Demonstranten mit einem Banner, auf dem Abiy zu sehen ist. | AFP

Konflikt in Äthiopien Proteste und ein Appell des Papstes

Stand: 07.11.2021 16:25 Uhr

Zehntausende Regierungsanhänger haben in Äthiopien gegen die Rebellen aus der Tigray-Region demonstriert. Ministerpräsident Abiy schwor die Bevölkerung auf den Kampf ein. Der Papst mahnte zum Dialog.

In Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba haben Zehntausende ihre Unterstützung für die Zentralregierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed kundgetan. Sie beteiligten sich an einem Marsch in der Hauptstadt Addis Abeba, um der Armee im Kampf gegen die Rebellen ihre Unterstützung zu demonstrieren.

Ministerpräsident Abiy schwor die Bevölkerung erneut auf den Kampf ein. Die Äthiopier müssten "Opfer" bringen, um das Land zu "retten", erklärte er auf Twitter.

Demonstranten mit einem Banner, auf dem Abiy zu sehen ist. | AFP

Zehntausende Menschen sind für die Regierung von Ministerpräsident Abiy auf die Straße gegangen. Bild: AFP

Ein Zusammenschluss von neun Rebellengruppen hatte am Freitag zum Sturz der Regierung in Addis Abeba aufgerufen. Ein Vertreter der in der nordäthiopischen Region Tigray regierenden TPLF unterzeichnete in Washington das Bündnis. Neben der TPLF gehören der neuen Allianz die bereits mit der TPLF verbündete Oromo-Befreiungsfront (OLA) sowie sieben weniger bekannte Organisationen aus verschiedenen Regionen und Volksgruppen des Landes an.

Abiy unnachgiebig

Ministerpräsident Abiy reagierte darauf unnachgiebig: "Wir haben mehr Verbündete als die Leute, die uns den Rücken gekehrt haben", verkündete er. Der Pressedienst des Friedensnobelpreisträgers hob auf Twitter hervor: "Für uns Äthiopier ist es eine Ehre, für unsere Souveränität, Einheit und Identität zu sterben."

Bei der Demonstration am Sonntag im Zentrum der Hauptstadt bezeichnete Bürgermeisterin Adanech Abebe Berichte über den Rebellenvormarsch auf Addis Abeba in einer Ansprache als "Fake News": "Sie sagen, dass Addis Abeba umzingelt ist, aber es ist nur von seinen unglaublichen Bürgern umzingelt, von seinen wachsamen, heldenhaften Kindern", rief sie.

Ein TPLF-Sprecher wies unterdessen Befürchtungen zurück, bei einem Einrücken der Rebellen in die Hauptstadt drohe ein "Blutbad". Die Rebellen wollten lediglich Regierungschef Abiy stürzen und hätten kein Interesse daran, die Stadt zu erobern oder die Macht zu übernehmen, versicherte Sprecher Getachew Reda im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.

USA ordnen Abzug von Botschaftspersonal an

Das US-Außenministerium hatte am Samstag die Ausreise sämtlicher nicht unbedingt benötigter Botschaftsmitarbeiter sowie von deren Familien angeordnet. Das Auswärtige Amt in Berlin rät von Reisen nach Äthiopien "dringend" ab und warnt vor Reisen in die Regionen Tigray, Amhara und Afar. Mehrere Länder, darunter Saudi-Arabien, Schweden, Dänemark und Norwegen, hatten ihre Staatsangehörigen bereits vor Tagen aufgefordert, Äthiopien zu verlassen. 

Papst Franziskus ruft zum Dialog auf

Derweil rief Papst Franziskus die Konfliktparteien zum Dialog auf. Er verfolge die Nachrichten vom Horn von Afrika mit "Sorge", insbesondere jene aus Äthiopien, das von einem mehr als ein Jahr andauernden Konflikt erschüttert sei, der etliche Opfer gefordert und eine schwere humanitäre Krise verursacht habe, sagte Franziskus bei seiner Ansprache vor Gläubigen auf dem Petersplatz.

In dem Krieg zwischen Äthiopien und den Kräften der nördlichen Region Tigray sind bisher Tausende Menschen getötet worden. Millionen wurden entwurzelt und viele Menschen sind von Hunger betroffen. "Ich lade jeden ein, für diese so hart geprüften Bevölkerungen zu beten, und ich erneuere meinen Appell, damit brüderliche Harmonie und der friedliche Pfad des Dialogs siegen können", sagte Franziskus.

Am Freitag hatte der UN-Sicherheitsrat ein Ende des sich intensivierenden und ausweitenden Konflikts sowie ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfen im Kampf gegen die Hungerkrise gefordert. Das Welternährungsprogramm hatte in der vergangenen Woche erklärt, es habe an alle Parteien des Konflikts appelliert, Lastwagen mit Nahrung, Medizin und anderen humanitären Hilfsgütern zu jenen vorzulassen, die sie benötigen, doch bislang blieben die dringenden Bitten unbeachtet.

Konflikt begann vor einem Jahr

Der Konflikt hatte vor einem Jahr mit einer Offensive der Regierungstruppen gegen die TPLF begonnen. Nach ersten militärischen Erfolgen für Abiy wendete sich das Blatt, bei einer Gegenoffensive rückten die Rebellen weit in Tigrays Nachbarregionen Afar und Amhara vor. Mittlerweile sind sie vom Norden her nach eigenen Angaben rund 300 Kilometer an Addis Abeba herangekommen. Die Regierung dementiert bislang die militärischen Erfolge der Rebellen.

Die Karte zeigt Äthiopien mit den Regionen Tigray Oromia Amphara und Afar.

Am Dienstag rief sie dennoch einen landesweiten Ausnahmezustand aus. Rufe der internationalen Gemeinschaft nach Verhandlungen und einem Waffenstillstand verhallten bislang. Die TPLF hatte fast drei Jahrzehnte lang die politischen Strukturen und die Sicherheitskräfte in Äthiopien dominiert. 2018 wurde sie von der Macht verdrängt und zog sich in ihre Hochburg Tigray zurück.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. November 2021 um 07:37 Uhr.