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Energieversorgung Uniper schreibt Nord Stream 2 ab

Stand: 08.03.2022 10:18 Uhr

Angesichts der russischen Invasion in der Ukraine stoppt der deutsche Energiekonzern Uniper seine Investitionen in Russland und schreibt sein Engagement bei Nord Stream 2 ab.

Der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper vollzieht angesichts der russischen Aggression in der Ukraine eine strategische Kehrtwende. Man werde keine neuen Investitionen in Russland tätigen, teilte das Unternehmen mit. Auch an die russische Kraftwerkstochter Unipro würden vorerst keine Mittel überwiesen. Ende vorigen Jahres hatte Uniper den Verkauf von Unipro eingeleitet. Dieser Prozess werde vorerst gestoppt und sobald wie möglich wieder aufgenommen.

Zudem werde Uniper seine Darlehen an die Nord Stream 2 AG in Höhe von 987 Millionen Euro inklusive bisher aufgelaufener Zinsen abschreiben. Uniper ist einer der größten Kunden des russischen Gaskonzerns Gazprom und einer von fünf westlichen Finanzpartnern der Ostsee-Gaspipeline, die zwar fertig gebaut ist, aber wegen ausstehender Genehmigungen bisher nicht in Betrieb genommen werden kann. Die Bundesregierung hatte das Genehmigungsverfahren vorerst gestoppt. Unklar ist, ob die Pipeline langfristig noch eine Chance hat oder komplett gescheitert ist, was viele Beobachter für wahrscheinlicher halten. Die in der Schweiz ansässige Projektgesellschaft Nord Stream 2 AG entließ bereits alle ihre Mitarbeiter, stellte nach eigenen Angaben aber bisher keinen Insolvenzantrag.

Vor Uniper hatte bereits Wintershall Dea sein Engagement bei Nord Stream 2 abgeschrieben. Uniper muss nun auch auf erwartete Zinserträge von jährlich rund 100 Millionen Euro verzichten.

Die russische Kraftwerkstochter Unipro, an der Uniper 83,73 Prozent hält, hatte zuletzt rund ein Fünftel des operativen Ergebnisses von Uniper erwirtschaftet.

Keine neuen langfristigen Verträge mit Russland

"Es ist wichtig, dass die Bundesregierung derzeit alles Menschenmögliche tut, um die Abhängigkeit Deutschlands von russischen Rohstoffexporten zu verringern", sagte Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach. Als Energieversorger sehe Uniper es als seine Pflicht, in solch schwierigen Zeiten seinen Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung zu leisten. Uniper werde seine bestehenden Verträge weiter erfüllen, aber keine neuen langfristigen Lieferverträge für Erdgas mit Russland abschließen.

Die Gesellschaft, die mehrheitlich vom finnischen Versorger Fortum gehalten wird, war aus der Abspaltung der konventionellen Energiesparten von E.ON hervorgegangen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. März 2022 um 09:10 Uhr.