Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften

Wirtschaftsnobelpreis 2013 Die Propheten der Aktienkurse

Stand: 14.10.2013 17:17 Uhr

Die richtige Vorhersage der Preisentwicklungen von Aktien hilft vielen: Klein-Aktionären, Investmentbanken und Regierungen. Die Ökonomen Shiller, Hansen und Fama haben lange zu diesem Thema geforscht. Nun erhielten sie den Wirtschaftsnobelpreis.

Von Tim Krohn, ARD-Hörfunkstudio Stockholm

Einen Nobelpreis vorhersagen kann wohl niemand. Auch einer wie der namhafte Finanzökonom Robert Shiller, den man gerne auch den "Börsenpropheten" nennt, ist an dieser Aufgabe gescheitert. "Ich konnte das eigentlich nicht so ganz glauben", sagte er, nachdem er von der Auszeichnung erfuhr. "Viele Leute hatten mir ja schon gesagt, dass sie auf mich setzen würden. Aber nein. Ich habe den Preis nicht erwartet."

Tim Krohn ARD-Studio Stockholm

Arbeiten über Vorhersagen

Jetzt hat er ihn trotzdem. Shiller und seine beiden US-amerikanischen Kollegen Eugene Fama und Lars Peter Hansen bekommen den Nobelpreis für ihre Arbeiten zu Vorhersagen. Es geht, so formulierte es der Sekretär des Nobel-Komitees, um die "Vorhersagbarkeit auf dem Finanzmarkt, um die empirische Analyse der Preise von Vermögenswerten".

Wirtschaftnobelpreisträger Robert Shiller

Robert Shiller gilt als Börsenprohet und gewann nun den Nobelpreis.

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften hat damit in diesem Jahr einen ganz konkreten praktischen Nutzen. Was die Forscher in ihren Modellen herausgefunden hätten, habe das Verhalten der Investoren ganz wesentlich beeinflusst, hieß es in Stockholm. Shiller, Fama und Hansen hätten vielen Haushalten geholfen, Preisbewegungen besser zu verstehen und damit wiederum besser zu investieren. 

"Es geht in unserer Wissenschaft um wirklich wichtige Probleme", sagte Shiller. "Die Finanzökonomie ist so fundamental für alles, was die Menschen tun. Sie folgt genauen mathematischen Regeln und wird trotzdem immer wieder ungenau, weil sie von Menschen gemacht wird."

Wirtschaftsnobelpreisträger Lars Peter Hansen bei einem Telefonat

Auch Lars Peter Hansen und ...

Wirtschaftsnobelpreisträger Eugene Fama

... Eugene Fama werden ausgezeichnet.

Wie schnell reagieren Aktienkurse?

Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich die Forschung von Shiller und den anderen. Wie schnell reagieren Aktienkurse zum Beispiel auf neue Daten? Und wie lassen sich Kursverläufe langfristig besser analysieren? Lassen sich Preise überhaupt vorhersagen?

Robert Shiller war einer der ersten und prominentesten Fachleute, die schon früh vor der weltweiten Finanzkrise der letzten Jahre gewarnt hatten. Seine Bücher sind Bestseller. Shiller wusste, was die Spekulationsblase auf dem US-amerikanischen Immobilienmarkt anrichten kann. Er warnte rechtzeitig vor den Übertreibungen der New Economy.

Infografik Wirtschaftsnobelpreisträger

"Fehler werden korrigiert"

Er bleibt dennoch ein Optimist. "Die Finanzwirtschaft ist der Motor unserer modernen Zivilisation", sagte er. "Auch die besten Taten der Menschheit müssen nun mal finanziert werden. Und ich würde mir wünschen, dass sich die Geldströme noch mehr der Humanität zuwenden. Die Finanzkrise hat uns ja all die Fehler und Unzulänglichkeiten in unserem System aufgezeigt. Die werden jetzt korrigiert." Dabei fehle noch einiges und das werde Jahrzehnte dauern. "Aber die vielen Finanzkrisen der Vergangenheit zeigen ja, dass die Menschen grundsätzlich daraus lernen können."

Der Nobelpreis für Shiller, Hansen und Fama wird von der Schwedischen Reichsbank gestiftet - in Erinnerung an Alfred Nobel.

Träger des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften seit 1990
Jahr Preisträger
2013 Eugene Fama, Lars Peter Hansen und Robert J. Shiller
2012 Alvin E. Roth und Lloyd S. Shapley
2011 Thomas J. Sargent und Christopher A. Sims
2010 Peter A. Diamond, Dale T. Mortensen und Christopher A. Pissarides
2009 Elinor Ostrom
2008 Paul Krugman
2007 Leonid Hurwicz, Eric S. Maskin und Roger B. Myerson
2006 Edmund S. Phelps
2005 Robert J. Aumann und Thomas C. Schelling
2004 Finn E. Kydland und Edward C. Prescott
2003 Robert F. Engle und Clive W.J. Granger
2002 Daniel Kahneman und Vernon L. Smith
2001 George A. Akerlof, A. Michael Spence und Joseph E. Stiglitz
2000 James J. Heckman und Daniel L. McFadden
1999 Robert A. Mundell
1998 Amartya Sen
1997 Robert C. Merton und Myron S. Scholes
1996 James A. Mirrlees und William Vickrey
1995 Robert E. Lucas
1994 John C. Harsanyi, John F. Nash und Reinhard Selten
1993 Robert W. Fogel und Douglass C. North
1992 Gary S. Becker
1991 Ronald H. Coase
1990 Harry M. Markowitz, Merton H. Miller und William F. Sharpe
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KOMMENTARE

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Nairtsua 15.10.2013 • 01:24 Uhr

@um 20:49 von Nana

Ein Land das so viele Nobel-Preisträger, auch gerade in bezug auf Wirtschaft eingeheimst hat, müßte man meinen, daß da auch etwas in der Politik abfällt. Aber sehen kann ich davon absolut nichts. Bei den Europäern werden die Staatsschulden schnell zum Handikap hochstilisiert und die Ratingagenturen senken den Daumen. Die Amerikaner selbst haben die höchsten Schulden aller Staaten, aber als eine Ratingagentur es wagte, die USA runterzustufen, mußte der Chef dieser Agentur 3 Wochen später seinen Hut nehmen. Insofern belügen sich die Amerikaner selbst. Zum letzten Absatz: Auch in Europa warnen die Wirtschaftswissenschaftler vor den Fehleinschätzungen von IWF und BZE und deren fatalen Entscheidungen. Und was kümmerts die Politiker und deren Lobbyisten-Auftraggeber? Nicht die Bohne! Man fragt sich langsam, wozu noch diese Fakultät an den Unis, wenn die Verantwortlichen sämtliche Empfehlungen ignorieren.