolonialmacht zu einem der Sündenböcke für das Scheitern im Kampf gegen Terrorgruppen.

Auch in Burkina Faso hatte sich deshalb noch im vergangenen Jahr Unmut gegen Frankreich gerichtet. Der Westen wird in den Augen vieler immer mehr als Teil des Problem wahrgenommen anstatt Teil der Lösung.

Mit Informationen von Norbert Hahn, ARD-Studio Nairobi

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Januar 2022 um 21:45 Uhr.