Luiz Inacio Lula (r), Präsident von Brasilien, und Alberto Fernandez, Präsident von Argentinien | picture alliance/dpa/AP

Wirtschaftliche Zusammenarbeit Eine Währung in Brasilien und Argentinien?

Stand: 23.01.2023 16:22 Uhr

Brasilien und Argentinien wollen ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit stärken. Teil dessen sind Gespräche über eine gemeinsame südamerikanische Währung. Bis dahin wäre es aber noch ein weiter Weg.

Die beiden südamerikanischen Länder Argentinien und Brasilien wollen Gespräche über eine gemeinsame südamerikanische Währung vorantreiben. Der linksgerichtete brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva und sein argentinischer Amtskollege Alberto Fernandez schrieben in einem gemeinsamen Artikel für die Internetseite der argentinischen Wochenzeitung "Perfil", sie wollten die wirtschaftlichen Verflechtungen der Länder weiter vorantreiben. Dabei spiele auch die Schaffung einer gemeinsamen Währung eine Rolle.

Die "Financial Times" hatte berichtet, dass die Nachbarländer diese Wochen mit den Vorbereitungen für eine gemeinsame Währung beginnen wollten. Die Idee war bereits 2019 in beiden Ländern von Politikern diskutiert worden, stieß damals aber auf Vorbehalte der brasilianischen Notenbank.

Entscheidung ist nicht getroffen

Auch bei den aktuellen Plänen gibt es Bedenken: Brasiliens Finanzminister Fernando Haddad spielte am Wochenende die Idee einer gemeinsamen Währung herunter. "Der Handel ist wirklich schlecht, und das Problem sind die Devisen, nicht wahr? Wir versuchen also, eine Lösung zu finden, etwas Gemeinsames, das den Handel ankurbeln könnte", sagte er zu Journalisten. Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen.

Abhängigkeit vom US-Dollar verringern

Die neue Währung, die laut Berichten "Sur" - Süden - genannt werden soll, soll nach Informationen der "Financial Times" den regionalen Handel ankurbeln und die Abhängigkeit vom US-Dollar verringern. Zunächst solle "Sur" parallel zum brasilianischen Real und dem argentinischen Peso ausgegeben werden.

In ihrem gemeinsamen Artikel betonten beide Präsidenten die Notwendigkeit guter Beziehungen zwischen ihren Ländern, um die regionale Integration zu stärken. Probleme zwischen beiden Staaten sollten beseitigt, Regulierungen vereinfacht und modernisiert und die Nutzung lokaler Währungen gefördert werden.

Argentinien ist der größte Handelspartner Brasiliens in der Region, befindet sich derzeit aber auch in einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Inflationsrate stieg im Dezember 2022 auf 94,8 Prozent.

Mercosur soll gestärkt werden

Die beiden Staatsoberhäupter Lula und Fernandez wollen auch die südamerikanische Wirtschaftsorganisation Mercosur stärken. Mercosur ist ein regionaler Zusammenschluss der fünf südamerikanischen Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Venezuela. Bei einer erfolgreichen Einführung der Gemeinschaftswährung könnte das bilaterales Projekt später auf andere lateinamerikanische Länder ausgeweitet werden.

Die "Financial Times" schätzt, dass eine Währungsunion, die sich über ganz Lateinamerika erstreckt, rund fünf Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) ausmachen könnte. Die Eurozone umfasst im Jahr 2021 insgesamt 14,8 Prozent des globalen BIP, die Währungsunion der USA hatte 2021 einen Anteil von mehr als 15 Prozent. Eine Lateinamerikanische Währungsunion würde sich dahinter einreihen.

Rückkehr Brasiliens in CELAC

Unter Lulas Vorgänger, dem Rechtspopulisten Jair Bolsonaro, waren die Beziehungen von Argentinien und Brasilien angespannt gewesen. Um ein Zeichen Aussöhnung zu setzen, hatte Lula, der bereits von 2003 bis 2010 Präsident Brasiliens war, Argentinien bereits als Ziel seiner erste Auslandsreise im Amt ausgewählt.

Lulas Reise ins Nachbarland markiert auch die Rückkehr Brasiliens in die Gemeinschaft der lateinamerikanischen und karibischen Staaten (CELAC). Brasilien hatte den Staatenbund 2019 auf Anweisung Bolsonaros verlassen, der eine Teilnahme aufgrund der Präsenz Kubas und Venezuelas abgelehnt hatte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Januar 2023 um 16:29 Uhr.