Menschen, die eine Corona-Impfung erhalten haben, warten im Mehrzweckzentrum von Orange Farm auf die Bearbeitung ihres Impfausweises. | picture alliance/dpa/AP

Omikron in Südafrika Mehr Infektionen, aber weniger Tote

Stand: 17.12.2021 13:19 Uhr

Mit Sorge blickt die Welt nach Südafrika: Wie entwickelt sich die Lage dort angesichts von Omikron? Die Behörden melden steigende Infektionszahlen - die Zahl der Todesfälle sinkt. Für endgültige Schlüsse ist es aber noch zu früh.

Die neue Coronavirus-Variante Omikron löst in Südafrika zwar steigende Infektionszahlen aus, aber offenbar weniger schwere Erkrankungen und Todesfälle als bei früheren Pandemie-Wellen - das berichten die Gesundheitsbehörden.

Angesichts der schnellen Ausbreitung der Variante habe Südafrika am Mittwoch die höchste Zahl an täglichen Neuinfektionen seit Pandemie-Beginn registriert, sagte Michelle Groome von Südafrikas Nationalem Institut für übertragbare Krankheiten (NICD). Die Zahl der Krankenhauseinweisungen wachse hingegen "nicht in solch dramatischem Ausmaß".

Verliert die Variante an Dynamik?

Im bisherigen Epizentrum scheint die Variante aber an Dynamik zu verlieren. "Es gibt erste Anzeichen dafür, dass wir in der Gauteng-Provinz den Höhepunkt überschritten haben", sagte Gesundheitsminister Joe Phaahla. Der Großraum um die Metropole Johannesburg und die Hauptstadt Pretoria habe bis Donnerstag bei den täglichen Neuinfektionen landesweit einen Anteil von 25 Prozent gehabt. Phaahla sagte, vor zehn Tagen habe es in Gauteng noch 70 bis 80 Prozent der Neuinfektionen gegeben.

"Wir beginnen, ein paar Zuwächse, aber relativ kleine Zuwächse bei den Todesfällen festzustellen", fügte Groome hinzu. NICD-Expertin Wassila Jassat sagte, die Zahl der Covid-19-Patienten, die zusätzlichen Sauerstoff benötigten, sei "niedriger als sie bei jeder vorherigen Welle war". Außerdem schienen die Patienten kürzer im Krankenhaus bleiben zu müssen als bei vorherigen Pandemie-Wellen.

Impfungen und frühere Infektionen

Nach Einschätzung von Gesundheitsminister Phaahla bedeuten die Beobachtungen aber nicht, dass Omikron weniger gefährlich als frühere Corona-Varianten sei. Es habe sich bereits zuvor ein großer Teil der Bevölkerung mit Corona infiziert und die Impfkampagne werde vorangetrieben, hieß es. Die geringeren Hospitalisierungs- und Sterberaten seien "wahrscheinlich zurückzuführen auf eine bedeutende Impf-Abdeckung" insbesondere bei älteren Menschen, sagte Phaahla. "Wir glauben, dass es nicht unbedingt einfach so ist, dass Omikron weniger virulent ist", sagt Phaala.

In Südafrika sind erst rund 31 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Bei Menschen über 60 Jahren liegt die Impfquote jedoch bei 66 Prozent. Ältere Menschen sind besonders gefährdet, bei einer Corona-Infektion schwerwiegende Symptome zu entwickeln.

Noch zu früh für sichere Schlüsse

Wissenschaftlern zufolge ist es allerdings noch zu früh, um sichere Schlüsse aus der Entwicklung der aktuellen Corona-Welle in Südafrika ziehen zu können.

Die Omikron-Variante war vergangenen Monat erstmals von Wissenschaftlern in Südafrika nachgewiesen worden. Die neue Variante unterscheidet sich an 50 Stellen vom Wildtyp des Coronavirus, darunter 32 Veränderungen im Gen des Spike-Proteins, mit dem das Virus sich an menschliche Zellen anhaftet. Wegen der vielen Mutationen wird davon ausgegangen, dass Omikron deutlich ansteckender ist als frühere Coronavirus-Varianten. 

Die Gruppe der führenden sieben Industriestaaten (G7) stufte die Omikron-Variante am Donnerstag als "größte aktuelle Bedrohung für die weltweite öffentliche Gesundheit" ein. Es sei daher "wichtiger denn je, eng zusammenzuarbeiten", betonten die G7-Gesundheitsminister in einer gemeinsamen Erklärung. Die EU-Staaten setzen im Kampf gegen Omikron auf beschleunigte Auffrischungsimpfungen. "Impfungen für alle anzubieten und Booster-Dosen bereitzustellen, ist entscheidend und dringend", erklärten die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union bei ihrem Gipfel in Brüssel.

Über dieses Thema berichtete die ARD in der Sendung Weltspiegel am 12. Dezember 2021 um 19:20 Uhr.