Lufthansa-Maschine beim Start | dpa

Urlaubsziele statt Businessflüge Die Sommer-Pläne der Lufthansa

Stand: 29.04.2021 19:27 Uhr

Die Lufthansa baut auf schnelle Impf-Fortschritte - und nimmt viele neue Ferienflüge ins Programm. Reisende könnten von einem Preiskampf der Branche profitieren. Allerdings bleiben Unsicherheiten.

Von Andreas Clarysse, hr

Die Airlines der Lufthansa Group bieten für diesen Sommer das umfangreichste Angebot an klassischen Urlaubszielen seit Jahren an. Ab Frankfurt werden rund 20 neue Urlaubsziele und ab München knapp 15 neue Sommerdestinationen ins Programm genommen. Besondere Schwerpunkte: touristische Flugreisen in die Karibik, auf die Kanarischen Inseln und nach Griechenland.

Andreas Clarysse

Spohr rechnet mit "stark steigender Nachfrage"

Bei der Präsentation der Ergebnisse für das erste Quartal 2021 unterstrich Lufthansa-Chef Carsten Spohr: "Je länger die Krise dauert, desto größer wird die Sehnsucht der Menschen wieder zu reisen. Wir wissen, dass die Buchungen überall dort nach oben schnellen, wo Restriktionen fallen und das Reisen wieder ermöglicht wird. Angesichts der absehbaren großen Impffortschritte gehen wir ab dem Sommer von einer stark steigenden Nachfrage aus."

Aus dieser Hoffnung leitet Spohr ab, dass es im zweiten Quartal auch für die Lufthansa zu einer schrittweisen Erholung kommt und, auf das Gesamtjahr geblickt, etwa 40 Prozent des Vorkrisenniveaus erreicht werden könnte.

Flexibilität in unsicheren Zeiten

Aber noch halten sich die Kunden mit ihren Buchungen für den Sommer eher zurück. Corona-Auflagen, Testpflicht oder nicht, Quarantäne und Impfnachweise: Viele offene Fragen sorgen für Verunsicherung hinsichtlich des Urlaubs, der "wichtigsten Zeit des Jahres". Um es allen Unentschlossen leichter zu machen, verspricht Lufthansa das "Buchen ohne Risiko".

Spohr konkretisiert das Angebot: "Bis zum 31. Mai sind sämtliche Tarife von Lufthansa, SWISS, Austrian Airlines, Brussels Airlines und Eurowings beliebig oft gebührenfrei umbuchbar, wenn die Umbuchung ebenfalls bis dahin erfolgt. Danach ist noch eine weitere gebührenfreie Umbuchung möglich."

Sind touristische Flüge die einzige Chance?

Den Lufthansa-Konzern für diesen Sommer umzusteuern, sei nicht einfach, so der Luftfahrtexperte Jens Flottau. Rund 350 der 760 Lufthansa-Jets befinden sich am Boden: "Das ist betrieblich sehr kompliziert, denn es müssen ja Flugzeuge vorgehalten und vor allem genügend Mitarbeiter geschult sein. Das ist vor allem bei Piloten langwierig." Ein Blick auf die "alte" Lufthansa zeigt, dass es im Moment aber kaum Alternativen gibt.

Die "alte" Lufthansa ist das erfolgreiche Unternehmen, das vor Corona besonders mit Premien- und Geschäftskunden etwa die Hälfte des Umsatzes erzielte. Aber diese "Cash-Cow", gibt, im übertragenen Sinn, keine Milch mehr. Deshalb hat Lufthansa-Chef Spohr ein nachhaltiges Problem. Denn ob die Sparte jemals wieder zu alter Stärke findet, ist mehr als fraglich.

Eine aktuelle Umfrage des "Handelsblatts" unter den 30 DAX-Unternehmen zeigt, wie Corona dauerhaft die Zahl der Geschäftsreisen auch nach der Pandemie reduzieren könnte: Bei mehr als 60 Prozent der DAX-Konzerne wird demnach die Zahl der Geschäftsreisen dauerhaft um bis zu 30 Prozent absinken. Deutlich weniger Geschäftsreisen: ein Trend, der bei allen international tätigen Unternehmen zu beobachten ist.

US-Airlines haben andere Voraussetzungen

Blickt man in die USA, dann überraschen die guten Prognosen von Gesellschaften wie American Airlines, die schon im Sommer 2021 wieder auf Vor-Corona-Niveau sein wollen. Auch die Billigfluglinie Southwest will bis Juni das Niveau von 2019 zu fast 90 Prozent erreicht haben. Das ist möglich, weil diese und andere US-Fluglinien einen riesigen Inlandsmarkt bedienen können, der der Lufthansa in Deutschland nicht zur Verfügung steht. In Deutschland machten die Inlandsflüge der Lufthansa weniger als zehn Prozent aus.

Sorgt mehr Wettbewerb für niedrige Preise?

Also müssen neue Wege beschritten werden: Neben einem drastischen Personalabbau von fast 30.000 Mitarbeitern weltweit (weitere 10.000 sollen noch folgen), der Ausmusterung von etwa 120 der einst 760 unrentablen, großen Flugzeugen wie dem A380 will Spohr jetzt verstärkt auf dem Urlaubsmarkt mitmischen. Das ist aus mehreren Gründen logisch - doch fest steht auch: Auf diesem Markt tummeln sich schon zahlreiche Unternehmen.

Diese Konkurrenzsituation ist natürlich problematisch für die Anbieter, aber wahrscheinlich gut für alle Verbraucher, sagt Luftfahrtexperte Flottau: "Ein Problem wird sein, dass alle in der Krise die gleichen Schlüsse ziehen und jetzt auf Urlauber setzen. Das wird nach dem Anfangsboom voraussichtlich zu Überkapazitäten in dem Segment führen." Und das könnte auf einigen Strecken zu einem Preiskampf und damit zu günstigen Tarifen führen.

Hoffnungen ruhen auf EU-Impfzertifikat

Sehr große Hoffnungen setzt die Lufthansa - genau wie andere touristische Unternehmen - in das EU-Parlament. Es hat am Abend für einen europäischen Impfausweis mit dem offiziellen Namen "Digitales Grünes Zertifikat" gestimmt. Der europäische Freifahrtschein soll ab dem 1. Juni 2021 gelten. Bis dahin will Brüssel die technischen und rechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen. Das neue Instrument soll es den Europäern ermöglichen, in diesem Sommer sicher und mit möglichst wenigen Einschränkungen zu reisen.

Dieses Zertifikat wäre ein Signal für alle in der Reisebranche, dass auch die noch so zurückhaltenden Geschäftserwartungen erfüllbar sein könnten.

Über dieses Thema berichtete HR Info am 29. April 2021 um 08:00 Uhr.