Die Unicredit-Zentrale in Mailand | REUTERS

Großbank auf Chefsuche Streit über Zukunft von UniCredit

Stand: 12.01.2021 13:18 Uhr

Nach dem angekündigten Rücktritt von Vorstandschef Mustier ist die Zukunft der italienischen Großbank UniCredit ungewiss. Wohin steuert die Mutter der deutschen HypoVereinsbank?

Von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom

Der Unternehmer Leonardo del Vecchio ist eine schillernde Figur in der italienischen Wirtschaftswelt. Einst lebte er zeitweise im Waisenhaus, heute ist er Milliardär. Auf Brillen hat er sein Imperium gebaut, noch immer zieht der 85-Jährige vielerorts die Strippen.

Elisabeth Pongratz ARD-Studio Rom

Del Vecchio ist auch im Bankgeschäft aktiv: An der zweitgrößten Bank Italiens, der UniCredit hält er 1,9 Prozent. Nun braucht diese Bank einen neuen Chef, denn der jetzige, Jean Pierre Mustier, hört spätestens im April auf. Der Verwaltungsrat ist schon eifrig auf der Suche nach einem Nachfolger; auch Gespräche mit den Investoren soll es darüber geben.

Der Staat mischt mit

Bei der Wirtschaftszeitung "Il Sole 24ore" ist Marco Ferrando für die Finanzseiten verantwortlich, seit Langem beobachtet er die Entwicklung der Banken. Del Vecchio, so meint er, wolle an der Erneuerung der UniCredit beteiligt sein: "Er will, dass der Chef ein Techniker ist, also keiner, der der Politik verpflichtet ist oder für die Bedürfnisse der Politik ein Ohr hat, etwa was Monte dei Paschi betrifft, und der einen Wert schaffen kann, was Mustier in der letzten Zeit nicht wirklich gelungen war."

Die Krisenbank Monte dei Paschi könnte eine wichtige Rolle bei der weiteren Ausrichtung der UniCredit spielen. Der italienische Staat hatte sie einst vor der Pleite bewahrt und hält jetzt noch die Anteilsmehrheit, aufgrund des damaligen Deals mit der EU muss Monte dei Paschi aber bis Ende des Jahres privatisiert werden. Schon seit Langem wird darüber spekuliert, dass UniCredit die Krisenbank übernehmen soll - auf Druck der Politik.

Investoren gegen Übernahme

Aus Sicht des Wirtschaftswissenschaftlers Marcello Messori von der römischen Universität LUISS ist das keine gute Idee. "Damit würde man dieses Problem einer Bankengruppe zuschieben, die, bevor sie überhaupt über Zusammenschlüsse nachdenkt, erst einmal ihr eigenes Schicksal - also den Kurs ihres künftigen Geschäftsfeldes - bestimmen muss", sagt er.

Neben dem Brillenkönig Del Vecchio machen offenbar auch andere Investoren Front gegen eine mögliche Übernahme. UniCredit-Chef Mustier selbst hatte Fusionen stets abgelehnt, er träumte von einer paneuropäischen Bank. Bleibt sie das oder wird sie Italien-zentriert? Die Diskussion zwischen Verwaltungsrat, Investoren und der Politik sei gerade jetzt wichtig, so Messori.

Umbau hätte Fusion erleichtert

Gerade auch für die HypoVereinsbank in Deutschland, die seit mehr als 15 Jahren zur UniCredit gehört, könnte der weitere Kurs entscheidend sein. "Sicherlich ist das eine wichtige Wasserscheide, denn Mustier hatte ganz klar eine Restrukturierung im Sinn, die eine internationale Fusion erleichtert hätte", sagt Finanzbeobachter Ferrando. "Wenn man die italienischen Geschäfte von denen im Rest Europas getrennt hätte, wäre eine Angliederung an eine andere europäische Bank leichter gewesen. Wenn man, wie es hingegen scheint, die jetzige Struktur verteidigt, wird es schwieriger."

So wartet nicht nur Italien gespannt darauf, wer UniCredit künftig lenken wird. Am Mittwoch kommt der Verwaltungsrat erneut zusammen.

Über dieses Thema berichtete B5aktuell am 12. Januar 2021 um 09:41 Uhr.