Die Tesla-Straße in Grünheide | dpa

Gigafactory Grünheide Wann steigt die Tesla-Party?

Stand: 20.01.2021 15:44 Uhr

Tesla investiert Hunderte Millionen in einer 9000-Seelen-Gemeinde in Brandenburg und baut eine E-Auto-Fabrik im Rekordtempo. Dabei fehlt immer noch die endgültige Genehmigung - ein Risiko, das der US-Konzern in Kauf nimmt.

Mirja Fiedler

Von Mirja Fiedler, RBB

Kurz vor Mitternacht hat der US-Elektrobauer Tesla am vergangenen Freitag 100 Millionen Euro in Brandenburg hinterlegt - als Sicherheit, falls die Baustelle für die Gigafactory doch wieder weichen muss. "Die Patronatserklärung einer deutschen GmbH, verknüpft mit einer Geldeinlage in Höhe von 100 Millionen Euro, wurde erbracht", bestätigt Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel gegenüber tagesschau.de.

Die Frist für das Geld wäre noch nicht einmal eine Stunde später ausgelaufen, wenn das Landesumweltamt sie nicht am selben Tag bis 20. Januar 2021 verlängert hätte. Die erste Frist am 17. Dezember 2020 hatte Tesla verstreichen lassen. Deshalb durften Arbeiter die Gigafactory in Grünheide zunächst nicht weiterbauen. Es ist ein weiterer Rückschlag für Tesla-Chef Elon Musk in Brandenburg. Denn Naturschützer haben ihn vor Gericht ausgebremst.

Naturschützer stoppen Waldrodung vor Gericht

Der Naturschutzbund (NABU) und die Grüne Liga Brandenburg wollen verhindern, dass Bäume gefällt werden, um Platz für die zukünftige Fabrik in Grünheide zu schaffen. Das Landesumweltamt hatte genehmigt, dass 82,8 Hektar Wald gerodet werden dürfen. Die Naturschützer legten dagegen vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) Widerspruch und vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg Beschwerde ein.

"Dem hat das Oberverwaltungsgericht teilweise stattgegeben, nämlich hinsichtlich der Rodungsmaßnahmen in Randbereichen der zur Abholzung vorgesehen Flächen insbesondere parallel zu Gleisanlagen und entlang der Autobahn", erläutert OVG-Sprecherin Christiane Scheerhorn den Beschluss vom 18. Dezember 2020. "Die Rodungsarbeiten in diesen Bereichen sind vorläufig untersagt."

Landesumweltamt erlaubt einzelne Bauarbeiten

Das Landesumweltamt will diese rund acht Hektar erneut überprüfen - nach der Winterruhe für Reptilien. Denn die Naturschützer hatten unter anderem argumentiert, dass neben den Gleisen Zauneidechsen überwinterten, die voraussichtlich stürben, wenn Tesla den Wald rode. Den meisten der neun Anträge des Autobauers für einzelne Bauabschnitte hat das Landesumweltamt aber zugestimmt.

"Dass Tesla bereits acht Anträge auf vorzeitigen Maßnahmenbeginn umsetzen kann, liegt auch daran, dass das Unternehmen im Unterschied zu vielen anderen eigenes Kapital vor einem endgültigen Bescheid investieren kann", sagt Brandenburgs Umweltminister Vogel.

Brandenburg hat Gigafactory noch nicht endgültig genehmigt

Wann das Landesamt für Umwelt endgültig über den Bau der Tesla-Fabrik entscheidet, lässt der Grünen-Politiker offen. Behördenbeschäftigte prüfen zum Beispiel Immissions-, Natur- und Trinkwasserschutz sowie Bau- und Waldrecht. Auch die Einwände von mehr als 400 Menschen, Institutionen und Vereinigungen, die im vergangenen Oktober über Tage öffentlich erörtert wurden, müssen sie berücksichtigen.

