Fragen und Antworten

Leitzinssenkung der EZB Und was heißt das jetzt für mich?

Stand: 08.11.2013 12:42 Uhr

Die EZB hat den Leitzins gesenkt. Die Entscheidung klingt abstrakt und doch wirkt sie sich direkt auf den Alltag aus. Was müssen Sparer beachten? Was bedeutet sie für die Altersvorsorge? Und droht eine neue Spekulationsblase? tagesschau.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Wie funktioniert der Leitzins?

Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Kreditinstitute Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) leihen können. Außerdem richten sich die Banken auch bei ihren Geldgeschäften untereinander nach den Entscheidungen der EZB. Sinkt der Leitzins, fallen in der Regel Zinsen an, die Banken voneinander verlangen. Die niedrigeren Zinsen am Geldmarkt können die Banken zudem an ihre Kunden weiterreichen.

Warum hat die EZB den Leitzins erneut gesenkt?

Ein Ziel der Notenbank ist es, die fragile Konjunkturerholung zu stärken. Da niedrige Zinsen tendenziell Kredite verbilligen, profitieren auch Staaten, die ihre Schulden nun günstiger refinanzieren können. Die Hoffnung der EZB ist auch, dass Banken in den angeschlagenen Euro-Staaten noch billiger Geld an Firmen verleihen und die Unternehmen dadurch mehr investieren und so die Konjunktur anschieben. Ob dies gelingt, ist aber umstritten. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB, glaubt das nicht: "Angesichts des schon seit längerem sehr niedrigen Zinsniveaus werden die konjunkturellen Effekte der heutigen Zinssenkung der EZB allenfalls sehr gering ausfallen." Er erwarte keine nennenswerte Belebung der Kreditvergabe in den Krisenländern.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Die theoretisch klingende EZB-Entscheidung hat sehr praktische Auswirkungen auf den Alltag der Menschen. Sie werden schon in kurzer Zeit fast keine Zinsen mehr auf Sparbücher, Fest- oder Tagesgeld bekommen. "Niedrigzinsen führen zu dauerhaften Verlusten der Sparer, die quasi einer Enteignung gleichkommen", warnte Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Auch nach den Worten von Max Herbst von der FMH Finanzberatung ist es derzeit "ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse". Einige Sparkassen böten schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. Verbraucher, die nicht unbedingt auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, sollten ihr Geld den Experten zufolge längerfristig anlegen.

Die erneute Leitzinssenkung deutet nach Angaben von Marcus Preu vom Finanzportal Biallo darauf hin, dass die Niedrigzinsphase länger anhält als erwartet. Eine schnelle Trendwende sei damit unwahrscheinlich.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Lebensversicherungen?

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft nannte die Leitzinssenkung ein "fatales Signal an alle Altersvorsorgesparer in Deutschland". Kunden erhalten durch die niedrigen Zinsen eine geringere Überschussbeteiligung bei Lebensversicherungen. Und auch bei Neuabschlüssen haben sie das Nachsehen: Während die Konzerne in den neunziger Jahren noch bis zu vier Prozent Zinsen garantierten liegt der Satz inzwischen bei 1,75 Prozent. Die Versicherungswirtschaft warnte davor, dass Lebensversicherungen mit der erneuten Leitzinssenkung Probleme bekommen könnten, diesen Garantiezins zu erwirtschaften. Erste Versicherungen bieten sogar Policen ganz ohne Garantieverzinsung an, hier wird nur der eingezahlte Betrag sicher zurückerstattet.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Aktionäre?

Die Leitzinssenkung hat zwei Effekte: Geld leihen wird billig und klassische Zinsprodukte bringen für Sparer kaum mehr etwas ein. Das bedeutet, dass die EZB-Entscheidung für viel billiges Geld im Finanzsystem sorgt, das insbesondere in Immobilien oder Aktien investiert wird. Der DAX stieg nach der EZB-Entscheidung.

Werden Baukredite billiger?

Als Kreditnehmer können sich private Haushalte über das billige Geld freuen. Das gilt gerade auch für Bauherren. "Für Immobilienkäufer bedeutet der Zinsschritt, dass Baufinanzierungskunden von günstigen Zinsen für Immobilienkredite profitieren", erklärte der Baugeldvermittler Interhyp. Die Zinsen für Immobilienkredite mit zehnjähriger Zinsbindung seien in den vergangenen Tagen zum Teil auf rund 2,5 Prozent gesunken. Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung seien sogar für rund 1,7 Prozent erhältlich. Derart kurzfristige Finanzierungen kämen aber nur für Anschlussfinanzierungen mit geringer Restschuld in Frage.

Droht eine neue Spekulationsblase?

Kritiker warnen, dass bei Zinsen nahe null eine Blase bei Immobilien und Aktien drohe, wie sie 2007 die Finanzkrise mitauslöste. Der für Finanzpolitik zuständige Vize-Vorsitzende der Unionsbundestagsfraktion, Michael Meister, sagte der "Berliner Zeitung", schon vor der erneuten Zinssenkung sei zu viel Liquidität in den Kapitalmärkten gewesen. "Die Gefahr von Vermögenspreisblasen existiert und wird durch diese Entscheidung nicht geringer", so Meister.

Zusammengestellt von Sarah Welk, tagesschau.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. November 2013 um 13:30 Uhr.

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