Mann sitzt am heimischen Schreibtisch vor einem Laptop und schreibt etwas auf einen Block | dpa

Arbeitnehmer in den USA Mehrheit will Homeoffice-Option

Stand: 24.01.2022 08:24 Uhr

Das Homeoffice soll bleiben: Das wünschen sich laut einer Studie die Mehrheit der Beschäftigten in den Vereinigten Staaten. Allerdings sehen Experten auch Konfliktpotenzial.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio San Francisco

Nicholas Bloom beschäftigt sich seit 20 Jahren mit dem Thema Heimarbeit. Er gilt als einer der führenden Experten auf diesem Gebiet. Seit Ausbruch der Pandemie hat er regelmäßig 60.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den USA befragt. Und die sagen laut WFH Research Project unisono: die Flexibilität, von zu Hause aus zu arbeiten, sei wie eine Gehaltserhöhung um zehn Prozent.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

"Die meisten Menschen wollen zwei, drei Tage pro Woche von zu Hause aus arbeiten und zwei, drei Tage pro Woche ins Büro kommen", präzisiert Bloom die Wunschvorstellung der meisten Arbeitnehmer. Interessant sei aber, dass es eine große Spanne gebe: "So ist es zum Beispiel für Menschen mit kleinen Kindern keine Überraschung, dass sie mehr Tage von zu Hause aus arbeiten wollen, insbesondere Frauen mit Hochschulabschluss und kleinen Kindern. Das variiert je nach Ethnie und je nach Entfernung zum Büro."

Gegner des Homeoffice meist Männer

Doch das sogenannte Hybridmodell trifft nicht bei allen Unternehmen auf Gegenliebe. Stanford-Professor Bloom erklärt, die Gegner des Homeoffice seien überwiegend männlich, über 50 Jahre alt und hätten keine kleinen Kinder zu Hause. In den USA gehören nach einem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte etwa 62 Prozent der Vorstände der 500 umsatzstärksten Unternehmen dieser Gruppe an: "Sie halten nichts vom Homeoffice. Sie bevorzugen das Firmenbüro. Wenn diese Gruppe entscheidet und nicht umfassend konsultiert wird, besteht die Gefahr, dass sie sagt: 'Ihr müsst alle zurückkommen'. Sie halten das für die beste Lösung. Das entspricht aber nicht dem, was meisten Mitarbeitenden wollen."

Bloom empfiehlt, sich Technologie-Unternehmen wie Apple oder Amazon als Vorbild zu nehmen. Sie wollen künftig zwei Tage pro Woche Homeoffice erlauben. Zusätzlich bieten sie an, dass man einen Monat pro Jahr ganz von zu Hause aus arbeiten kann. Die flexiblen Arbeitsmodelle sorgen allerdings für Probleme bei der Zeitplanung. Und genau das könnte am Ende sogar zum Killer-Argument in vielen Firmen werden. Bloom ist dennoch optimistisch und glaubt in vielen Fällen an eine Kompromisslösung. "Spricht man mit Angestellten, sagen die einem: Ich komme ins Büro, um mich mit meinen Kollegen zu treffen und die Energie dort aufzunehmen."

Den Wandel nicht als Niederlage begreifen

Bloom geht davon aus, dass in den kommenden Monaten die Gegensätze zwischen Wahlfreiheit der Arbeitnehmer und Planungssicherheit der Unternehmen erst einmal aufeinanderprallen und dass letztlich die Arbeitgeber ihre Belange durchsetzen werden. "Schließlich haben wir uns in Vor-Pandemiezeiten auch darauf geeinigt, Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr ins Büro zu kommen. Das ist der Reibungspunkt, den ich für die kommenden Monate sehe", sagt Bloom.

Führungskräften empfiehlt er, sie sollten den Wandel hin zum Homeoffice nicht als Niederlage oder Verlust begreifen. Es sei für alle ein Gewinn: niedrigere Kosten durch weniger Bürofläche für Unternehmen, gesteigerte Produktivität bei den Mitarbeitenden und mehr Klimaschutz, weil vielfach die Pendelei wegfalle.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Januar 2022 um 17:24 Uhr.