Eine nahezu leere Tankstelle ist blau beleuchtet während im Hintergrund die Sonne aufgeht.  | picture alliance/dpa
Hintergrund

Rohstoffmärkte Warum die Öl- und Spritpreise fallen

Stand: 16.08.2022 16:41 Uhr

Ein ganzes Bündel an Gründen sorgt seit über zwei Monaten für fallende Preise am Ölmarkt und an den Tankstellen. Autofahrer müssen aber in Kürze wieder mit höheren Kosten rechnen.

Von Detlev Landmesser, tagesschau.de

Schon seit vielen Monaten stehen die Ölmärkte unter Dauerstress. Der russische Angriff auf die Ukraine ließ die Preise für Rohöl zeitweise auf nie gesehene Höhen steigen. Seit Anfang Juni fallen die Notierungen aber wieder, fast kontinuierlich und zeitweise deutlich. Wurden für ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte WTI vor zwei Monaten noch über 120 Dollar bezahlt, sind es aktuell nur noch gut 90 Dollar. Das ist genau das Niveau von vor dem russischen Überfall im Februar.

Wie ist der Preisverfall, der sich mittlerweile auch an den Tankstellen deutlich bemerkbar macht, zu erklären? Beim näheren Blick auf die Rohstoffmärkte zeigt sich ein ganzes Bündel an Gründen. Insgesamt sind die Rohölmärkte derzeit mit der Aussicht auf ein steigendes Angebot bei zugleich geringerer Nachfrage konfrontiert.

Iran-Sanktionen könnten bald fallen

Auf der Angebotsseite herrscht vor allem die Erwartung, dass das Atomabkommen mit dem Iran wiederbelebt wird und Sanktionen gegen Teheran aufgehoben werden. Zuletzt hatte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell erklärt, dass der Text für das Abkommen bereits stehe. Mit der Islamischen Republik würde ein gewichtiger Produzent auf den Markt zurückkehren. Jede Nachricht in diese Richtung ließ zuletzt die Ölpreise fallen.

Und während das Ölkartell OPEC weiterhin nicht viel mehr fördern kann oder will, hat zuletzt Libyen wieder nennenswerte Mengen produziert. Nach offiziellen Angaben hat die Förderung des Bürgerkriegslandes wieder 1,2 Millionen Barrel pro Tag erreicht.

Sorge um Weltkonjunktur lässt Ölpreise fallen

Zu diesen entlastenden Faktoren auf der Angebotsseite treten die zunehmenden Sorgen, dass sich das globale Wirtschaftswachstum weiter abschwächen könnte. Solche Perspektiven schüren am Ölmarkt stets die Erwartung einer sinkenden Ölnachfrage. Sowohl in Europa als auch den USA weisen die aktuellen Konjunkturdaten eher auf eine weiter stagnierende Produktion hin. Vor allem aber die jüngsten Daten aus China haben die Ölpreise stark unter Druck gesetzt.

Tankrabatt läuft aus

Diese Gemengelage bringt den Autofahrern in Zeiten hoher Inflation eine willkommene Entlastung. Im weitgehenden Gleichlauf mit dem Ölmarkt sind die Spritpreise an den Tankstellen deutlich gefallen. Kostete nach Beginn des Ukraine-Kriegs ein Liter Superbenzin meist über zwei Euro, mussten zuletzt noch 1,71 Euro bezahlt werden - so viel wie zuletzt Anfang Februar.

Eine wichtige Rolle hat dabei natürlich der Tankrabatt gespielt. Seit Anfang Juni hat der Bund die Energiesteuer auf Sprit auf die europäischen Mindestsätze gesenkt. Mit dem Auslaufen des Tankrabatts Ende des Monats müssen sich die Verbraucher allerdings wieder auf höhere Spritpreise einstellen. Für Superbenzin reduzierte sich der Steuersatz um 29,6 Cent pro Liter, für Diesel um 14,0 Cent. Studien zufolge wurde das weitgehend an die Verbraucher weitergegeben.