Willkommensschild an der Uniper-Zentrale  | AFP
Hintergrund

Unternehmensporträt Was ist Unipers Geschäftsmodell?

Stand: 22.07.2022 12:29 Uhr

Deutschlands größter Gashändler Uniper ist wegen der massiv steigenden Energiepreise in eine Schieflage geraten und wird jetzt vom Staat gerettet. Wie genau sehen die Geschäftsfelder des Unternehmens aus?  

Der Energieversorger Uniper, bei dem sich jetzt der deutsche Staat über eine Kapitalerhöhung mit rund 30 Prozent beteiligt, ist als Folge der reduzierten russischen Gaslieferungen in eine Schieflage geraten. Das Unternehmen ist der größte Gasimporteur in Deutschland und muss nun als Ersatz für die fehlenden Liefermengen aus Russland kurzfristig am Markt Gas zu hohen Preisen zukaufen, um die Lieferzusagen an seine Kunden erfüllen zu können.

Die Kosten dafür kann der Konzern jedoch bislang nicht an seine Kunden weitergeben, was zu massiven Liquiditätsproblemen führt. Die Ratingagentur S&P schätzte kürzlich die täglichen Verluste von Uniper auf einen niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Jetzt steigt der Bund bei Uniper ein: Was ist das für ein Konzern, der ins Straucheln geraten ist?  

"Einzigartige Leistungsfähigkeit"

Uniper war im Jahr 2016 durch Abspaltung vom Energieversorger E.ON entstanden. Während bei E.ON als zukunftsträchtig geltende Geschäfte mit den Netzen, Energiedienstleistungen und Ökoenergien verblieben, landete bei Uniper das Geschäft mit fossilen Energien. E.ONs Strategie, um auf dem Markt zu bestehen, war eine Konzentration auf die boomenden erneuerbaren Energien bei gleichzeitiger Verschlankung.

Bezüglich Uniper sprachen Kritiker hingegen von einer "Resterampe" oder einer "Bad Bank", also einer Abwicklungsanstalt, die E.ON durch die Abspaltung habe loswerden wollen.

Der Name Uniper deutet in die entgegengesetzte Richtung: Uniper ist ein zusammengesetzter Begriff aus den Worten "unique" (einzigartig) und "performance" (Leistung), was so viel wie einzigartige Leistungsfähigkeit bedeutet.

Gasimporteur und Gasspeicher

Uniper ist der größte deutsche Gasimporteur, außerdem betreibt die Firma Gas- und Kohlekraftwerke sowie Gasspeicher. In Deutschland und im Ausland erzeugen die Kraftwerke zusammen 33 Gigawatt Strom. Das entspricht etwa 33 Atomkraftwerken. Außerdem handelt der Konzern weltweit mit Energierohstoffen und verwandten Produkten wie Kohle, Öl, Gas, Fracht, CO2-Zertifikaten und Flüssigerdgas (LNG).

In jüngerer Zeit versucht Uniper neue Geschäftsfelder mit erneuerbaren Energien und Wasserstoff aufzubauen. Anfang 2022 begann der Versorger gemeinsam mit seinem Hauptaktionär Fortum mit dem Bau zweier Windparks.

Die Gasspeicher in Deutschland, Österreich und Großbritannien erreichen eine Kapazität von 7,8 Milliarden Kubikmetern, davon 5,9 Milliarden in Deutschland. Zum Vergleich: Der Erdgas-Jahresverbrauch in Deutschland lag über Jahre im Schnitt bei rund 100 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Das Gasportfolio umfasste rund 400 Terawattstunden.

Unternehmensangaben zufolge ist das, basierend auf dem durchschnittlichen Verbrauch in Deutschland, rechnerisch genug, um 22 Millionen Haushalte zu heizen.

Mehr als 1000 Kunden

Der angeschlagene Versorger hat in 40 Ländern rund 11.500 Beschäftigte, etwa 5000 davon sind in Deutschland tätig. Hauptmärkte sind Deutschland, Großbritannien, Schweden und bis zum Krieg in der Ukraine Russland. Die Konzernzentrale ist in Düsseldorf. Uniper hat nach eigenen Angaben mehr als 1000 Kunden, dazu gehören zahlreiche Stadtwerke, andere Versorger und größere Industriefirmen.

Im vergangenen Jahr machte der Konzern rund 164 Milliarden Euro Umsatz, wobei er einen Verlust von 4,1 Milliarden Euro einfuhr. Im Ende März 2022 abgelaufenen ersten Quartal fielen die Zahlen ebenfalls besorgniserregend aus: Der Nettoverlust belief sich auf rund drei Milliarden Euro.

Abschreibungen in Milliardenhöhe

Ein wesentlicher Grund für den hohen Verlust im ersten Quartal waren Abschreibungen in Höhe von etwa zwei Milliarden Euro. Sie hängen einerseits mit dem Scheitern der Ostseepipeline Nord Stream 2 zusammen. Uniper ist einer der größten Kunden des russischen Gaskonzerns Gazprom und einer von fünf westlichen Finanzpartnern der Ostsee-Gaspipeline, die derzeit nicht in Betrieb genommen wird.  

Weitere Abschreibungen fielen wegen der russischen Kraftwerkstochter Unipro an. Uniper hält an Unipro 83,73 Prozent. Mit mehr als 4000 Mitarbeitern betreibt Unipro fünf Kraftwerke in Russland und hatte zuletzt rund ein Fünftel des operativen Ergebnisses von Uniper erwirtschaftet. Wie ernst die Uniper-Krise ist, lässt sich derzeit auch gut am Aktienkurs ablesen. In den vergangenen sechs Monaten reduzierte sich der Börsenwert um rund 75 Prozent.    

Auch Unipers Haupteigentümer ist von der kritischen Situation betroffen. Der finnische Versorger Fortum hat bislang einen Anteil von rund 78 Prozent am strauchelnden Versorger gehalten. Fortum ist das drittgrößte Energieunternehmen Skandinaviens und gehört zu 53 Prozent dem finnischen Staat. Der Mutterkonzern berichtet bislang über das eigene Konzernergebnis mittlerweile mit Uniper als fünftem Geschäftsbereich.