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Hintergrund

Hintergrund Die Probleme des Volkswagen-Konzerns

Stand: 17.04.2015 14:18 Uhr

Geht es nach den Zahlen, steht Volkswagen gut da. Erst jüngst konnte der Konzern ein Rekordergebnis verkünden. Dennoch gibt es bei Europas größtem Autobauer einige Baustellen. Neben dem US-Geschäft vor allem die Kernmarke VW.

Absatzprobleme bei VW

Die Ertragskraft der Kernmarke VW schwächelt, weil bei ihr ein Großteil der hohen Entwicklungskosten anfallen, von denen andere Marken wie Seat und Skoda profitieren. Vom Umsatz blieben zuletzt lediglich 2,5 Prozent beim Betriebsgewinn hängen. Im Vergleich zur Konkurrenz von Toyota, GM und Ford ist der Gewinn pro Fahrzeug sehr niedrig.

Der Grund: VW ächzt unter einer zu großen Zahl an Ausstattungsvarianten und Fahrzeugmodellen. Dadurch muss VW gegen hohe Kosten anverdienen, kann seine Wagen jedoch als Massenhersteller nur zu erschwinglichen Preisen verkaufen.

Winterkorn, der noch Chef der Kernmarke ist, hat im vergangenen Jahr ein Sparprogramm gestartet. Insgesamt fünf Milliarden Euro will er bei der Marke VW einsparen. Ab Juni übernimmt der ehemalige BMW-Chefentwickler Herbert Diess den Job und muss die Kernmarke auf mehr Rendite trimmen.

Schwaches US-Geschäft

Auf dem wichtigen US-Markt fristet VW ein Nischendasein - obwohl die Wolfsburger in Chattanooga ein neues Werk errichtet haben. Die Aufholjagd ist ins Stocken geraten, bevor sie richtig angefangen hat. Denn der extra auf den Geschmack der Amerikaner abgestimmte US-Passat verkauft sich nur schleppend, weil die Konkurrenz ihre Modelle schneller erneuert.

Zudem hat VW im Land der Straßenkreuzer und Geländewagen keine entsprechenden Modelle im Angebot. Das rächt sich jetzt, da die Spritpreise niedrig sind. Die von Winterkorn angekündigten großen SUV-Geländewagen kommen erst 2016/2017 auf den Markt. Bis dahin könnte VW jenseits des Atlantiks vollends ins Abseits geraten, fürchten Experten.

Abhängigkeit von China

Auf dem weltgrößten Automarkt kann VW seine ganze Stärke ausspielen. Dort sind die Wolfsburger mit fast 40 Prozent Marktführer. Die Stärke kann sich jedoch schnell in ein Risiko verwandeln. Denn der chinesische Markt wächst nicht mehr so rasant wie noch vor einigen Jahren. In den ersten Monaten 2015 sanken die Absätze der Kernmarke VW sogar.

Zu wenige günstige Modelle

Seit Jahren versuchen die Wolfsburger vergeblich, im Billigsegment Fuß zu fassen. Die Hoffnungen, dies zusammen mit Suzuki zu schaffen, sind geplatzt, weil sich der japanische Kleinwagenspezialist von VW dominiert sah. Aus der angestrebten Partnerschaft wurde ein Rosenkrieg. Währenddessen machen Konkurrenten wie Renault mit seiner Billigtocher Dacia das Geschäft.

Lkw-Allianz

Die von Aufsichtsratschef Ferdinand Piech geforderte Allianz der beiden Lkw-Töchter MAN und Scania kommt nur schleppend in Gang. Das soll der von Daimler zu VW gewechselte Lkw-Boss Andreas Renschler ändern.

Mit Material von Reuters und AFP

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. April 2015 um 14:30 Uhr.