Twitte-Logo auf einem Smartphone | AFP

Vor Trump-Rauswurf Twitter gelingt Umsatzrekord

Stand: 10.02.2021 10:03 Uhr

In der Amtszeit des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump ist Twitter immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Rund um die Präsidentschaftswahlen konnte der Kurznachrichtendienst neue Rekorde verbuchen.

Florierende Werbeeinnahmen, auch dank neuer Anzeigenformate, haben Twitter im vierten Quartal ein Umsatzplus von 28 Prozent auf nie zuvor erreichte 1,29 Milliarden Dollar beschert. Das teilte der US-Kurznachrichtendienst am Dienstagabend mit. Bei den zuletzt boomenden Nutzerzahlen während der Corona-Pandemie warnt Twitter dagegen vor einem schwächeren Wachstum.

Das Plus werde in den nächsten Quartalen nicht mehr so hoch ausfallen, so das Unternehmen. In den letzten drei Monaten des Jahres 2020, also rund um die US-Präsidentschaftswahlen, stieg die Zahl der monatlich aktiven Nutzer noch um satte 27 Prozent auf 192 Millionen. Twitter nennt seit einiger Zeit nur noch die Zahl der Nutzer, die der Dienst in seinen eigenen Apps oder in der Web-Version täglich mit seiner Werbung erreichen kann.

Wie weiter ohne Trump?

In diesem Januar sei die Nutzerzahl schneller gewachsen als im Durchschnitt der vergangenen vier Jahre, betonte der Konzern. Es ist ungewöhnlich, dass Twitter Informationen über die Entwicklung in einem einzelnen Monat preisgibt - aber der Dienst verwies auf die "ungewöhnlichen Umstände". Das Soziale Netzwerk will der Welt offenbar zeigen, dass der Dienst auch ohne Ex-Präsident Donald Trump gut zurechtkommt. Trumps Account war nach der Attacke seiner Anhänger auf das US-Kapitol Anfang Januar auf unbestimmte Zeit gesperrt worden.

Trump galt als ein Publikumsmagnet für Twitter. Er hatte in den vergangenen Jahren mit seinen oft kontroversen Tweets immer wieder für große Aufmerksamkeit gesorgt, zuletzt rund um die US-Präsidentschaftswahl.

Twitter-Chef Jack Dorsey erklärte jedoch, der Dienst hänge nicht allein von News und Politik ab. "Wir sind eine Plattform, die ganz offensichtlich größer als jedes einzelne Thema und jeder einzelne Account ist", sagte er in einer Telefonkonferenz mit Analysten zu den aktuellen Quartalszahlen. Wichtig seien unter anderem auch Sportevents, große Preisverleihungen und Unterhaltung.

"Außergewöhnliches Jahr"

"2020 war ein außergewöhnliches Jahr für Twitter", erklärte Dorsey. Die Plattform werde sich auch weiterhin darauf konzentrieren, eine "gesündere Konversation" zu fördern.

Twitter war im US-Wahlkampf und der Corona-Krise härter gegen extremistische Ansichten und Falschinformationen über das Virus und Impfstoffe vorgegangen. Besonders nach dem Sturm auf das Kapitol durch randalierende Demonstranten hatte das Unternehmen sein Vorgehen gegen Verschwörungsideologen und Fake News verschärft. Einige der Maßnahmen hätten einen "kleinen, aber messbaren" negativen Effekt auf die Nutzerzahlen gehabt.

Produktverbesserungen sowie globale Diskussionen über die Pandemie und die US-Wahlen hätten dagegen zu zahlreichen Neuanmeldungen geführt. Um die User weiter bei Laune zu halten, bietet Twitter einige Neuerungen wie Fleets an - Kurznachrichten, die wieder verschwinden - und testet auch eine Audio-App, die Clubhouse ähnelt.

Potenzial bei personalisierter Werbung

Der Quartalsgewinn sprang von knapp 119 Millionen Dollar auf 222 Millionen Dollar. Vor allem wegen Neueinstellungen und Investitionen würden die Kosten im laufenden Jahr allerdings um ein Viertel oder mehr steigen, kündigte Twitter an.

Aber auch die Erlöse sollen stärker steigen. Für das laufende Quartal rechnet das Medium mindestens mit einem Umsatzplus von 16 Prozent auf 940 Millionen Dollar. Twitter verdient sein Geld hauptsächlich mit Anzeigenprodukten - wie etwa der Möglichkeit, Tweets in Timelines der Nutzer zu platzieren. Zugleich solle künftig auch mit nicht näher umschriebenen Abo-Ideen experimentiert werden.

Twitter sehe aber weiterhin großes Potenzial bei personalisierter Werbung. Schließlich wisse man ja, wofür sich ein Nutzer gerade interessiere. Zugleich soll das Netzwerk nützlicher werden dank Algorithmen, die Nachrichten entsprechend den Interessen von Nutzern filtern.

Die Aktie gab in einer ersten Reaktion auf die Zahlen im nachbörslichen Handel zunächst um fünf Prozent nach, drehte dann aber ins Plus und legte zeitweise um mehr als drei Prozent zu.