Menschen in Algerien versuchen mit Zweigen einen Waldbrand zu löschen | REUTERS

Waldbrände in Algerien "Da sind Kriminelle am Werk"

Stand: 11.08.2021 13:56 Uhr

Bei den Waldbränden in Algerien sind bereits mindestens 65 Menschen gestorben. Etwa 70 Feuer lodern in der Kabylei, einem dicht bewaldeten und dicht besiedelten Gebiet. Die Behörden sprechen von Brandstiftung.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Nordwestafrika

"Hilfe, die Kabylei brennt" - dieser Ruf verbreitet sich mit Fotos und Videos rasend schnell in den sozialen Medien. Ein Arzt filmt im Dorf Ain El Hammam die Evakuierung des Krankenhauses. Personal, Patienten - samt Neugeborenenstation müssen fliehen. 

Dunja Sadaqi ARD-Studio Rabat

Er sei live auf dem Gelände im Krankenhaus, es herrsche allgemeine Panik, berichtet er. "Für die Feuerwehrleute ist die Arbeit überwältigend, die Feuer sind immens, es herrscht Wind, Gott beschützt uns, ich finde keine Worte, um auszudrücken, was hier passiert."

Auf Videos in sozialen Medien sieht man Menschen, die in ihren Autos vor den Flammen und dicken Rauchschwaden fliehen. Die Luft leuchtet gelb rot, orange. Junge Männer mit T-Shirts vor ihren Mündern versuchen Feuer, die ihre Dörfer bedrohen, mit Ästen auszuschlagen.

Die Region brennt seit Tagen

Der 40-jährige Arzt Muhammed sei auch gekommen, um zu helfen, sagt er der französischen Nachrichtenagentur AFP. Die Flammen seien übermächtig. Am Morgen hätten sie die Feuer noch aus der Entfernung gesehen und zwei Minuten später seien sie schon hier gewesen. "Gott sei Dank haben wir unsere Familien und die Älteren schon am Mittwoch hier weggebracht. Wir kämpfen jetzt und versuchen alles, was möglich ist, um das Feuer zu löschen, um unsere Häuser zu schützen. Wir können nicht begreifen, wie das passieren konnte - so viel Feuer an einem Tag. Das ist nicht normal."

Die stark bewaldete und dicht besiedelte Bergregion östlich der Hauptstadt Algier brennt seit Tagen. Um die 70 Brandherde soll es mittlerweile geben. Winde verbreiten den Rettungskräften zufolge die Feuer zusätzlich und erschweren die Löscharbeiten. Dutzende Menschen sind laut Behörden bei den Bränden bereits ums Leben gekommen, darunter auch Rettungskräfte. 

"Die Leute und die Bewohner zahlen den Preis"

Im gleichen Ort versucht der 33-jährige Idir als Freiwilliger die Rettungskräfte zu unterstützen. Mit dünner Maske und Schutzbrille steht er vor einem brennenden Lkw und zeigt auf die Wohnhäuser: "Die Leute und die Bewohner zahlen den Preis. Die Brände haben unsere Häuser erreicht, wir haben drei Tote und vier Verletzte, die wegen des Feuers und des Rauchs hierher gebracht wurden."

Die algerische Regierung spricht von Brandstiftung. Innenminister Kamel Beldjoud reiste ins Brandgebiet. "50 Brandherde zur gleichen Zeit - das ist unmöglich. Wir kennen Waldbrände von jeher, mit einem, zwei Brandherden - aber mehr als ein Dutzend zum exakt gleichen Zeitpunkt. Da sind Kriminelle am Werk", so Beldjoud.

Die Kabylei ist eine historische Protesthochburg. Demonstrationen gegen das Regime brechen hier regelmäßig aus. Schnell wurden Vorwürfe vor Ort laut. Einige Menschen in der Region kritisieren, die Regierung handele zu halbherzig, um der Kabylei zu helfen. Die Behörden haben während dessen mehrere mutmaßliche Brandstifter festgenommen.

Die Sommerhitze in Algerien führt jedes Jahr zu Wassermangel und Bränden. Auch in diesem Jahr sind die Wälder trocken - genauso wie der größte Stausee der Region. Regen ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Der Wetterdienst hat für die kommenden Tage weiter Temperaturen von über 40 Grad vorhergesagt.

 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. August 2021 um 09:00 Uhr.