Radfahrer vor BASF-Firmenschild | REUTERS

Pilotprojekt startet BASF impft Mitarbeiter

Stand: 14.04.2021 15:06 Uhr

Als erstes Unternehmen in Deutschland impft BASF von heute an ausgewählte Mitarbeiter gegen Corona im eigenen Impfzentrum. Weitere Konzerne erklären sich startklar und dringen auf eine Erlaubnis.

Bei der BASF ist es soweit: Als erstes Unternehmen bundesweit bekommen Mitarbeiter des Ludwigshafener Stammwerks ab heute ein Impfangebot. Wie der SWR berichtet, wurde dafür im größten Chemiewerk der Welt ein eigenes Impfzentrum eingerichtet - mit Impfkabinen, Warte- und Ruheräumen. Dabei handelt es sich um ein Pilotprojekt des Bundes mit dem Land Rheinland-Pfalz. Man sei stolz, helfen zu können, die Impfgeschwindigkeit zu erhöhen, das Gesundheitssystem zu entlasten und so einen weiteren Beitrag in der Pandemiebekämpfung zu leisten, sagte Vorstandsmitglied Michael Heinz, der auch Standortleiter in Ludwigshafen ist, im Gespräch mit dem SWR.

Angeboten wird zunächst der Impfstoff von BioNTech. Zum Auftakt haben laut BASF 300 Mitarbeiter einen Impftermin bekommen. Geimpft werde entsprechend der vom Land vorgegebenen Reihenfolge: zunächst also ausschließlich Mitarbeitende mit Vorerkrankungen wie beispielsweise Diabetes. Der Konzern geht davon aus, in den kommenden Wochen bis zu 4000 Beschäftigte impfen zu können. Insgesamt beschäftigt der Konzern auf dem Areal in Ludwigshafen allerdings 39.000 Menschen. Es handelt sich eben "nur" um ein Pilotprojekt. Aus Sicht der deutschen Wirtschaft könnte das Impftempo deutlich gesteigert werden, wenn nach den Hausärzten auch die Betriebsärzte endlich die Erlaubnis bekämen, die Beschäftigten in den Betrieben gegen Corona zu immunisieren.

Modellprojekte auch bei Daimler und in Bayern

Entsprechende Pläne gibt es auch in anderen Großunternehmen. So hat Daimler nach eigenen Angaben an seinen deutschen Standorten eigene Impfzentren und Impfstraßen aufgebaut. "Sobald Impfstoff erhältlich und die Impfung für Betriebsärzte zulässig ist, wird Daimler mit einem umfassenden Impfprogramm beginnen", so ein Unternehmenssprecher. Im Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim könnten dann im Fünfminutentakt mehrere Hunderte Beschäftigte täglich gegen das Coronavirus immunisiert werden. Dabei plant der Konzern, je nach Zulassung bis zu fünf Vakzine einzusetzen. Durchgeführt werden sollen die Immunisierungen von deutschlandweit mehr als 70 Werksärzten und mehr als 200 medizinischen Fachangestellten.

Auch andere DAX-Unternehmen, wie der Wohnungsbaukonzern Vonovia, erklären sich impfbereit. Aus dem Vorstand hieß es, man habe im firmeneigenen Casino eine Teststraße eingerichtet, in der sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwei Mal pro Woche testen lassen können. "Sobald wir Impfstoffe bekommen, werden unsere Betriebsärzte hier auch impfen können."

Auch Bayern startet Pilotprojekt

Bayern will beim Impfen ebenfalls aufs Tempo drücken. Dazu kündigte Ministerpräsident Markus Söder eine Lockerung der Priorisierungsregeln an. Bis Ende April sollen in zehn Unternehmen die Betriebsärzte die Erlaubnis erhalten, Mitarbeiter gegen Corona zu impfen. Mehrere Unternehmen haben bereits ihre Bereitschaft bekundet, an dem Projekt teilzunehmen.

Ganz vorn mit dabei ist die Allianz-Versicherung, die schon seit Wochen darauf dringt, ihre Mitarbeiter selbst impfen zu dürfen. Einer Unternehmenssprecherin zufolge hat der Konzern bereits 27 Impfstraßen an 15 zentralen, großen Betriebsstätten bundesweit eingerichtet und könnte im Prinzip mit den Impfungen beginnen. Auch bei Knorr-Bremse und dem Lkw-Hersteller MAN stehen die Betriebsärzte für Impfungen bereit.

Allerdings handelt es sich in Bayern lediglich um ein Pilotprojekt, für das die bayerische Staatsregierung nur 50.000 Dosen eingeplant hat. Denn es gehe ja erstmal darum, "die Organisation und Abläufe in den Betrieben zu erproben und zu verbessern", heißt es aus München. Auch ist es den Unternehmen weiterhin nicht erlaubt, sich selbst Impfstoffe zu besorgen.

Im Ausland wird längst in den Betrieben geimpft

Dabei verweisen die großen Firmen schon lange auf ihre Erfahrung mit Impfungen, bieten sie ihren Beschäftigten doch seit Jahren Grippeimpfungen an. Auch können die Großkonzerne auf die Praxis im Ausland zurückgreifen, wo sie in einigen Ländern bereits mit den Corona-Impfungen ihrer Mitarbeiter begonnen haben. VW-Chef Herbert Diess hatte bereits vor Ostern gesagt, dass der Konzern in Russland und Spanien impft. Der Friedrichshafener Autozulieferer ZF hat in Serbien begonnen, seine Mitarbeiter zu impfen. In Frankreich bieten viele Firmen ihren Beschäftigten ebenfalls an, sich von den Betriebsärzten immunisieren zu lassen.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing geht noch einen Schritt weiter: Das Geldhaus würde nicht nur gern überschüssigen Impfstoff verwenden, sondern sei auch "grundsätzlich bereit, Menschen eine Impfung zu ermöglichen, auch wenn sie nicht für uns arbeiten", sagte er der Zeitung "Die Welt".

Weil es hierzulande an einer flächendeckenden Impfstoffversorgung mangelte, hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Betriebsärzten bisher eine Erlaubnis verweigert. Ende April ist ein Gespräch mit dem Verband der Betriebs- und Werksärzte, VDBW, geplant, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. April 2021 um 12:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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schwer gestört 14.04.2021 • 23:19 Uhr

@ KowaIski

Und Sputnik könnte frühestens im Herbst liefern. Das stimmt nicht ganz. Aber wenn man sich die bestehenden Kapazitäten anschaut, dann kann man prognostizieren, dass Sputnik höchstens 4% zu der Impfkampagne der EU beitragen könnte. Und Sputnik kann nennenswerte Impfstoffmengen erst dann liefern, wenn die EU ohnehin im Impfstoff schwimmt. Und man weiß nicht noch nicht, wie es bei Sputnik mit Thrombosen ausschaut.