Logo des Elektroautohersteller Tesla | REUTERS

Deutscher E-Automarkt Tesla hängt Volkswagen ab

Stand: 18.10.2022 13:36 Uhr

Beim Verkauf von E-Autos liegt Tesla in Deutschland in diesem Jahr bislang vorn. Der US-Autobauer hat Volkswagen als Marktführer abgelöst. Europaweit erholt sich der Automarkt langsam.

Der US-Autobauer Tesla hat in Deutschland Volkswagen als Marktführer von Elektroautos abgehängt. Von Januar bis September verkaufte Tesla 38.458 Autos, während die Marke Volkswagen auf Platz zwei einen Einbruch auf 32.326 Autos erlitt, wie aus der vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) veröffentlichten aktuellen Statistik hervorgeht.

Tesla erzielte damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Plus von 48 Prozent im noch kleinen, aber kräftig wachsenden Segment der reinen E-Autos. Volkswagen dagegen büßte rund 40 Prozent ein. Drittgrößte Elektroautomarke war wie im vergangenen Jahr der koreanische Hersteller Hyundai mit knapp 21.000 Neuwagen.

Andere Autobauer holen langsam auf

Die deutschen Premiumhersteller Audi, BMW und Mercedes-Benz sowie Opel steigerten ihren E-Autoabsatz auf dem Heimatmarkt kräftig, liegen aber mit Stückzahlen zwischen 16.000 und 18.000 noch weit hinter Tesla. Die VW-Tochter Audi und auch BMW erhöhten den Anteil der E-Autos am Inlandsabsatz deutlich auf 11,8 und 10,6 Prozent. Bei Mercedes-Benz legte die Quote auf 8,8 Prozent zu. Der Sportwagenhersteller Porsche, der erst ein reines E-Auto im Angebot hat, verkaufte mit 2855 Fahrzeugen einige hundert Exemplare weniger als im Vorjahr.

Bei einem deutlich geschrumpften Gesamtabsatz stieg der Anteil von Autos mit alternativen Antrieben bis Ende September in Deutschland um elf Prozentpunkte auf 45 Prozent. Batterieelektrische Neuwagen (BEV) - also Autos, die ausschließlich mit Elektromotor angetrieben werden - waren stärker gefragt als Plug-in-Hybride, bei denen der Elektro- den Verbrennungsmotor ergänzt. Auf BEV entfielen 14,6 Prozent des gesamten Pkw-Absatzes, ihr Anteil legte damit fast um ein Viertel zu.

Europäischer Automarkt erholt sich

Europaweit hat sich der Automarkt von den massiven Lieferkettenproblemen weitgehend erholt; die Hersteller stellen sich jedoch auf die nächste Krise ein. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Neuzulassungen den zweiten Monat in Folge, wie der europäische Herstellerverband ACEA mitteilte. Auch hier zogen die Zulassungen von Elektroautos besonders stark an. Insgesamt liegt das Absatzniveau aber weiterhin unter den Zahlen vor der Corona-Pandemie, und wegen des Konjunktureinbruchs wird mittelfristig mit einem erneuten Rückgang gerechnet.

Im August hatte der Verkauf von Neuwagen in Europa nach 13 Monaten erstmals wieder leicht zugenommen. Dieser Trend setzte sich im September fort: Im Jahresvergleich wurden in den EU-Ländern zehn Prozent mehr Neuwagen zugelassen. Insgesamt rechnet ACEA dennoch damit, dass das Geschäftsjahr 2022 noch schlechter ausfallen wird als 2021.

Deutscher Neuwagenmarkt mit größtem Sprung

Im Ländervergleich machte der Neuwagenmarkt in Deutschland mit einem Absatzplus von 14,1 Prozent den größten Sprung. Auch Spanien verzeichnete mit 12,7 Prozent ein starkes Plus. Unterdurchschnittlich fiel das Wachstum hingegen in Frankreich (5,5 Prozent) und Italien (5,4 Prozent) aus. In den ersten neun Monaten des Jahres gingen die Neuzulassungen in der gesamten EU im Jahresvergleich um 9,9 Prozent zurück.

Ungeachtet der Tatsache, dass Tesla Volkswagen hierzulande beim E-Auto-Verkauf abgehängt hat, ist VW Deutschland- und europaweit nach wie vor der absatzstärkste Hersteller: Die Wolfsburger verzeichneten im September laut ACEA einen starken Zuwachs, insbesondere bei den Marken Skoda, Audi und Porsche. Die europäische Nummer zwei, Stellantis, fiel hingegen zurück, besonders die Marken Jeep, Fiat und Citroën. Die Renault-Gruppe schlug sich dank der Marke Dacia verhältnismäßig gut.

"Die Liefersituation verbessert sich"

Ab Frühjahr 2021 hatten logistische Probleme den Autoherstellern in Europa und Nordamerika zu schaffen gemacht, etwa ein Mangel an Halbleitern. Peter Fuß, Experte bei der Beratungsfirma EY, sieht nun eine zumindest vorübergehende europaweite Erholung. "Der Chipmangel lässt nach, die Liefersituation verbessert sich", erklärte er. "Das dürfte nicht zuletzt an der sinkenden Nachfrage in anderen Branchen liegen, die stark von der Konjunkturschwäche betroffen sind."

Aus den vergangenen Monaten gebe es noch ein "komfortables Polster" an Bestellungen abzuarbeiten, weshalb die Zahl der Neuzulassungen weiter steigen dürfte, erklärte Fuß. Mittelfristig dürften sich "Konjunktureinbuch, Energiekrise und Inflation" aber auch auf dem Neuwagenmarkt bemerkbar machen.

Nur in China und Indien wachsen die Märkte

International liegen unter den großen Automobilmärkten lediglich der chinesische und der indische deutlich über Vor-Corona-Niveau. In diesem Jahr nahmen in China die Neuzulassungen um 15 Prozent zu, in Indien um 23 Prozent, wie der deutsche Verband der Automobilindustrie mitteilte. In den USA gingen danach die Neuzulassungen im Jahresvergleich um 13 Prozent und somit noch stärker als in der EU zurück. Japan verzeichnete ein Minus von elf Prozent - dort fiel auch der Absatz im September deutlich geringer aus als im Vorjahresmonat (minus 26 Prozent). In Russland brach der Automarkt in diesem Jahr um 60 Prozent ein.