Eine Tanksäule ist an einer Tankstelle | dpa

Energiesteuerentlastung Spritpreise steigen trotz Tankrabatt

Stand: 04.06.2022 19:28 Uhr

Die Wirkung des Tankrabatts scheint zu verpuffen. Auch am Samstag stiegen laut ADAC die Spritpreise weiter. Weil die Steuersenkung kaum bei den Kunden ankommt, werden erste Rufe nach deren vorzeitigen Ende laut.

Die Spritsteuersenkung kommt immer schwächer beim Kunden an. Am Samstagvormittag stieg der Preis für Super E10 erneut, wie der ADAC mitteilte. Diesel lag in etwa auf dem Niveau des Vortages.

Beide Kraftstoffe waren damit dem Verkehrsclub zufolge zu teuer. "Da kommt deutlich zu wenig beim Verbraucher an", sagte ein Sprecher. "Die Entwicklung geht in die komplett falsche Richtung."

Preisanstieg bereits in den vergangenen Tagen

Konkret kostete Super E10 am Vormittag laut ADAC im bundesweiten Durchschnitt 1,960 Euro pro Liter. Das waren 1,6 Cent mehr als 24 Stunden zuvor. Diesel schlug mit 2,001 Euro pro Liter zu Buche - das entspricht dem Wert des Vortageszeitraums.

Angesichts der Entwicklung erwartete der ADAC auch für den Samstag einen im Vergleich zum Vortag weiter steigenden Tagesdurchschnittspreis bei E10. Die Tagesdurchschnittspreise sind allerdings typischerweise niedriger als die Vormittagswerte, da Kraftstoff zum Abend hin meist billiger wird.

Schon am Donnerstag und Freitag waren die Preise gestiegen. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Freitags hatte E10 1,921 Euro pro Liter gekostet, Diesel 1,969 Euro. Damit war E10 um 26,1 Cent billiger als am Tag vor der Steuersenkung, Diesel um 7,5 Cent. Beides bleibt deutlich hinter der Höhe der Steuersenkung zurück, die bei E10 eine Entlastung von 35,2 Cent pro Liter bewirkt, bei Diesel von 16,7 Cent.

Fratzscher für Ende des Tankrabatts

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sprach sich für ein Ende der seit Mittwoch geltenden Steuerentlastung aus. Viele hätten prognostiziert, dass die Spritpreisbremse kontraproduktiv sei und vor allem in den Taschen der Mineralölkonzerne landen würde, schrieb der Ökonom auf Twitter: "Wie wäre es, wenn die Politik ihren Fehler eingesteht und die Spritpreisbremse sofort stoppt?"

Die Steuersenkung soll bis Ende August gelten. Damit will die Bundesregierung angesichts stark gestiegener Energiepreise Verbraucher entlasten. Allerdings wirkt sie nicht erst an der Zapfsäule, sondern bereits bei Tanklagern und Raffinerien. Vor Mittwoch gekaufte Lagerbestände der Tankstellen sind daher noch mit der höheren Steuer belastet.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 04. Juni 2022 um 19:11 Uhr.