Fahrzeuge werden in den frühen Morgenstunden an einer Tankstelle in der Kieler Innenstadt betankt. | picture alliance/dpa

Tankrabatt endet heute Noch einmal schnell volltanken?

Stand: 31.08.2022 07:42 Uhr

Ende August läuft der Tankrabatt auf Treibstoffe aus. Damit könnten heftige Preissprünge drohen. Wie stark diese allerdings ausfallen, darüber sind sich auch Experten nicht einig.

Zum 1. September läuft der sogenannte Tankrabatt aus. Ob die Verbraucher dann ein jäher Preissprung auf mehr als zwei Euro je Liter Benzin oder Diesel erwartet, ist durchaus nicht klar. Der Preis dürfte aber zumindest auf Sicht einiger Tage und Wochen deutlich anziehen. Sollte der Preisabschlag des Tankrabatts direkt am morgigen Septemberanfang an der Zapfsäule voll zurückgefahren werden, werden Kraftstoffe für die Autofahrerinnen und Autofahrer schlagartig teurer.

Bei Benzin beträgt der Rabatt heute letztmalig 35 Cent je Liter, bei Diesel 17 Cent je Liter (jeweils inklusive der Ersparnis bei der Mehrwertsteuer). Aber auch gasbetriebenes Autofahren war in den vergangenen drei Monaten billiger. Der Preis für Erdgas (CNG/LNG) wurde um rund sechs Cent je Liter rabattiert, Flüssiggas (LPG) war in den vergangenen Monaten um knapp 13 Cent je Liter günstiger. Würden diese Preisnachlässe komplett auf den derzeitigen Treibstoffpreis aufgeschlagen, dann würden für Superbenzin rund 2,20 je Liter fällig, Diesel würde bei etwa 2,17 Euro pro Liter liegen.

Tankstellen im Wettbewerb

Dass es so kommt, ist zumindest für die erste Zeit nach dem Wegfall des Rabatts nicht sicher. Nach Angaben des ADAC haben die Tankstellenbetreiber in den vergangenen Wochen unterschiedlich vorgesorgt. Viele haben ihre Tanklager noch mit günstigem Sprit aufgefüllt. Deshalb könnten sie auch in den ersten Septembertagen noch günstige Preise anbieten, um sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen.

In den vergangenen Wochen waren die Spritpreise nach einem Tiefstand Anfang August wieder deutlich geklettert. Dabei spielte allerdings weniger eine hohe Nachfrage durch Autofahrer eine Rolle als andere Einflussfaktoren: So stieg der Rohölpreis zuletzt wieder auf deutlich mehr als 100 Dollar je Fass (159 Liter) bei der Nordseesorte Brent an.

Der gleichzeitige Verfall des Euro gegenüber dem US-Dollar wirkt ebenfalls tendenziell treibend auf die Spritpreise, denn Öl wird in Dollar gehandelt. Verteuert sich die US-Währung also gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung wird auch Öl, und damit auch Benzin und Diesel, in Euro gerechnet teurer.

Trockenheit verteuert vor allem Diesel

Zuletzt hatte sich auch ein weiterer Preistreiber für Sprit bemerkbar gemacht: Laut den Experten des Essener Wirtschaftsforschungsinstituts RWI ist dies die Trockenheit und der damit verbundene niedrige Pegelstand des Rheins. Das sorge vor allem bei Diesel für hohe Transportkosten und damit steigende Preise. Bei Superbenzin der Sorte E10 zeige sich zwar der gleiche Effekt - allerdings in geringerem Ausmaß, da Superbenzin im Vergleich zu Diesel weit weniger importiert werden muss.

Verbrauchern empfiehlt der ADAC statt einem Tankstopp am heutigen letzten Augusttag, lieber die Preise im Blick zu behalten und günstige Gelegenheiten für das Tanken zu nutzen. Mithilfe von Preisapps dürfte es auch Anfang September noch günstige Preise für Diesel und Super geben.

Hamstern: "Lieber nicht"

Wer dennoch Sprit "hamstern" will, sollte neben möglicher Schlangen an den Tankstellen auch Obergrenzen für das private Lagern von Treibstoff beachten. Bis zu 60 Liter je Kanister und 240 Liter je "Beförderungseinheit" sind zwar erlaubt. Doch einerseits ist dies mit großen Gefahren verbunden, weil es sich um leicht entzündliche Treibstoffe handelt. Der ADAC rät deshalb davon ab, mehr als zehn Liter auf Reserve zu tanken.

Das Lagern von größeren Mengen Treibstoff stellt zudem ein Problem für die meisten Bürgerinnen und Bürger dar. Der Versicherer Ergo weist etwa darauf hin, dass nur spezielle bruchsichere Kanister nach DIN-7274 und 16904 genutzt werden dürfen. Im eigenen Haus oder der Wohnung darf Treibstoff nicht gelagert werden. In einer Garage mit einer Fläche bis zu 100 Quadratmetern sind nur 20 Liter Benzin oder 200 Liter Diesel gestattet, im Keller sind weitere 20 Liter Kraftstoff erlaubt. Auch der Versicherer empfiehlt allerdings angesichts großer Risiken von Verunreinigungen und des Austretens giftiger Gase: "Lieber nicht!"

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. August 2022 um 14:00 Uhr in den Nachrichten.