US-Lehrerin während einer Zoom-Konferenz | AFP

Corona-Schub für Konzern Zoom-Gewinn explodiert dank Homeoffice

Stand: 02.06.2021 09:27 Uhr

Der Videokonferenzdienst Zoom hat dank des Homeoffice-Trends seinen Gewinn mehr als verachtfacht. Zoom-Chef Eric Yuan ist überzeugt, dass es keine Rückkehr zur Arbeitswelt vor Corona geben werde.

Der eine Kollege sitzt im Büro, der andere zu Hause im Homeoffice. Corona hat das Nebeneinander von Arbeiten im Büro und im Homeoffice salonfähig gemacht. Hybrides Arbeiten gilt so manchem Arbeitsforscher als Modell der Zukunft. Auch Eric Yuan ist überzeugt: "Das hybride Arbeitsmodell wird bleiben." Yuan ist allerdings nicht ganz unvoreingenommen, schließlich ist er Chef des Videokonferenzanbieters Zoom.

Digitale Kommunikationskanäle sind für hybride Arbeitsmodelle unerlässlich. Davon hat Zoom wie kaum ein anderes Unternehmen profitiert. Die US-Firma hat im vergangenen Vierteljahr ihren Umsatz um 191 Prozent auf 956,2 Millionen Dollar gesteigert. Zuletzt entschieden sich immer mehr Anwender, die den Dienst seit Ausbruch der Pandemie regelmäßig nutzen, für ein kostenpflichtiges Abo-Modell.

Eric Yuan | dpa

Zoom-Chef Eric Yuan setzt auf hybride Arbeitsmodelle. Bild: dpa

Wachstumstempo wird sich abflachen

Der Gewinn sprang von 27 Millionen Dollar ein Jahr zuvor auf 227,4 Millionen Dollar, wie Zoom nach US-Börsenschluss am Dienstag mitteilte. Das entspricht einem Plus von mehr als 740 Prozent. Damit übertraf Zoom die Erwartungen der Analysten deutlich.

Dieses hohe Wachstumstempo wird aber nicht zu halten sein. Dessen ist sich auch Zoom bewusst. Für das gesamte Geschäftsjahr stellte Finanzchefin Kelly Steckelberg ein Umsatzplus von rund 50 Prozent auf knapp vier Milliarden Dollar in Aussicht.

Das Telefon der Zukunft?

Zugleich stellt sich Zoom auf die Zeit nach der Pandemie ein, wenn wieder mehr Menschen zumindest tageweise in die Büros zurückkehren. Firmenchef Yuan ist überzeugt, dass Video- und Sprachtelefonie in Unternehmen künftig zu einer Dienstleistung verschmelzen werden.

Das Unternehmen rüstet sich dafür, indem es zusätzlich zu den Videokonferenzen auch die Sprachtelefonie in Unternehmen übernimmt. Manche Ausrüster haben inzwischen Telefonapparate im Angebot, die speziell für Zoom gedacht sind.

Mit der Ausweitung seines Geschäftsfeldes versucht sich Zoom, von der Konkurrenz abzuheben. Zu den größten Rivalen des 2011 in San Jose gegründeten Unternehmens gehören Microsoft mit seiner Teams-Bürosoftware, Cisco, Google und Facebook.

Aktie im Abwärtstrend

Anleger taten sich zunächst schwer, die Zoom-Zahlen einzuordnen. Die Aktie sackte im nachbörslichen US-Handel anfangs um rund fünf Prozent ab, dreht dann aber klar ins Plus. Im regulären Handel an der Technologiebörse Nasdaq war sie noch um 1,2 Prozent auf 327,72 Dollar gefallen.

Seit dem Rekordhoch bei 588,84 Dollar im Oktober 2020 befindet sich das Papier in einem Abwärtstrend. Die Börse scheint von den künftigen Wachstumsperspektiven des Corona-Lieblings noch nicht überzeugt.

In einer ersten Fassung dieses Artikels hatten wir fälschlicherweise geschrieben, dass Zoom eigene Telefonapparate im Angebot hat. Tatsächlich handelt es sich um Geräte von Ausrüstern. Diesen Fehler haben wir korrigiert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Juni 2021 um 07:35 Uhr.