Flugreisende gehen am Flughafen "Ronald Reagan Washington National Airport" vor einer Glasfront, durch die man Flugzeuge der Fluggesellschaft "American Airlines" sehen kann. (Archivbild) | dpa

Passagierzahlen steigen Hoffnungsschimmer für US-Airlines

Stand: 06.04.2021 18:04 Uhr

In den USA sendet die Luftfahrtbranche Erholungssignale. Die Passagierzahlen wachsen, selbst Piloten werden wieder eingestellt. In Europa bleibt die Lage hingegen vorerst finster.

Von Thomas Spinnler, tagesschau.de

Während der Passagierverkehr in Europa im Krisenmodus feststeckt, steht den US-Fluggesellschaften eine günstigere nahe Zukunft bevor. Wie Daten der Transportation Security Administration (TSA) zeigen, steigt das Passagiervolumen in den USA an. Seit dem 11. März liegen die Passagierzahlen wieder dauerhaft über einer Million täglich - bei steigender Tendenz.  

Und die Erholung nimmt Tempo auf: Am 4. April 2021 beispielsweise wurden in den USA mehr als 1,5 Millionen Fluggäste befördert. Im Vorjahr waren es am gleichen Tag etwa 122.000, im Jahr 2019 waren es mehr als 2,4 Millionen. Die US-Flugaktivität dürfte Ende Mai 80 bis 90 Prozent des Normalniveaus erreichen, prognostiziert Robert Rethfeld von Wellenreiter Invest.

"Fast unmöglich"

Eine aktuelle Studie der Beratungsfirma Oliver Wyman ist zwar nicht so optimistisch. Gleichwohl gehen die Marktbeobachter von einer schnelleren Erholung aus als zunächst befürchtet. Die Gründe liegen den Experten zufolge in den ökonomischen Stützungsmaßnahmen der US-Regierung. Außerdem würden die Impfungen nun Wirkung zeigen. Deshalb werde der Inlandsverkehr bereits 2022 das Vorkrisen-Niveau erreichen, meinen die Wyman-Fachkleute.

Das ist deutlich eher als gedacht: "Vor einem Jahr hätten wir erwartet, dass eine volle Erholung des Inlandsverkehrs in diesem Zeitraum fast unmöglich ist", meint Tom Stalnaker, Luftfahrtexperte bei Wyman. Zu Beginn der Pandemie hatten einige Branchenexperten sogar einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren nicht ausgeschlossen.

Piloten werden eingestellt

In den USA scheint sich die Situation also aufzuhellen. Darauf deuten auch die ersten Neueinstellungen von Piloten hin: Die US-Fluggesellschaft United Airlines will ein wegen der Corona-Krise ausgesetztes Einstellungsprogramm für Piloten wieder aufnehmen. "Wir werden mit rund 300 Piloten beginnen", verkündete United-Manager Bryan Quigley. Mit den steigenden Corona-Impfungen nimmt die Reisenachfrage laut Quigley wieder zu.

Bei der Konkurrenz wird zwar noch kein neues Personal eingestellt, gleichwohl wächst auch dort die Zuversicht. Der Vorstandschef von Delta Air Lines, Ed Bastian, sprach angesichts anziehender Buchungen von einem "echten Hoffnungsschimmer" und "vorsichtigem Optimismus".     

Auch das Management von Southwest Airlines and JetBlue Airways äußerte sich zuversichtlicher. Beide Fluggesellschaften erwarten für das kommende Quartal etwas bessere Ergebnisse als zuvor befürchtet. Im vergangenen Jahr haben US-Fluggesellschaften insgesamt ein Minus von 35 Milliarden Dollar verkraften müssen.

 

Europa bleibt zurück  

In Europa sieht die Lage dagegen weniger ermutigend aus, denn noch immer lässt die Erholung bei den Passagierzahlen auf sich warten. "In Europa und in Deutschland verharren wir im Tief und stellen neue Negativrekorde auf. Das Passagieraufkommen liegt derzeit unter zehn Prozent des Aufkommens verglichen mit dem Jahr 2019", erklärt Ivo Rzegotta, Leiter Strategie und Kommunikation beim Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) gegenüber tagesschau.de.  

Das hänge laut Rzegotta mit den starken Reisebeschränkungen zusammen, die innerhalb Europas und zwischen Europa und der Welt noch immer gälten. "Leichte Öffnungen, wie etwa die Aufhebung der Reisewarnung für Mallorca fallen dagegen nur marginal ins Gewicht."

Ein gigantischer Inlandsmarkt

Warum gelingt in den USA, was hierzulande und in Europa noch in weiter Ferne liegt? Das hängt mit der völlig unterschiedlichen Marktstruktur zusammen, meint Rzegotta. Zwar gebe es auch in den USA Reisebeschränkungen für den internationalen Verkehr, aber der Markt im Innern der USA sei gigantisch: "Die US-Fluggesellschaften verdienen ihr Geld vor allem im Inlandsverkehr, wo es keine Beschränkungen gibt."

Für den deutschen Markt ist Rzegotta pessimistisch: "Während die Fluggesellschaften Anfang des Jahres noch davon ausgegangen waren, dass sie bis Mai wieder deutlich mehr Passagiere transportieren werden als in dem gleichen Zeitraum 2020, liegt der Planungsstand aktuell gerade einmal zwei Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Es bleibe die Hoffnung, dass durch eine Aufhebung von Reisebeschränkungen zumindest das Urlaubsgeschäft in den aufkommensstarken Sommermonaten stattfinden könne.