Am Bürogebäude des Wirtschaftsprüfers in Berlin hängt das Logo "EY"  | HAYOUNG JEON/EPA-EFE/Shutterstoc

Wirecard-Affäre Insolvenzverwalter prüft Klage gegen EY

Stand: 15.11.2021 10:18 Uhr

Dem langjährigen Bilanzkontrolleur des Skandalkonzerns Wirecard droht juristischer Ärger. Der Insolvenzverwalter prüft offenbar Schadenersatzansprüche gegen das Prüfunternehmen EY.

Der Insolvenzverwalter des Zahlungsabwicklers Wirecard, Michael Jaffé, prüft nach einem Zeitungsbericht Schadenersatzansprüche gegen den langjährigen Bilanzprüfer EY. Jaffé habe dazu Martin Jonas vom Wirtschaftsprüfer Warth & Klein Grant Thornton beauftragt, meldet das "Handelsblatt". Eine Klage sei in Vorbereitung. Im Kern gehe es um die Frage, ob EY Fehler gemacht habe - und falls ja, wie schwer diese gewesen seien, sagte Jonas der Zeitung. Von der Antwort hänge ab, ob und in welcher Höhe EY haften müsse.

Eine Haftungsgrenze greife nur bei fahrlässigen Fehlern, sagte Jonas. Anders sehe es bei direktem oder indirektem Vorsatz aus. Allgemein gelte: "Wenn Prüfer wussten, dass die Bilanz falsch war und sie trotzdem ein Testat erteilen, müssen sie unbegrenzt haften." Das gelte auch bei bedingtem Vorsatz, wenn der Schaden also billigend in Kauf genommen worden sei.

Haftungsgrenze angehoben

Allerdings hat der Gesetzgeber erst im Juni dieses Jahres das Haftungslimit der Wirtschaftsprüfer gegenüber ihrem Auftraggeber von vier Millionen auf 16 Millionen angehoben. Weil die Änderung erst nach der Insolvenz von Wirecard erfolgt ist, ist fraglich, ob EY von der neuen Regel betroffen ist. Gläubiger werfen EY vor, durch die jahrelangen Testate dazu beigetragen zu haben, dass Wirecard in den DAX aufsteigen konnte und für immer mehr Anleger interessant wurde. Der Kapitalmarkt habe darauf vertraut, dass die von EY freigestempelten Bilanzen in Ordnung gewesen seien. Der Schaden sei nur deshalb so gewaltig angewachsen, weil EY die Bilanztricks des Unternehmens aus Aschheim ignoriert habe.

Jonas soll nun im Auftrag Jaffés einen Report über die Arbeit von EY erstellen. Sollte Jonas zu ähnlichen Ergebnissen kommen wie der vom Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags zu Wirecard eingesetzte Sonderprüfer um den Wirtschaftsprüfer Martin Wambach, sei eine Klage gegen EY wahrscheinlich, so das "Handelsblatt".

Kein Kommentar von EY

EY nahm keine Stellung zu den Folgen einer möglichen Klage. Das Unternehmen wolle sich "zu einzelnen oder potenziellen Klagen grundsätzlich nicht äußern", hieß es von der Prüffirma. "Wir betonen jedoch, dass unsere Prüfer ihre Prüfungshandlungen nach bestem Wissen und Gewissen durchgeführt haben." Wirecard musste im Juni 2020 Insolvenz anmelden, nachdem milliardenschwere Luftbuchungen bekannt geworden waren. Seitdem ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft wegen Bilanzfälschung, Betrug, Marktmanipulation und Geldwäsche. Klage hat sie allerdings noch nicht erhoben.

Über dieses Thema berichtete Das Erste am 30. Juni 2021 um 21:45 Uhr in der Sendung "Plusminus".