Schild vor der Vonovia-Firmenzentrale | dpa

Deutsche Wohnen-Übernahme Vonovia scheitert wohl erneut

Stand: 23.07.2021 17:50 Uhr

Zu wenig Aktionäre stimmten zu: Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia ist mit seinem Plan zur Übernahme des Rivalen Deutsche Wohnen wohl erneut gescheitert. Es wäre nicht das erste Mal.

Der Kauf des Berliner Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen durch den Konkurrenten Vonovia steht vor dem Aus. Die Mindestannahmequote des freiwilligen Angebots von Vonovia an die Aktionäre werde voraussichtlich nicht erreicht, teilte der Konzern heute in Bochum mit. Das Management geht nicht davon aus, dass sie sich in der noch verbleibenden Zeit noch wesentlich erhöhen werde.

Bisher haben laut Vonovia nur 47,62 Prozent der Aktionäre das Angebot angenommen. Wesentliche Bedingung für den Vollzug des Angebots ist allerdings eine Mindestannahmeschwelle von mehr als 50 Prozent. Am Abend endete die Frist, in der verspätet eingetrudelte Aktien noch gebucht werden können. Das endgültige Ergebnis wird am Montag bekannt gegeben.

Übernahmeversuch schon 2016 gescheitert

Wie es weitergeht, ist noch offen. "Wir werden die möglichen Optionen, wie zum Beispiel einen Verkauf der derzeit von Vonovia gehaltenen Aktien an der Deutsche Wohnen, ein erneutes öffentliches Angebot oder den Erwerb weiterer Aktien nun sorgfältig prüfen", sagte Vonovia-Chef Rolf Buch. Für ihn es ein erneuter Rückschlag. Schon vor fünf Jahren hatte er vergeblich versucht, den Branchenzweiten zu übernehmen.

Auch damals wurde die Mindestannahmequote für die Milliarden-Offerte nicht erreicht. Im Gegensatz zur neuen Offerte hatte der Vorstand der Deutsche Wohnen das Angebot als feindlich eingestuft und sich heftig gegen den Plan gewehrt. Nun warben beide Unternehmen gemeinsam für eine Fusion. Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen hatten ihren Aktionärinnen und Aktionären empfohlen, das Übernahmeangebot anzunehmen. Die notwendigen Investitionen in bezahlbares Wohnen, Klimaschutz und Neubau ließen sich gemeinsam besser schultern.

Vonovia wollte mit der Übernahme Europas größten Immobilienkonzern mit rund 550.000 Wohnungen im Wert von mehr als 80 Milliarden Euro schmieden. "Vonovia ist weiterhin der Auffassung, dass ein Zusammenschluss mit der Deutsche Wohnen strategisch sinnvoll ist und Mehrwert für die Aktionäre beider Unternehmen schafft", hieß es in der Mitteilung.

Bundeskartellamt hatte schon zugestimmt

Das Bundeskartellamt hatte bereits im Juni grünes Licht für den Zusammenschluss der beiden größten deutschen Wohnimmobilienkonzerne gegeben. Die gemeinsamen Marktanteile der Unternehmen rechtfertigten keine wettbewerbsrechtliche Untersagung, hatten die Wettbewerbshüter mitgeteilt. Sie verwiesen dabei auf das Beispiel Berlin, wo von den knapp 1,7 Millionen Mietwohnungen in der Stadt rund 150.000 auf die Deutsche Wohnen und Vonovia entfielen.

Um der Kritik an dem Megadeal die Spitze zu nehmen, hatte Vonovia sich verpflichtet, in den kommenden drei Jahren in Berlin die jährlichen Mietsteigerungen auf höchstens ein Prozent im Jahr zu begrenzen. Beide Konzerne einigten sich mit dem Senat zudem auf den Verkauf von rund 20.000 Wohneinheiten an das Land. Berlin ist darum bemüht, Wohnraum zurückzukaufen, um den Mietmarkt besser regulieren zu können.

Vonovia-Aktie unter Druck

Die Aktienkurse von Vonovia und Deutsche Wohnen gerieten am Nachmittag nach der Mitteilung deutlich unter Druck. Allerdings reagierten sie nach der ersten Talfahrt unterschiedlich auf das mögliche Scheitern der Übernahme. Während Vonovia-Papiere sich in der Verlustzone hielten und mit einem Minus von 2,7 Prozent aus dem Handel gingen, erholten sich die Titel der Deutsche Wohnen rasch wieder und schlossen 0,4 Prozent im Plus.

Gehofft wird wohl, dass Vonovia nach Lösungen sucht, um die Übernahme doch noch über die Bühne zu bekommen. Buch verwies darauf, dass wesentliche Teile der Aktien der Deutsche Wohnen aktuell von Hedgefonds und darüber hinaus von Indexfonds gehalten werden, die erst handeln dürften, wenn die Mindestannahmequote erreicht sei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Juli 2021 um 17:25 Uhr.