Annalena Baerbock, Catherine Colonna und Sahle-Work Zewde | dpa

Besuch in Ostafrika Baerbocks schwierige Mission in Äthiopien

Stand: 12.01.2023 13:57 Uhr

Außenministerin Baerbock und ihre französische Amtskollegin Colonna sind gemeinsam nach Äthiopien gereist. Ziel ist es, den Friedensprozess in dem ostafrikanischen Land voran zu bringen - und den Hunger zu bekämpfen.

Deutschland und Frankreich haben Äthiopien nach dem Friedensabkommen für die Unruheregion Tigray eine verstärkte Zusammenarbeit angeboten. Es sei wichtig, dass Europa nun "schnell Gesicht" zeige, erklärte Außenministerin Annalena Baerbock, die am Morgen zu einem zweitägigen Besuch in Äthiopien eingetroffen war.

Die Grünen-Politikerin wird in dem Land am Horn von Afrika von ihrer französischen Kollegin Catherine Colonna begleitet. Die äthiopische Regierung hatte im November ein Friedensabkommen mit der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) geschlossen. Ein grausamer Krieg, dem Schätzungen zufolge mehr als eine halbe Million Menschen zum Opfer fielen. Viele verhungerten, weil der Norden Äthiopiens über lange Zeit komplett abgeriegelt war und keine Nahrungsmittellieferungen durchkamen.

"Lage entspannt sich langsam"

Jetzt verbessert sich die Situation für die Bevölkerung, sagt William Davison von der International Crisis Group. Allerdings würde weiter von Übergriffen durch Soldaten aus Eritrea berichtet. "Sie sind immer noch im Zentrum und im Nordwesten Tigrays präsent. Wir hören, dass sie weiter Gewalt ausüben." Aber die Lage entspanne sich insgesamt. "Nahrungsmittel und andere wichtige Versorgungsgüter kommen über die Flughäfen und auch über den Landweg in die Region", berichtet Davison. Vor allem Krankenhäuser leiden allerdings weiter unter massiven Engpässen. Viele wichtige Einrichtungen sind durch die Auseinandersetzungen zerstört worden. Es wird Jahre dauern, diese Schäden auszugleichen.

Der Konflikt in der Tigray-Region hatte Äthiopien von einem viel umworbenen Partnerland in Ostafrika zum internationalen Problemfall gemacht. Auch die Bundesregierung hatte Premierminister Abiy Ahmed, der ein Jahr vor Kriegsbeginn noch mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden war, einst als Hoffnungsträger für die ganze Region gesehen. 2019 wurde eine Reformpartnerschaft in der Entwicklungszusammenarbeit auf den Weg gebracht. Nach Ausbruch des Tigray-Konflikts waren die Zahlungen faktisch gestoppt worden.

Russlands Krieg verschärft Dürrefolgen in Äthiopien

Hintergrund des Besuchs sind auch die sich durch den russischen Krieg in der Ukraine verschärfende Nahrungsmittelkrise sowie verstärkte chinesische Bemühungen um mehr Einfluss in dem Land. Äthiopien ist mit rund 120 Millionen Einwohnern nach Nigeria der zweitbevölkerungsreichste Staat Afrikas und eines der ärmsten Länder der Welt.

Nach dem Ausfall der fünften Regenzeit hintereinander herrscht eine dramatische Dürre in Äthiopien. Das Land ist stark von Weizen und Düngemitteln aus der Ukraine und Russland abhängig. Baerbock und Colonna wollten am Nachmittag in der Stadt Adama einen Komplex des UN-Welternährungsprogrammes (WFP) besichtigen, in dem aus der Ukraine geliefertes Getreide lagert. Es ist das größte WFP-Lager in Äthiopien mit einer Kapazität von 218.000 Tonnen. Aus der Ukraine waren über Dschibuti Ende Dezember 25.000 Tonnen Weizen geliefert worden, die dort auf die Verteilung warten. Nach dem WFP-System wird das Getreide monatlich verteilt.

Die Welthungerhilfe warnte, in Äthiopien hätten rund 22 Millionen Menschen zu wenig zu essen. Die humanitäre Krise habe mehrere Ursachen, sagte Abaynah Demeke vom Landesbüro der Organisation in Äthiopien der Deutschen Presse-Agentur: Naturkatastrophen wie Heuschreckenplagen, Dürren und Überflutungen. Aber auch die Corona-Pandemie und Cholera-Ausbrüche hätten das Land geschwächt. Hinzu kämen die vielen ethnischen Konflikte.

Mit Informationen von Antje Diekhans, ARD-Studio Nairobi

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Januar 2023 um 12:00 Uhr.