Interview

YouTube Music-App | Bildquelle: AP

Zur Einigung mit YouTube "Die GEMA ist beinhart geblieben"

Stand: 01.11.2016 13:41 Uhr

Sieben Jahre lang haben YouTube und die GEMA gestritten - zu Recht, meint Musiker und Blogger Johnny Haeusler im Interview mit tagesschau.de. Die GEMA sei im Interesse der Urheber hart geblieben. Deutschland habe mit der nun erzielten Einigung Vorbildcharakter.

tagesschau.de: Haben Sie noch daran geglaubt, dass sich YouTube und die GEMA einigen?

Johnny Haeusler: Doch, ich habe an eine Einigung geglaubt, weil es die einfach geben musste. Dass es so lange gedauert hat, liegt daran, dass die GEMA als Urheberrechtsvertretung beinhart geblieben ist. Ihre Position gegenüber YouTube war klar: Ihr nutzt die Werke von Komponisten und Autoren, und das muss vergütet werden.

In anderen Ländern war das nicht so, weil die Urhebervertreter dort häufiger unter dem Druck der Labels stehen. Die Labels, die die Rechte an den Aufnahmen besitzen, und die Urhebervertreter, die die Rechte der Komponisten und Autoren wahrnehmen, sind häufig enger miteinander verwoben als in Deutschland, wo die GEMA sehr autark handeln kann.

alt Johnny Haeusler | Bildquelle: picture alliance / dpa

Zur Person

Johnny Haeusler ist Musiker, Blogger, Mediendesigner und Konferenzveranstalter. 2007 gründete er zusammen mit seiner Frau Tanja, Markus Beckedahl ("netzpolitik.org") und Andreas Gebhard ("Digitale Gesellschaft") die re:publica, wo jedes Jahr über digitale Kultur diskutiert wird. Haeusler wurde bekannt als Sänger und Gitarrist der Formation "Plan B", die 2014 30-jähriges Bestehen feierte.

"Glaube nicht, dass die GEMA ihre Forderung durchsetzen konnte"

tagesschau.de: Das heißt, die GEMA hat im Sinne der Künstler gehandelt?

Haeusler: Mit Künstlern befasst sich die GEMA ja nur, wenn die Künstler auch Urheber sind. Der Gitarrist, der einfach nur in der Band spielt und keine Songs schreibt, hat mit der GEMA erst mal nichts zu tun. Er profitiert jetzt auch nicht von dieser Einigung. Aufgabe der GEMA ist es, sich für die Vergütung derjenigen einzusetzen, die Musik und/oder Texte schreiben. Das hat sie in diesem Fall getan und das muss ich neidlos anerkennen, auch wenn ich der GEMA ansonsten sehr zwiespältig gegenüberstehe.

tagesschau.de: Was springt für die Urheber jetzt heraus?

Haeusler: Darüber liegen mir noch keine Informationen vor. Ich weiß, dass eine Forderung der GEMA bei 0,375 Cent pro Videoaufruf lag. Ich glaube nicht, dass die GEMA diese Forderung hat durchsetzen können, der Betrag dürfte also wesentlich kleiner ausfallen.

tagesschau.de: Wenn der einzelne Betrag so gering ist - wie wichtig ist denn dann YouTube für die Künstler?

Haeusler: YouTube als Ausspielkanal und Marketinginstrument ist von immenser Bedeutung, gerade für Jugendliche, die natürlich auch auf Spotify oder Apple Music zugreifen. Aber gerade YouTube lässt sich über entsprechende Apps auf dem Smartphone wunderbar nutzen, um Playlists zusammenzustellen. Dass YouTube den User nichts kostet, ist ein gewichtiges Argument.

Vor allem der HipHop-Bereich funktioniert über YouTube, mit eigenen Fernsehsendungen, Talk-Shows und Interviewformaten. Wenn eine Band ihr neues Video dann in Deutschland nicht zeigt, weil es nicht abgerufen werden kann, ist das ein echter Wettbewerbsnachteil. Deutschland als wichtiger Musikmarkt dürfte jetzt auch Vorbildcharakter für die Länder haben, wo ähnliche Streitigkeiten noch nicht beigelegt werden konnten.

"Keine Rechtssicherheit für das gesamte Internet"

tagesschau.de: Für wen könnte die Einigung von Nachteil sein?

Haeusler: Ich sehe keine Nachteile, außer dass Google für seine Tochtergesellschaft YouTube jetzt zahlen muss. Da ich annehme, dass die Einigung auch rückwirkend gilt, dürfte da eine erhebliche Summe fließen. Ansonsten ist die Einigung gut für die Urheber, für die Nutzer, für die Künstler und im Grunde ist es auch gut für YouTube und Google, die jetzt nicht mehr mit diesen blöden Sperrtafeln hantieren müssen.

Aber so toll die Einigung auch ist: Sie bedeutet keinesfalls Rechtssicherheit für das gesamte Internet, denn der Gesetzgeber hinkt der digitalen Entwicklung immer hinterher.

Das Interview führte Ute Welty, tagesschau.de

Über dieses Thema berichtete u.a. die tagesschau am 01. November 2016 um 12:00 Uhr.

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