Jeff Bezos (Archivbild) | dpa

Rückzug vom Amazon-Chef Bezos geht - und bleibt doch erhalten

Stand: 03.02.2021 07:19 Uhr

Amazon-Chef Jeff Bezos hat überraschend angekündigt, seinen Vorstandsvorsitz abzugeben. Und das zu einer absoluten Rekordzeit für das Unternehmen. Im Hintergrund könnte er jedoch weiter die Fäden ziehen.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Die Ankündigung kam überraschend: Nach fast drei Jahrzehnten an der Spitze will Amazon-Gründer Jeff Bezos nun nicht mehr die erste Geige spielen und gibt den Chefposten an Andy Jassy ab, der bisher die Cloud-Sparte bei Amazon leitet.

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Trotzdem wird Bezos den Konzern nicht verlassen, sondern weiterhin eine wichtige Rolle spielen, sagte Amazon-Vize Brian Olsavsky bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen: "Jeff wird weiterhin nicht nur sehr engagiert bleiben, sondern auch seine Fingerabdrücke in vielen Bereichen der Produktentwicklung und Innovation hinterlassen, außerdem bleibt er unser größter Einzelaktionär."

Bezos will sich anderen Projekten widmen

Bezos wird als geschäftsführender Vorsitzender des Verwaltungsrates weiterhin Einfluss haben, sich aber aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. In einem Brief an die Angestellten begründete Bezos seinen Schritt damit, dass er sich anderen Projekten widmen wolle.

Unter anderem dem Raumfahrtunternehmen Blue Origin, das Bezos im Jahr 2000 gegründet hatte oder auch wohltätigen Zwecken, wie dem Projekt Earth Fund, das sich gegen den Klimawandel engagiert. Möglicherweise hätten seine vielfältigen Engagements auch Probleme bereitet, mutmaßt Tech-Reporter Brad Stone vom US-TV-Sender Bloomberg. Bezos musste in der Vergangenheit, wie auch andere Chefs von Tech-Firmen wie Google oder Apple, vor dem Kongress Rede und Antwort zur Marktmacht seines Konzerns stehen.

"Er hat versucht aus diesen Anhörungen rauszukommen. Das Verhältnis mit dem vorherigen Präsidenten wurde verkompliziert dadurch, dass Bezos eine Zeitung gehörte", sagte Stone. "Mit seinen vielen verschiedenen Beteiligungen wollte er nicht mehr die sichtbarste Person bei Amazon sein, die der Regierung Antworten liefern muss."

Von Online-Buchhandlung zum Billionen-Konzern

Bezos, der Amazon 1994 gegründet hatte, baute die Online-Buchhandlung zu einem Billionen-Geschäft aus. Mit dem elektronischen Buch Kindle revolutionierte Amazon den Büchermarkt, mit der Sprachassistentin Alexa eroberte Amazon die Wohnzimmer der Kunden. In den USA hat sich Amazon zudem bei der Supermarktkette Whole Foods eingekauft und betreibt auch eigene Supermärkte.

Auch die Coronakrise konnte Amazon nichts anhaben, im Gegenteil. Der Konzern profitierte davon, dass viele Kunden zu Hause saßen und ihre Erledigungen über Amazon abwickelten. Das ließ auch Bezos vermögen wachsen: Bezos gilt als zweitreichster Mann der Welt, hinter Tesla-Chef Elon Musk.

Quartalszahlen übertrafen Erwartungen

Die Quartalszahlen, die Amazon heute verlauten ließ, übertrafen die Erwartungen vieler Experten. Im Geschäftsjahr 2020 verdiente der Konzern mehr als 21 Milliarden Dollar. Offenbar ein optimaler Zeitpunkt für einen Wechsel, so jedenfalls stellte es Bezos selbst dar. Er übergibt den Posten an einen getreuen Weggefährten. Andy Jassy ist seit langer Zeit im Konzern und leitet das erfolgreichste Geschäft des Unternehmens: die Cloud-Sparte.

Trotz des finanziellen Erfolges erwartet Amazon in den USA aber auch in Europa weiter Kritik, sei es wegen Arbeitsbedingungen oder der marktbeherrschenden Stellung des Konzerns. Erst vor kurzem wurde eine Sammelklage gegen Amazon in den USA eingereicht. Der Vorwurf: Preisabsprache bei elektronischen Büchern.

Über dieses Thema berichteten das ARD-nachtmagazin am 03. Februar 2021 um 01:15 Uhr.