Reisende stehen am Flughafen Hamburg vor einer Anzeigetafel. | dpa

Bundesweite Warnstreiks Verspätungen und Ausfälle an Flughäfen

Stand: 22.03.2022 16:47 Uhr

Warnstreiks des Sicherheitspersonals haben an vielen Airports zu massiven Flugausfällen geführt. In Hamburg wurden alle Abflüge gestrichen, in Frankfurt gibt es nur einen Notdienst. Die Gewerkschaft ver.di will höhere Stundenlöhne durchsetzen.

Flugausfälle, Verspätungen und lange Wartezeiten: An zahlreichen deutschen Flughäfen müssen Reisende mit starken Beeinträchtigungen im Flugverkehr rechnen. Die Gewerkschaft ver.di hat die privaten Sicherheitskräfte zu einem ganztägigen und nahezu flächendeckenden Warnstreik aufgerufen.

Allein am Drehkreuz Frankfurt sagten die Gesellschaften 118 von 790 geplanten Flügen ganz ab, wie der Betreiber Fraport berichtete. Zusteigen konnte am Rhein-Main-Flughafen niemand, stattdessen wurden nur Umsteiger abgefertigt. Ankommende Passagiere konnten wie überall den Flughafen wie gewohnt verlassen, da sie nach der Landung nicht mehr von den Sicherheitsdienstleistern überprüft werden. Von einer Anreise zum Flughafen hatte Fraport abgeraten, so dass es in den Terminals sehr ruhig blieb.

Alle Abflüge in Hamburg gestrichen

Starke Einschränkungen wurden auch aus Hannover und Hamburg gemeldet. In der Hansestadt wurden nach Flughafenangaben alle 88 geplanten Abflüge gestrichen, weil die Sicherheitskontrollen für Passagiere ganztägig geschlossen bleiben. Passagiere wurden gebeten, sich vor einer Anreise zum Flughafen über den Status ihrer Flüge zu informieren. Auch in Hannover hoben keine Flüge ab. Am Flughafen Düsseldorf fielen 140 von insgesamt 260 Abflügen und Ankünften aus.

Am Hauptstadtflughafen BER sei der Flugverkehr sehr eingeschränkt, sagte ein ver.di-Vertreter. Dort dürften rund 100 von 150 geplanten Abflügen ausfallen, wie eine Unternehmenssprecherin sagte. Von den etwa 150 Ankünften würden rund 50 gestrichen.

Auch die Flughäfen in Bremen, Stuttgart, und Köln/Bonn werden bestreikt. Am Airport in Köln/Bonn konnten 50 von 60 Starts nicht stattfinden. Ähnlich war es am Flughafen in Stuttgart, wo nach Angaben einer Sprecherin 40 von 50 Abflügen abgesagt waren. "Wir empfehlen Reisenden, vor der Fahrt zum Flughafen unbedingt den Flugstatus bei der Fluggesellschaft zu checken", sagte sie.

Gewerkschaft fordert höheren Stundenlohn

Ver.di fordert in den Tarifverhandlungen mit dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen, die Gehälter um mindestens einen Euro pro Stunde zu erhöhen. Wesentlich kostspieliger könnten regionale Angleichungen sowie vereinheitlichte Tarifgruppen werden, die den Arbeitgebern zufolge für einzelne Beschäftigte bis zu 40 Prozent mehr Gehalt bringen würden.

Die Branche kritisierte den Ausstand. Obwohl Flughäfen und Fluggesellschaften nicht Teil des Konfliktes seien, treffe der Streik in erster Linie den Luftverkehr und viele Tausende Reisende, erklärte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. "Das ist unfair und erschwert den Luftverkehrsunternehmen und ihren Beschäftigten die wirtschaftliche Wiederbelebung nach dem pandemiebedingten Zusammenbruch", sagte Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow. Eine flächendeckende Lahmlegung des Luftverkehrs sei unverhältnismäßig.

Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) sprach sich dafür aus, dass der Bund andere Organisations- und Finanzierungsformen für die hoheitlichen Luftsicherheitskontrollen prüft. "Erneut müssen wir zusehen, wie ver.di die Reisenden im Luftverkehr in Geiselhaft nimmt, um ihre Forderungen durchzusetzen, die zum Teil Berufsgruppen betreffen, die mit den Passagierkontrollen an den Flughäfen überhaupt nichts zu tun haben", erklärte BDF-Geschäftsführer Michael Engel. Die bestehende Struktur, wonach der Staat private Sicherheitsdienstleister mit den Kontrollen beauftragt, mache alle Beteiligten "erpressbar", kritisierte der BDF.

Neue Tarifverhandlungen angesetzt

Die Sicherheitskontrollen stehen unter Aufsicht der Bundespolizei und sind weitgehend an private Dienstleister ausgelagert. Lediglich in Bayern werden Kontrolleure nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst bezahlt und streiken daher nicht mit.

Die Arbeitgeber werfen der Gewerkschaft Maßlosigkeit vor, nachdem man bereits bis zu 22 Prozent angeboten habe. Bereits in der vergangenen Woche hatte ver.di zeitversetzt an mehreren Flughäfen ganztägige Warnstreiks durchgezogen, was zu Protesten bei den Flughäfen und Fluggesellschaften führte. Eine fünfte Runde der Tarifverhandlungen, die ver.di mit dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen führt, ist für Donnerstag angesetzt.

Über dieses Thema berichtete BR24 im Hörfunk am 22. März 2022 um 08:08 Uhr.