Aktivisten von Greenpeace legen ein VW-Logo auf dem Gletscher der Zugspitze und ein  Banner "Von Wegen Klimaschutz" | picture alliance/dpa

Entwendete Autoschlüssel VW stellt Strafantrag gegen Greenpeace

Stand: 23.06.2021 15:09 Uhr

Eine Greenpeace-Aktion, bei der 100 entwendete VW-Schlüssel auf die Zugspitze gebracht wurden, hat ein juristisches Nachspiel: Der Volkswagen-Konzern hat Strafantrag gegen die Umweltschutzorganisation gestellt.

Rund einen Monat nach der Greenpeace-Aktion gegen Volkswagen im Emder Hafen hat der Autobauer Konsequenzen gezogen und einen Strafantrag gegen Greenpeace gestellt. "Wir dulden keine Gesetzesverstöße", sagte eine VW-Sprecherin in Emden. Sie betonte aber, dass VW weiter an einem Dialog mit der Umweltschutzorganisation interessiert sei. Der Strafantrag lässt auf einen Sinneswandel bei den Wolfsburgern schließen: Zunächst hatten diese nämlich überraschend moderat auf die Greenpeace-Aktion Ende Mai reagiert und zunächst auf eine Strafanzeige verzichtet.

Zunächst Verständnis und lockere Tweets

Um gegen den ihrer Meinung nach zu langsamen Wechsel zur Elektromobilität bei VW zu protestieren, waren die Aktivisten über einen Zaun auf ein Verladegelände im Emder Hafen geklettert und hatten dort an unverschlossenen Autos, die zur Verschiffung nach Übersee bereitstanden, die Zündschlüssel abgezogen. Kurz darauf brachte die Organisation die Schlüssel auf einen Gletscher an der Zugspitze in Bayern. Dort sollte sie nach ihrer Vorstellung VW-Chef Herbert Diess abholen.

Statt direkt Strafantrag zu stellen, antwortete Diess locker per Twitter: "Gerne Zugspitze, heute schaffe ich aber nicht mehr - möchte nicht den Flieger nutzen. Demnächst bei gutem Wetter?" Und VW-Markenchef Ralf Brandstätter äußerte in einem ausführlichen Kommentar zu der Aktion auf seinem LinkedIn-Profil Verständnis dafür, dass "vielen der Wandel nicht schnell genug geht".

Ermittlungen laufen bereits von Amts wegen

Diebstahl als Teil der Klimadebattenkultur? Das hatten Staatsanwaltschaft und Polizei auch schon vor dem nun erfolgten Sinneswandel bei VW etwas anders gesehen: Sie ermitteln bereits von Amts wegen gegen etwa ein Dutzend Aktivisten wegen des Vorwurfs des Hausfriedensbruchs und des besonders schweren Diebstahls. Um eine strafrechtliche Verfolgung anzustoßen, wäre der heutige Strafantrag von VW also gar nicht mehr nötig gewesen.

Ermittlungen auch nach Greenpeace-Aktion bei der EM

Vergangene Woche missglückte dann eine gegen VW gerichtete Greenpeace-Aktion beim ersten EM-Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Kurz vor dem Anpfiff des Spiels gegen Frankreich geriet ein Motorschirm-Flieger über der Münchner Arena ins Taumeln und landete schließlich auf dem Spielfeld. Dabei kam er den Zuschauern gefährlich nahe, zwei Männer mussten wegen ihrer Verletzungen ins Krankenhaus.

Zahlreiche Politiker verurteilten die Aktion aufs Schärfste. Die Polizei ermittelt wegen verschiedener Delikte nach dem Strafgesetzbuch und dem Luftverkehrsgesetz.