Riu-Hotel, Madrid

Konzern muss Schulden senken TUI verkauft Anteile an RIU-Hotels

Stand: 28.05.2021 09:28 Uhr

Der Reisekonzern TUI hat in der Pandemie einen riesigen Schuldenberg angehäuft. Um einen Teil davon abzubauen, trennt er sich nun von seinen Anteilen an der spanischen Hotelgruppe RIU.

Die staatlich gestützte TUI muss ihren Schuldenberg von über sechs Milliarden Euro verringern und trennt sich deshalb von ihrem Anteil an einer Gesellschaft der spanischen Hotelgruppe RIU. Damit einher gehen soll eine Auslagerung zahlreicher Immobilien aus der TUI-Bilanz. Wie der weltgrößte Reisekonzern mitteilte, gibt er seine 49 Prozent am bisherigen Gemeinschaftsunternehmen RIU Hotels SA für 670 Millionen Euro an seine spanischen Partner, die Familie Carmen und Luis RIU ab. Dabei geht es unter anderem um 19 bestehende sowie zwei weitere Hotels, die noch gebaut werden.

Rund 540 Millionen Euro bekommt TUI sofort und will damit seine in der Corona-Pandemie stark gestiegenen Schulden drücken. Weitere 130 Millionen Euro könnten hinzukommen, je nachdem wie das Geschäft in den betreffenden Hotels in den nächsten beiden Jahren läuft. In den Büchern von TUI stand die Hotel-Beteiligung zuletzt mit 433 Millionen Euro, so dass ein kräftiger Buchgewinn zu erwarten ist.

Partnerschaft bleibt bestehen

TUI und RIU betreiben zusammen insgesamt rund 100 Hotels und Feriendörfer. An dieser Partnerschaft soll sich durch den Verkauf nichts ändern, betonte der deutsch-britische Konzern. Mit dem Verkauf folgt TUI der noch vor der Corona-Krise Ende 2019 beschlossenen Strategie, weniger Immobilien und Grundstücke selbst zu halten und mit dem Verkauf Kapital freizusetzen. "Ziel ist die Entkoppelung des Wachstums bei Hotels und Kreuzfahrt-Schiffen von Investitionen", so das Unternehmen. Branchenbeobachter begrüßten den Verkauf, betonten jedoch, dass der Reisekonzern damit nur Barmittel für zwei Monate erlange. Das verschaffe TUI zwar etwas Luft, löse das Grundproblem der Überschuldung aber nicht, schrieb Rebecca Lane von der Investmentbank Jefferies.

TUI hat, wie die gesamte Reisebranche, unter den Beschränkungen der Pandemie extrem gelitten. Im vergangenen Jahr (bis Ende September) ist der Umsatz auf 7,9 Milliarden Euro eingebrochen, nach 18,9 Milliarden im Vorjahr. Unterm Strich stand ein Konzernverlust von 3,1 Milliarden Euro. Das hatte verheerende Folgen für die finanzielle Lage. So ist der Schuldenberg von 900 Millionen auf 6,4 Milliarden Euro gewachsen.

Kosten müssen runter

Auch im laufenden Geschäftsjahr, das im Oktober begonnen hat, wird sich die anhaltende Corona-Pandemie massiv auf die Bilanz niederschlagen. Das Management um Konzernchef Fritz Joussen hat deshalb einen harten Sparplan verkündet. "TUI wird schlanker, schneller und effizienter", schrieb Joussen im letzten Geschäftsbericht. "Auf der Kostenseite haben wir uns das Ziel gesetzt, mittelfristig mehr als 300 Millionen Euro zu sparen. Zudem fahren wir Investitionen in Hotels und Kreuzfahrten zurück." Ein erster Schritt ist mit dem Verkauf der RIU-Beteiligung nun getan.

Zum Konzern gehören 400 eigene Hotels, zudem ist TUI an zahlreichen weiteren Hotelgruppen beteiligt - darunter der spanischen Kette Grupotel und der ägyptischen Sun Oasis-Gruppe.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Mai 2021 um 07:35 Uhr.