Dicht bebauter Stadtteil Berlin-Mitte. (Quelle: dpa/R. Schlesinger) | dpa/R. Schlesinger

Immobilienmarkt Deutsche Wohnen und Vonovia wollen fusionieren

Stand: 28.06.2021 13:43 Uhr

Es ist der dritte Versuch von Vonovia, den Konkurrenten Deutsche Wohnen zu schlucken. Stimmen die Aktionäre zu, stehen die Chancen gut. Im Zuge der Fusion bietet Vonovia dem Land Berlin 20.000 Wohnungen zum Kauf an.

Deutschlands größter privater Wohnungsvermieter Vonovia will die Nummer zwei auf dem Markt, Deutsche Wohnen, für rund 18 Milliarden Euro übernehmen. Dazu haben die beiden Konzerne eine Grundsatzvereinbarung unterzeichnet.

Sollten die Kartellbehörden zustimmen - womit gerechnet wird -, entstünde durch den Zusammenschluss Europas größter Konzern für Wohnimmobilien mit mehr als einer halben Million Wohnungen im Wert von mehr als 80 Milliarden Euro und einem Börsenwert von 48 Milliarden Euro. Vor fünf Jahren war Vonovia mit einem 14 Milliarden Euro schweren Übernahmeangebot für die Deutsche Wohnen am Widerstand der Aktionäre gescheitert. Damals hatte auch Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn gegen die Fusion gekämpft. Diesmal ist auch Zahn überzeugt, dass der richtige Moment für eine Fusion der beiden im Leitindex DAX notierten Konzerne gekommen ist.

Das künftige Unternehmen soll den Namen Vonovia SE führen, wie mitgeteilt wurde. Der Sitz soll in Bochum bleiben, das Unternehmen aber aus Bochum und Berlin geführt werden. Außerdem haben die Parteien vereinbart, dass sie im Zusammenhang mit der Transaktion keine betriebsbedingten Kündigungen früher als 1. Januar 2024 aussprechen werden.

Angebot an den Berliner Senat

Die Offerte steht unter dem Vorbehalt einer Mindestannahmequote von 50 Prozent aller ausstehenden Deutsche-Wohnen-Aktien sowie der Zustimmung der Kartellbehörden. Vonovia bietet den Deutsche-Wohnen-Aktionären 18 Prozent mehr als den Schlusskurs von 44,99 Euro vom Freitag. Der Bochumer Konzern hat sich insgesamt 22 Milliarden Euro gesichert, um die Übernahme zu finanzieren. Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen begrüßten das Übernahmeangebot und empfehlen den Aktionären die Annahme.

Zudem suchen die Konzerne den Schulterschluss mit dem Berliner Senat. Dazu bieten sie dem Regierenden Bürgermeister rund 20.000 Wohnungen in der Hauptstadt zum Kauf an. Er hoffe, gemeinsam mit dem Senat den "Unzustand" nicht ausreichenden Wohnraums in der Hauptstadt beenden zu können, sagte Vonovia-Chef Rolf Buch. "Wir werden unsere Größe nutzen, um unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden."

"Größenordnung eigener Wohnungsgesellschaft"

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sagte, die Fusion biete Berlin die Chance, 20.000 Wohnungen in kommunales Eigentum zu übernehmen. "Das ist die Größenordnung einer eigenen Wohnungsgesellschaft", so der SPD-Politiker. Nunmehr werde mit allen Beteiligten im Detail besprochen, um welche Bestände es sich handele. "Mir liegen soziale Brennpunkte am Herzen, mir liegen Großsiedlungen am Herzen", sagte Müller.

Mehr Wohnungen in kommunaler Hand bedeuteten mehr Einfluss auf sozialverträgliche Mieten und mehr Sicherheit für viele Menschen im Bereich Mieten und Wohnen. Momentan verfügt Berlin über 340.000 kommunale Wohnungen.

Vonovia will Mieten in den nächsten fünf Jahren deckeln

Buch kündigte an, dem Berliner Senat einen "Zukunfts- und Sozialpakt Wohnen" anzubieten. In den nächsten drei Jahren sollen die Mieten in Berlin maximal um ein Prozent pro Jahr steigen, in den beiden folgenden Jahren nicht stärker als die Inflationsrate. Zudem sollen die Kosten für die Sanierung des Wohnungsbestandes zum Energiesparen nicht voll auf die Mieter umgelegt werden.

Von den gut 150.000 Wohnungen von Deutsche Wohnen liegen 113.000 im Großraum Berlin, bei Vonovia sind es 43.000.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Mai 2021 um 06:00 Uhr.