Äthiopische Militärs, die sich auf einer Straße in einem Gebiet nahe der Grenze zwischen den Regionen Tigray und Amhara in Äthiopien versammelt haben | AP

Ultimatum in Äthiopien abgelaufen Abiy kündigt finale Offensive an

Stand: 26.11.2020 13:04 Uhr

Im Äthiopien-Konflikt hat Ministerpräsident Abiy Achmed die "finale Phase" der Militäroffensive gegen die Region Tigray angekündigt. Das Ultimatum, das er der Volksbefreiungsfront TPLF gestellte hat, sei abgelaufen.

Von Antje Diekhans, ARD-Studio Nairobi

Etwa eine halbe Million Menschen in Mekelle müssen sich auf einen heftigen Beschuss einstellen. Die äthiopische Armee hat ihre Panzer um die Hauptstadt der Tigray-Region zusammengezogen. Zuvor war ein Ultimatum an die dortige sogenannte Volksbefreiungsfront TPLF abgelaufen. Ministerpräsident Abiy Ahmed erklärte auf Twitter, darum beginne jetzt die dritte und letzte Phase der Militäroffensive. Die Menschen in Mekelle sollten sich in Gebäuden in Sicherheit bringen.

Antje Diekhans ARD-Studio Nairobi

Konflikt eskaliert

Seit Anfang des Monats kämpft die Armee gegen die Volksbefreiungsfront, nachdem politische Auseinandersetzungen eskaliert waren. Die TPLF hatte über Jahrzehnte fast alle wichtigen Funktionen in Regierung und Militär besetzt und war von Abiy mehr und mehr ins Aus gedrängt worden.

Der frühere stellvertretende Außenminister Berhane Gebrekristos, ein Mitglied der TPLF, sagte im Sender BBC, der Konflikt hätte besser am Verhandlungstisch besprochen werden sollen: "Ich bin sicher, die Menschen aus Tigray werden diese Invasion abwehren. Aber all das war unnötig. Denn die Probleme sind politisch und hätten auch politisch gelöst werden sollen."

Abiy wirft der Volksbefreiungsfront dagegen vor, alle Gespräche blockiert zu haben.

600 Menschen grausam getötet

Die äthiopische Menschenrechtskommission macht eine mit der TPLF verbündete Jugendorganisation zudem für ein Massaker in einem Dorf in Tigray verantwortlich. Dort seien etwa 600 Menschen, die anderen Volksgruppen angehörten, grausam getötet worden. Der Vorsitzende der Kommission erklärte, seine Mitarbeiter hätten das von Augenzeugen erfahren.

"Sie haben persönlich den Ort der Verbrechen besucht. Dort fanden sie Massengräber und viele Tote. Was geschehen ist, haben sie direkt von den Familien der Opfer gehört."

Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International berichtete von dem Massaker. Nach ihrer Darstellung ist aber unklar, wer die Täter waren.

Tigray-Flüchtlinge, die vor dem Konflikt in der äthiopischen Region geflohen sind | AP

Tigray-Flüchtlinge im Sudan: Zehntausende suchten inzwischen im Nachbarland Zuflucht. Bild: AP

Zehntausende Menschen fliehen

Die Auseinandersetzungen in der Tigray-Region haben inzwischen Zehntausende Menschen vertrieben. Viele suchen Zuflucht im Nachbarland Sudan. "Wir haben niemals erwartet, zu Flüchtlingen zu werden", sagt einer der Ankommenden. "Wir fühlten uns sicher."

Die Afrikanische Union hat Vertreter nach Äthiopien geschickt, die zwischen den Konfliktparteien vermitteln sollen. Abiy hatte sich zuvor allerdings jede Einmischung von außen verbeten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. November 2020 um 12:46 Uhr.