Ein Mann läuft an brennenden Barrikaden in Ouagadougou vorbei (Bild vom 23.01.2022). | AFP

Burkina Faso Militär setzt Präsident Kaboré fest

Stand: 24.01.2022 14:32 Uhr

In Burkina Faso hat das Militär Präsident Kaboré festgenommen. Nach jahrelangem Kampf gegen Terrorgruppen und Monaten politischer Unruhe ist nun eine weitere Militärjunta in Westafrika an der Macht - mit Folgen für Europa.

Von Norbert Hahn, ARD-Studio Nairobi

Schon lange brodelte es in Burkina Faso. Seit Jahren gibt es ein Erstarken islamistischer Terrorgruppen, das Militär konnte dem kaum etwas entgegenhalten. Selbstverteidigungsgruppen sollten das Militär unterstützen, brachten zum Teil aber noch mehr Konfusion und Gewalt. Geschätzt 2000 Tote in den vergangenen Jahren sind die Folge, Unsicherheit sowie mehr als eine Million Binnenflüchtlinge im Länderdreieck Mali, Niger und Burkina Faso.

Norbert Hahn ARD-Studio Nairobi

Schon lange gingen unzufriedene Bürger auf die Straße, nun sind sie wieder dort: um den Putsch zu feiern und die neue Junta zu unterstützen - wie 2020 in Mali und 2021 in Guinea, die in der gleichen Region liegen. Weiter im Osten der Sahelzone, im Tschad, hatte im vergangenen Jahr ebenfalls das Militär die Macht übernommen, nachdem Präsident Idriss Deby angeblich auf dem Schlachtfeld gestorben war.

In Guinea ging es um wirtschaftlichen Niedergang, Korruption und Machtmissbrauch, in Mali und Burkina Faso ging und geht es darüber hinaus vor allem um die Sicherheitslage.

Der burkinische Präsident Roch Marc Kaboré versuchte noch im Dezember, die Notbremse zu ziehen und löste nach Protesten kurzerhand die Regierung auf. Das Bauernopfer schien aber nicht zu wirken, gerade auch bei den Soldaten, die etwa unzureichende Versorgung von Hinterbliebenen, mangelhafte Ausrüstung und schlechte Führung beklagen. In der Nacht wurde in vielen Kasernen geschossen, die Rede war aber auch von Schüssen am Präsidentenpalast.

Ex-Kolonialmacht wird zum Sündenbock

Die internationale Gemeinschaft hat damit einen Problemfall mehr im Westen Afrikas. Die verzweifelte Lage des Land lässt es nicht zu, Burkina Faso als Staat fallen zu lassen - so wie etwa auch Mali, wo allein Deutschland etwa 1000 Soldaten im Einsatz gegen Terrorgruppen hat. Fassungslos ist der Westen ohnehin schon, weil mehr und mehr Demokratien in der Region scheitern, die aber anscheinend von der eigenen Bevölkerung nicht immer als solche wahrgenommen werden.

Dass der westafrikanische Staatenblock ECOWAS Malis Junta nun mit drastischen Sanktionen dazu bringen will, nicht erst in fünf Jahren zu wählen, scheint dem Rückhalt für das Militär keinen Abbruch zu tun. Im Gegenteil: Mali sucht die Unterstützung Russlands, die westliche Führungsmacht Frankreich wird als alte Kolonialmacht zu einem der Sündenböcke für das Scheitern im Kampf gegen Terrorgruppen.

Auch in Burkina Faso hatte sich deshalb noch im vergangenen Jahr Unmut gegen Frankreich gerichtet. Der Westen wird in den Augen vieler immer mehr als Teil des Problem wahrgenommen anstatt Teil der Lösung. Je mehr aber ganze Teile Westafrikas in Unsicherheit versinken, desto mehr wird auch der Westen nach Antworten suchen müssen. Denn Europa wird letztlich ein Ziel derjenigen sein, die vor Not und Elend flüchten.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. Januar 2022 um 11:04 Uhr.