Martin Winterkorn und Rupert Stadler | AFP

Ex-Manager im Dieselskandal 288 Millionen Euro Schadensersatz für VW

Stand: 09.06.2021 16:07 Uhr

Der Dieselskandal wird für ehemalige VW-Manager teuer: Ex-Chef Winterkorn und andere frühere Topleute müssen 288 Millionen Euro Entschädigung an Volkswagen leisten - und dennoch mit Prozessen rechnen.

Der frühere Konzernchef Martin Winterkorn und drei weitere Ex-Topmanager zahlen wegen des Dieselskandals Rekord-Entschädigungen an Volkswagen. In der  abschließenden Einigung sei ein Betrag von knapp 288 Millionen Euro vereinbart worden, hieß es aus dem Unternehmen. Den Großteil der Summe begleichen aber spezialisierte Haftpflichtversicherungen.

270 Millionen Euro von den Versicherungen

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Winterkorn zahlt persönlich 11,2 Millionen Euro. Ex-Audi-Chef und -VW-Konzernvorstand Rupert Stadler soll selbst 4,1 Millionen Euro überweisen. Bei ihm und Winterkorn geht es um die Verletzung aktienrechtlicher Sorgfaltspflichten.

Der frühere Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz steuert zudem 1,5 Millionen Euro bei, der ehemalige Audi-Manager Stefan Knirsch 1 Million Euro. Die Versicherer der Manager erbringen 270 Millionen Euro. An den Verhandlungen waren neben den Anwälten der einstigen Manager mehr als 30 Versicherer beteiligt.

Keine Einigung mit Hackenberg

Sowohl die persönlichen Zahlungen als auch die versicherte Abdeckung ergäben "mit Abstand die höchste Summe, die ein solches Konsortium in Deutschland jemals auf den Tisch gelegt hat", hieß es aus Kreisen der Unterhändler.

VW hatte auch von Ex-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg Schadensersatz verlangt. Dieser sei aber nicht zu einer Einigung bereit, weshalb nun gerichtliche Schritte gegen ihn vorbereitet werden sollen.

Hauptversammlung muss entscheiden

Volkswagen hatte im März beschlossen, Winterkorn, Stadler und andere ehemalige Führungskräfte im Konzern wegen aktienrechtlicher Sorgfaltspflichtverletzungen während des des Dieselskandals finanziell zur Verantwortung zu ziehen.

Die Zahlungen, die nun mit den Ex-Managern abgesprochen wurden, könnten einen vorläufigen Schlusspunkt in der jahrelangen Aufarbeitung individueller Verantwortlichkeiten in der Abgasaffäre setzen. Bereits am Samstag hatte der Aufsichtsrat die Vereinbarung gebilligt, teilte VW mit. Endgültig entscheiden müsse noch die Hauptversammlung, die für den 22. Juli einberufen wird. 

Anklage wegen Falschaussage

Allerdings haben sich der VW-Konzern und die Ex-Managerriege  auf den Schadensersatz außerhalb der zivil- oder strafrechtlichen Prozesse geeinigt. Vor den Gerichten selbst sind in bereits laufenden oder in demnächst anstehenden Verfahren jedoch weitere Fragen zu klären.

So hat die Berliner Staatsanwaltschaft gegen Winterkorn Anklage wegen uneidlicher Falschaussage im Untersuchungsausschuss des Bundestags zur Abgasaffäre erhoben. Er solle "bewusst falsche Angaben" zur Frage gemacht haben, zu welchem Zeitpunkt er über den Einsatz einer Software zur Manipulation der Abgaswerte unterrichtet war, teilte die Behörde mit.

Winterkorn muss sich auch vor dem Landgericht Braunschweig verantworten - wegen des Dieselskandals selbst. Es geht dort um eine Anklage wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs. Winterkorn hat den Vorwurf bereits zurückgewiesen.

Skandal kostete VW bislang 32 Milliarden Euro

Der Dieselskandal flog im Herbst 2015 bei Volkswagen und anderen deutschen Autobauern auf. Relativ früh räumte VW ein, bei bestimmten Dieselmotoren eine Software verbaut zu haben, die den Ausstoß von Stickoxid nur auf dem Prüfstand senkt, nicht aber im Straßenverkehr.

Rund um den Globus gab es mehrere Verfahren. Auch Verbraucherschützer befassten sich mit dem Ursprung des Skandals. VW musste in der Folge Entschädigungszahlungen sowie Gerichtskosten von bereits rund 32 Milliarden Euro leisten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Juni 2021 um 16:00 Uhr.