Eurostar-Zug | REUTERS

Bislang keine Staatshilfe Zugbetreiber Eurostar in Bedrängnis

Stand: 19.01.2021 15:37 Uhr

Der Zugbetreiber Eurostar ist durch die Coronavirus-Pandemie und die damit verbundenen Reisebeschränkungen in massive Schwierigkeiten geraten. Nun soll London helfen.

Die seit vielen Monaten andauernden Reisebeschränkungen sowie die Furcht vor Ansteckungen haben den europäischen Zugbetreiber Eurostar an den Rand des Ruins gebracht. Die französische Bahngesellschaft SNCF als Mehrheitseignerin spricht von einer "sehr kritischen" Lage. Derzeit gibt es nur noch eine tägliche Hin- und Rückfahrt zwischen London und Brüssel beziehungsweise Paris statt zuvor fünf.

Der Chef der SNCF-Reisesparte, Christophe Fanichet, fürchtet einen weiteren Einbruch der Passagierzahlen, da seit Samstag die neuen französischen Corona-Regeln in Kraft getreten sind. Danach dürfen Franzosen zwischen 18 Uhr und sechs Uhr morgens das Haus nicht mehr verlassen.

Eurostar bekommt keine Hilfen

Fanichet verwies darauf, dass Eurostar als "französische Gesellschaft in England" weder Hilfszahlungen von der britischen noch der französischen Regierung bekomme. Eurostar gehört zu 55 Prozent der SNCF, zu 40 Prozent einem kanadisch-britischen Finanz-Konsortium und zu fünf Prozent der belgischen Bahn.

Obwohl die britische Regierung ihren Anteil von 40 Prozent an Eurostar bereits im März 2015 verkauft hat, appellierten britische Unternehmen nun an die Regierung in London, den Zugbetreiber finanziell zu unterstützen.

Lobbygruppe ruft um Hilfe

Die Lobbygruppe London First forderte Finanzminister Rishi Sunak in einem Brief zu "raschem Handeln" auf, um die Zukunft der Zugverbindung unter dem Ärmelkanal zu sichern, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete. Eurostar dürfe nicht "zwischen die Lücken" der finanziellen Hilfsleistungen fallen.

Die Eurostarzüge unterqueren auf ihrer Reise von England nach Frankreich den Ärmelkanal durch den 1994 fertiggestellten Eurotunnel und verkehren seit 2007 fast ausschließlich auf Hochgeschwindigkeitsstrecken. Dadurch beträgt die Reisezeit zwischen London und Paris lediglich zwei Stunden und 15 Minuten.

Eigenen Angaben zufolge nutzten zuletzt gut 80 Prozent der Reisenden im Schienen- und Luftverkehr zwischen Paris und London die Eurostar-Züge. Im Markt für Geschäftsreisen wird der Marktanteil zwischen beiden Städten mit 86 Prozent angegeben.