"Dabei wird das 1230 Seiten umfassende Wortprotokoll des Erörterungstermins abschließend ausgewertet. Außerdem wird die zusammenfassende Darstellung für die Umweltverträglichkeitsprüfung erstellt", erläutert Umweltminister Vogel. "Gründlichkeit und Rechtssicherheit gehen dabei vor Schnelligkeit - weshalb ein genauer Termin nicht benannt werden kann."

Keine Stellungnahme von Tesla - Gemeinde hofft auf Zuzug

Zu dem langen Genehmigungsverfahren, Kritik und wie die Arbeiten für Gießerei, Lackiererei und Karosseriebau in Grünheide laufen, will Tesla sich nicht äußern. "Elon Musk oder andere Tesla-Mitarbeiter stehen für Interviews aktuell nicht zur Verfügung", schreibt Tesla-Sprecherin Kathrin Schira. Auf seiner Website kündigt der Autobauer an: "Die Gigafactory Berlin-Brandenburg wird die fortschrittlichste Serienproduktionsstätte für Elektrofahrzeuge der Welt sein." Schon im kommenden Juli sollen in Grünheide Autos vom Band rollen - bis zu 500.000 im Jahr.

Für den Bau der Fabrik in Brandenburg will Musk mehr als 1,1 Milliarden Euro investieren und dort zunächst 12.000 Menschen beschäftigen. Grünheides Bürgermeister Arne Christiani erwartet, dass in den kommenden drei Jahren mehr als 3000 Menschen zusätzlich in die Gemeinde rund 50 Kilometer von Berlin entfernt ziehen werden. "Es gibt jetzt Chancen, die es seit 20 Jahren nicht gegeben hat", sagt der parteilose Politiker. "Wir können junge und qualifizierte Menschen vor Ort halten und Familien alles bieten - von der Krippe bis zum Abitur."

Immobilienmaklerin erhält Anfragen aus Russland und Spanien

Der Autobauer BMW hatte sich vor 20 Jahren gegen den Standort Grünheide entschieden. Daraus hätten die Verantwortlichen in Brandenburg gelernt, sagt Christiani. Neben Kindertagesstätte, Schule, Bürgerhaus, Feuerwehr und Vereinen förderten sie auch Straßen und den öffentlichen Nahverkehr. "Es kann hervorragend funktionieren, ohne dass es einen Verkehrskollaps geben wird", erklärt der Bürgermeister.

Immobilienmaklerin Barbara Schrobback erhält mittlerweile Anfragen aus Polen, Russland, Frankreich und Spanien. Für manche Objekte meldeten sich bis zu 50 Interessenten, so die Grünheiderin. Eigentümer hielten ihre Grundstücke bewusst zurück. "Da wird jetzt gepokert", beobachtet sie. Einige Grundstücke kosteten das Vier- bis Fünffache von dem, was noch vor sechs Jahren verlangt worden sei - Tendenz steigend.

Tesla beantragt Bau einer Lagerhalle - und verspricht Party

Auch Tesla will noch mehr in Brandenburg bauen. Kurz vor Weihnachten hat der Autobauer beantragt, eine Lagerhalle auf dem Fabrikgelände zu errichten, bestätigt der Sprecher des Landkreises Oder-Spree, Mario Behnke. Ob es sich dabei um eine Halle für die von Elon Musk angekündigte weltgrößte Batteriefabrik in Grünheide handelt, ist unklar. Nach tagesschau.de-Recherchen soll die Lagerhalle größer als 20.000 Quadratmeter werden.

Fest steht, dass Musk im vergangenen September vor laufenden Fernsehkameras versprochen hat, eine große Party zu veranstalten, wenn seine Gigafactory in Brandenburg eröffnet wird, und dazu die Nachbarn einzuladen. Doch ob er in Grünheide im Sommer überhaupt gigantisch feiern dürfte, hängt unter anderem von der Coronavirus-Pandemie und den Regeln dafür ab. Diese Auflagen wird der laut des "Billionaires Report" reichste Mensch der Welt nicht mit Geld beeinflussen können.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. Januar 2021 um 12:40 Uhr.