Donuts und Cupcakes auf einer Etagere | picture alliance / Zoonar

Ungesunde Lebensmittel Kritik an Influencer-Werbung bei Kindern

Stand: 17.02.2021 16:08 Uhr

Viele Kinder folgen Social-Media-Kanälen, auf denen neben witzigen Videos auch Werbung für ungesundes Essen erscheint. Die Organisation Foodwatch fordert ein Verbot solcher Marketing-Praktiken.

Von Robert Holm, rbb  

Die Instagram-Seiten von Viktoria und Sarina sind eine pastellfarbene Traumwelt für Kinder: zwei Mädchen mit langen Haaren, immer lachend, mit Pferden, Plastikeinhörnern und Hundewelpen. Jeweils eine Million Fans folgen den beiden und wissen auch ganz genau: Viktoria und Sarina lieben Süßigkeiten. Das wird auf den Fotos klar: Sarina vor einem fünfstöckigem Regal mit bunten Cornflakes-Packungen, Viktoria neben mehreren Eimern voller roter, grüner, gelber Gummitiere. Und immer wieder ist diese rosa Torte zu sehen. Sie passt perfekt in dieses virtuelle Kinderparadies.

"Neue Art des Marketings"

Doch natürlich ist die Torte neben dem Beitrag "Was nämlich richtig toll zu eurem nächsten Geburtstag passen würde" nicht zufällig dort gelandet. Es ist Werbung, bezahlt von Coppenrath & Wiese. Das Unternehmen ist bekannt, nicht zuletzt durch seine Werbespots. Seit Jahren sind die Tiefkühltorten der Firma im Fernsehen zu sehen - und mittlerweile auch auf Social Media.

"Das Influencer-Marketing ist eine neue Art des Marketings. Sie ist besonders übergriffig und schaltet die elterliche Kontrolle ganz erfolgreich aus", kritisiert Luise Molling von der Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch. So würden Fehlernährung und Fettleibigkeit bei jungen Menschen gefördert. 

Werbung für Kinder schwer zu erkennen

Bei ihrer Recherche hat sich Molling die Social-Media-Kanäle der beliebtesten Kinder-Influencer angesehen: Zum Beispiel die von Simon Desue (der auf zwei Millionen Instagram-Abonnenten kommt) oder von Julia Beautx (2,9 Millionen). Das Prinzip ist überall das gleiche. Wie bei Viktoria und Sarina verdienen hier junge Menschen Geld mit einer Mischung  Entertainment und Werbung.

Neben witzigen Videos und süßen Selfies werden immer wieder Produkte gezeigt, unter anderem ungesunde Lebensmittel. Coca-Cola, McDonald's, Haribo - viele Marken platzieren hier ganz selbstverständlich ihre Produkte. Die seien dann zwar als Werbung gekennzeichnet; doch Kinder könnten meist gar nicht unterscheiden zwischen normalen Postings und einem bezahlten Bild, sagt Molling. 

Man wolle gar keine Kinder unter 12 Jahren erreichen, argumentiert dagegen Haribo. Allerdings könne man nicht ausschließen, dass Jüngere auf die Marketing-Maßnahmen stoßen, so ein Sprecher: "Soziale Medien wie TikTok und Instagram führen in ihren Nutzungsbedingungen allerdings ein Mindestalter für die Nutzung auf. Hier setzen wir auch auf die Verantwortung der Eltern, die auf das Online-Verhalten ihrer Kinder achten und Sorge dafür tragen, welche Medien ihre Kinder nutzen."

Foodwatch fordert ein generelles Verbot von Kindermarketing für ungesunde Lebensmittel und richtet sich damit an Bundesernährungsministerin Julia Klöckner. "Coca-Cola, McDonald’s & Co. sabotieren die Bemühungen vieler Eltern, ihre Kinder für eine gesunde Ernährung zu begeistern", heißt es von der Organisation. "Jeder fünfte Todesfall in Deutschland ist auf ungesunde Ernährung zurückzuführen, und trotzdem lässt Ministerin Klöckner den Junkfood-Konzernen freie Hand." 

Vorbild Chile?

Klöckner hat sich offen gezeigt für Werbebeschränkungen bei ungesundem Essen, doch setzt bisher auf freiwillige Selbstverpflichtung der Konzerne statt auf Verbote. Molling reicht das nicht: "Es gibt etliche Länder weltweit, die solche Marketinggesetzgebungen umgesetzt haben. Zum Beispiel Chile: Da sehen Sie keine Cartoonfiguren mehr auf zuckrigen Frühstücksflocken, und auch im Internet und Fernsehen dürfen bei Kindern und Jugendlichen beliebte Stars nicht mehr für ungesunde Lebensmittel werben." 

Laut Foodwatch gelten 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland als übergewichtig. Viktoria und Sarina dagegen sind trotz ihrer Vorliebe für Süßigkeiten schlank und posten weiter: Gerade zum Valentinstag gab es einen Tisch mit Rosen und rosa Stoffherzen zu sehen, der gedeckt war mit Pralinen und Törtchen.