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Gespräche zwischen WestLB und BayernLB beendet Fusion der Landesbanken geplatzt

Stand: 04.11.2010 12:57 Uhr

Die WestLB und die BayernLB werden sich nicht zusammenschließen. Der Vorstand habe beschlossen, die Fusionsprüfung nicht fortzusetzen, teilte die BayernLB in München mit. Die Gespräche waren vor etwa sechs Wochen aufgenommen worden. Bei einem Zusammenschluss von WestLB und BayernLB wäre gemessen am bisherigen Umfang der Geschäfte das drittgrößte deutsche Geldhaus nach Deutscher Bank und Commerzbank entstanden.

Die BayernLB begründete die Absage mit wirtschaftlichen Überlegungen: Die "ökonomischen Vorteile eines möglichen Zusammenschlusses gegenüber der Ertragskraft einer eigenständigen BayernLB" stünden in "keinem hinreichend ausgewogenen Verhältnis zu den typischen Umsetzungsherausforderungen einer Fusion dieser Größenordnung".

Bayerns Wirtschaftsminister: "Entscheidung konsequent und richtig"

Martin Zeil
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Findet das Ende der Fusionsgespräche richtung und konsequent: Bayern Wirtschaftsminister Martin Zeil.

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) sagte, der BayernLB-Vorstand habe die Gespräche von Anfang an ergebnisoffen geführt. "Insofern ist die Entscheidung des Vorstands zum Abbruch der Fusionsgespräche konsequent und unter sachlichen Gesichtspunkten richtig." Zielsetzung sei, die BayernLB zu konsolidieren und ein tragfähiges Zukunftskonzept zu entwickeln, das Fusionen, eine Teilprivatisierung oder den Gesamtverkauf einschließe.

WestLB zeigt sich enttäuscht

Die WestLB kritisierte dagegen den Abbruch der Fusionsgespräche durch die BayernLB. In einer Mitteilung sprach die nordrhein-westfälische Landesbank von einem "vorzeitigen Abbruch". Die WestLB nehme die Entscheidung, die Gespräche mit sofortiger Wirkung und noch vor Klärung der entscheidenden inhaltlichen Fragen einzustellen, mit Bedauern zur Kenntnis, teilte sie mit. "Aus Sicht der WestLB stellten sich die Perspektiven einer fusionierten Bank bereits zu diesem frühen Zeitpunkt positiv dar. Daher wäre eine vertiefte Prüfung eines Zusammenschlusses sinnvoll und aussichtsreich gewesen", erklärte Bankchef Dietrich Voigtländer.

Die WestLB will nach dem Ende der Gespräche Chancen für ein Zusammengehen mit anderen Landesbanken prüfen. "Die Konsolidierung im Landesbankensektor ist ein herausforderndes Projekt, das war und ist allen Beteiligten klar. Die WestLB wird auch in Zukunft in diesem Rahmen Fusionsoptionen ausloten", erklärte der Veräußerungsbeauftragte für die WestLB, der Anwalt und CDU-Finanzexperte Friedrich Merz.

Rückschlag für die WestLB und Sparkassen

Das Scheitern der Fusionsgespräche mit der BayernLB ist vor allem für die nordrhein-westfälische Landesbank ein Rückschlag. Sie muss nach EU-Auflagen bis Ende 2011 mehrheitlich den Besitzer wechseln. Alternativ ist ein Zusammenschluss mit einer anderen Landesbank möglich.

Das Aus ist aber auch ein Rückschlag für die Sparkassen in Deutschland, die bisher acht Landesbanken als Zentralbanken nutzen. Es gab schon mehrere Anläufe, die Zahl der Landesbanken zu verringern und damit dauerhafte Einsparungen zu erzielen. Am Ende des Prozesses sollte nach den Vorstellungen in Nordrhein-Westfalen eine effiziente Sparkassen-Zentralbank stehen. Auch die Bundesregierung hatte sich für eine Neuordnung des öffentlich-rechtlichen Bankensektors eingesetzt.

Landesbanken durch Finanzkrise belastet

Mehrere Landesbanken sind in der Finanzkrise durch milliardenschwere Anlagen in risikoreiche Papiere und fehlerhaftes Management in eine bedrohliche finanzielle Schieflage geraten. Die vier großen Institute Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), BayernLB, WestLB und HSH Nordbank mussten mit umfangreichen Staatshilfen gestützt werden. Brüssel hat der LBBW und der WestLB bereits einen harten Schrumpfkurs verordnet, die BayernLB und die HSH Nordbank warten noch auf entsprechende Auflagen. Im vergangenen Jahr hatten nur die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und die Landesbank Berlin (LBB) schwarze Zahlen geschrieben.

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