Menschen in einem Krankenhaus in Mekele, die bei einem Kuftangriff im 20 Kilometer entfernten Tigray verletzt wurden  | AFP

Konflikt in Äthiopien Viele Tote bei Luftangriff auf Markt

Stand: 23.06.2021 21:01 Uhr

Bei einem Luftangriff in der Konfliktregion Tigray im Norden Äthiopiens sollen Medienberichten zufolge viele Menschen getötet worden sein. Offenbar steckt das äthiopische Militär hinter dem Angriff.

Bei einem Luftangriff am Dienstag auf einen Markt in der Konfliktregion Tigray im Norden Äthiopiens sind nach Angaben von Sanitätern 51 Menschen getötet worden. Ein Sprecher der Gesundheitsbehörde in Tigray sagte der Nachrichtenagentur AP, mehr als 100 Menschen wurden verletzt, 50 davon schwer. 33 Menschen werden noch vermisst, so der Sprecher. Offenbar wurde der Angriff vom äthiopischen Militär verübt.

Ein Mitarbeiter eines Krankenhauses in der 30 Kilometer von Togoga entfernten Regionalhauptstadt Mekele berichtete, nach dem Angriff seien sechs Verletzte eingeliefert worden - darunter drei kleine Kinder. Soldaten hätten 45 weitere Verletzte daran gehindert, Togoga zu verlassen.

"Die Soldaten lassen uns nicht gehen"

Der Fahrer eines Krankenwagens berichtete, er sei daran gehindert worden, nach Togoga zu fahren. "Ich habe heute viermal versucht, Mekele zu verlassen, um den Menschen zu helfen, aber die Soldaten lassen uns nicht gehen." 

Hintergrund ist ein seit vergangenem Jahr anhaltender Konflikt. Äthiopische Regierungstruppen hatten im November eine Militäroffensive gegen die in Tigray dominierende Volksbefreiungsfront TPLF begonnen. Nach wenigen Wochen erklärte Regierungschef Abiy Ahmed die TPLF zwar für besiegt. Doch auch mehr als sieben Monate nach dem Einmarsch der äthiopischen Truppen gehen die Kämpfe weiter. 

Millionen von der Welt abgeschnitten

Seither sind die mehr als fünf Millionen Einwohner der Region fast vollständig vom Rest der Welt abgeschnitten, der Zugang für Hilfsorganisation ist in vielen Gebieten stark eingeschränkt.

Hilfsorganisationen zufolge leiden in Folge der Kämpfe 350.000 Menschen in Tigray unter einer Hungersnot. Im Zuge des Konfliktes waren auch Soldaten aus dem Nachbarland Eritrea einmarschiert, denen Massaker an der Zivilbevölkerung und sexuelle Gewalt gegen Frauen vorgeworfen werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Juni 2021 um 23:00 Uhr.