Der Börsengang der Continental-Tochter Vitesco im Frankfurter Handelssaal | REUTERS

Vitesco geht an die Börse DAX-Mitglied für einen Tag

Stand: 16.09.2021 13:53 Uhr

Vorhang auf für Vitesco: Als sogenannter Spin-off betritt die Continental-Abspaltung das Frankfurter Börsenparkett - und wird sogar für einen Tag im DAX gehandelt. Doch es gibt nicht nur Grund zur Freude.

Von Jan Plate, ARD-Börsenredaktion

Einige Börsengänge mussten wegen der Coronakrise verschoben werden. Und wenn sie stattfanden, war es wegen der Beschränkungen im Frankfurter Handelssaal eher einsam. Gleich zweimal musste das Unternehmen Vitesco seinen geplanten Börsengang absagen - wegen mangelnder Nachfrage und wegen Corona. Jetzt hat es geklappt, und prompt war es - unter Beachtung klarer Hygenieregeln - ein ziemlich großer Bahnhof. Allerdings war es kein klassischer IPO - also ein öffentliches Angebot -, sondern eine Abspaltung: ein sogenannter Spin-off.

Sind Spin-offs zu Recht makelbehaftet?

"Die Spin-offs wurden sicherlich mal als etwas weniger gut, als etwas weniger interessant betrachtet, weil man ganz pauschal der Meinung war: Das kann man nicht verkaufen, deswegen müssen sie es jetzt ausgliedern", erklärt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. "Aber die Realität hat gezeigt, dass dies häufig verkannte Unternehmen waren. Ich denke beispielsweise an Lanxess von Bayer." Ein Spin-off alleine müsse also nichts Schlechtes verheißen für die Zukunft der Aktie und des Unternehmens, so Pieper.

Beim Spin-off von Vitesco, der Abspaltung des DAX-Konzerns Continental, haben Conti-Aktionäre für je fünf Papiere eine Vitesco-Aktie bekommen. Geld fließt den Unternehmen aus der Abspaltung nicht zu. Die neuen Aktien können nun auf dem Markt angeboten werden. Und um 9.19 Uhr war es soweit: Der erste Kurs und Preis für die Aktie wurde mit 59,80 Euro festgestellt, zur Feier die Glocke geläutet.

Geschäft weit überwiegend mit Verbrennertechnik

Mancher sieht Vitesco kritisch; als Sorgenkind, von dem sich Continental trennt. Denn Vitesco macht 90 Prozent des Umsatzes von zuletzt gut acht Milliarden Euro mit Verbrennertechnik. Die steht durch den beschleunigten Wechsel zur Elektromobilität gewaltig unter Druck. "Es ist insofern noch ein Problemkind, als die Ergebnisse nach wie vor nicht wirklich gut sind", räumt Analyst Pieper ein. "Vergleicht man das mit anderen Zulieferern und auch mit dem Mutterkonzern, dann zeigt sich, dass Vitesco noch grundsätzliche Probleme hat."

Gerade erst mahnte Vitesco-Chef Andreas Wolf, dass er wegen der Chipkrise im Geschäftsjahr 2021 mit einer deutlichen Umsatzbelastung rechnet. Den Vorwurf, das "Sorgenkind" oder die "Resterampe" von Continental zu sein, will er aber nicht stehen lassen: "Ich bin zu Continental in dem Bereich Powertrain gekommen", so Wolf. "Ich hatte die Möglichkeit, 'Ja' oder 'Nein' zu sagen, ob ich das wirklich machen will." Zu seiner Überraschung habe man dann gesehen, dass es "ganz tolle Produkte" gebe, die herausragten, die man aber fokussieren und weiterentwickeln müsse. "Das ist uns jetzt gelungen. Wir haben eine komplett neue Strategie, die auch sehr gut angenommen wird", ist der Vitesco-Chef überzeugt.

Batterieexperten gesucht

Marktexperte Pieper sieht allerdings noch viel Arbeit und Veränderung auch auf die Mitarbeiter zukommen. Im Grunde genommen habe das Unternehmen im Moment die "falschen" Mitarbeiter, so Pieper. Gebraucht würden stattdessen Batterieexperten. Denn: "Experten für Elektrotechnik sind eben ganz andere als für den klassischen Maschinenbau. Das heißt, ich muss zum Teil teueres Know-how einkaufen, das es am Markt nicht ohne weiteres gibt. Das sind genau die Leute, die jeder sucht zur Zeit."

Immerhin: Nun hat es endlich mit dem Börsengang geklappt. Heute ist Vitesco als Abspaltung des DAX-Konzerns Continental sogar für einen Tag im Leitindex gelistet, der dadurch bis heute Abend auf 31 Mitglieder anwächst. So ist es bei Spin-offs üblich.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. September 2021 um 13:00 Uhr.